Themen - gesundheit


7

Ruhender Körper, wandernde Augen Was passiert beim Schlafen in unserem Körper?

"Die Türen und Fenster sind zu und drinnen steppt der Bär", bringt es Schlafforscher Jürgen Zulley auf den Punkt. Im Schlaf steuert ein präzise gemixter Cocktail aus Botenstoffen und Hormonen lebenswichtige Prozesse. Eine Masteruhr bestimmt dabei die zeitlichen Abläufe.

Stand: 18.03.2014

Mann in einem Schlaflabor | Bild: picture-alliance/dpa

Wird es draußen dunkel, produziert die Zirbeldrüse in unserem Gehirn das Schlafhormon Melatonin. "Ab ins Bett" signalisiert unsere innere Uhr. Im Idealfall gleiten wir in die Kissen und schlafen ein: Über die Einschlafphase gelangen wir in leichte bis mittlere Schlafphasen bis hin zur Tiefschlafphase. Immer wieder, denn alle eineinhalb Stunden durchlaufen wir diesen Zyklus.

Paradoxer Schlaf

In den Tiefschlafphasen erholt und erneuert sich unser Körper am intensivsten. Wir atmen langsamer, Puls und Blutdruck sinken, die Muskeln sind locker. Unser Hirn schüttet vermehrt Wachstumshormone aus: Kinder wachsen, neue Zellen werden gebildet. In der REM-Phase (Rapid Eye Movement) wird es für unseren Körper dann richtig anstrengend: Messungen der Hirnströme haben gezeigt, dass unser Hirn ähnlich aktiv ist wie im Wachzustand. Deswegen spricht man dabei auch von "paradoxem Schlaf". Unsere Augen bewegen sich ruckartig hin und her, unser Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt. Eigentlich würden wir uns heftig bewegen, doch unsere Muskeln werden durch eine Art Lähmungszustand in Schach gehalten.

Hormone regulieren unsere Nacht

Der durchschnittliche Schläfer (er geht ca. um 23 Uhr ins Bett und wacht um 7 Uhr wieder auf) schläft in der ersten Nachthälfte am tiefsten. Ab drei Uhr etwa wird sein Schlaf leichter. Es beginnt die biologische Geisterstunde. Dann ist die Körpertemperatur am niedrigsten, der Melatoninstand am höchsten. In dieser Phase etwa beginnt der Körper zunehmend Cortisol auszuschütten – ein Stresshormon, das als Wachmacher arbeitet. Bis zum frühen Morgen erreicht der Cortisolspiegel dann seinen Höchststand und sorgt dafür, dass wir wieder wach werden.

Aufwachen gehört zum Schlafen

Bis zu 28 Mal pro Nacht können wir aufwachen, erinnern uns aber meist nicht daran. Wir träumen in allen Phasen, auch in den Non-REM-Phasen. Überhaupt laufen im Schlaf in unserem Gehirn komplexe neuronale Vorgänge ab. Am Tag Erlebtes wird kurzfristig in den Hippocampus abgespeichert. Er ist für die Kurzzeitspeicherung von Informationen zuständig. Von dort aus werden die Informationen dann in unterschiedliche Hirnregionen verteilt.

Lebenskreis Schlaf

Babys können so richtig lange schlafen.

Beim Schlafen kommt es auf die Qualität an. Qualität und Schlafdauer sind auch vom Alter abhängig. Am längsten schlafen wir als Babies. Werden wir älter, verteilt sich unser Schlaf anders. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einigen Probanden zwischen 40 und 50 Jahren weniger bis gar keine Tiefschlafanteile mehr vorhanden waren. Bei anderen änderte sich nichts. Mit zunehmendem Alter wird der Schlaf fragmentierter: Die Betroffenen liegen nachts zwar öfter wach, bleiben dafür aber länger im Bett und schlafen tagsüber häufiger.

Chronobiologie

Mehr über unsere innere Uhr lesen Sie im Kapitel "Chronobiologie" dieses Dossiers.


7