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Hoffnung und Glaube Wie wirken Placebos?

Warum geht es vielen Menschen besser, wenn sie ein Placebopräparat eingenommen haben? Was passiert im Körper? Hier erfahren Sie, was Glaube und Hoffnung bewirken können.

Stand: 24.06.2016

Frau nimmt Tablette ein | Bild: picture-alliance/dpa

Die kleinen Pillen enthalten keinen Wirkstoff, wirken aber trotzdem: Die Herzfrequenz steigt, die Leukozytenzahl nimmt zu oder die Harnsäure ab. Nur weil die Menschen gesund werden wollen und fest daran glauben, dass sie das mithilfe einer Tablette schaffen, verändern sich auch die Körperfunktionen.

Wirkung auf Psyche und Körper

Bei psychischen Störungen setzen Ärzte Placebos schon seit längerem erfolgreich ein, aber auch in der Schmerztherapie werden hoch potente Schmerzmittel immer häufiger durch Medikamente ohne Wirkstoff ersetzt. Forscher untersuchen seit Jahren die Wirkung der Placebos auf Psyche und Körper. Ihr Ergebnis: Unser Körper vermag Erstaunliches.

Der innere Arzt reagiert

Der Patient erwartet, dass es ihm nach Einnahme einer Tablette besser geht. Er ist es so gewöhnt, und er hofft, glaubt daran, dass ihm Arzt und Medikament helfen. Deswegen setzt er seinen inneren Arzt und seine innere Apotheke in Gang.

Das Gehirn befiehlt dem Körper, Hormone auszuschütten.

Die Psyche aktiviert die Biochemie. Das Gehirn befiehlt dem Körper, Hormone auszuschütten, zum Beispiel bei Kopfschmerzen die Endorphine, die Schmerzstopper. Placebos können keinen Knochenbruch heilen, wohl aber die dadurch entstandenen Schmerzen lindern. Denn dabei ist das Zentralnervensystem beteiligt. Hoffnung und Glaube können eben auch Nervenzellen und Hormone aktivieren.

"Ein Placebo-Effekt ist keine Einbildung. Sie simulieren im Körper tatsächlich die Wirkung von Medikamenten ... Solche Placebo-Effekte können häufig ebenso stark sein wie neu entwickelte Medikamente."

Professor Paul Enck, Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Die Einstellung macht's

Eine Tablette ist mehr als nur ihr chemischer Inhalt. Eine Tablette ist auch ein Zeichen für etwas - für die Einstellung: "Jetzt tu' ich etwas gegen meine Schmerzen! Jetzt wird mir geholfen!" Der Patient aktiviert seine Selbstheilungskräfte - und heilt sich selbst. So erklären sich möglicherweise diese erstaunlichen Studienergebnisse aus Heidelberg und Houston:

Placebo-Akupunktur

Selbst bei vermeintlicher Akupunktur wirkt der Placeboeffekt.

An der Universität Heidelberg behandelte Konrad Streitberger Patienten mit schmerzhaften Schulterverletzungen mit speziellen Akupunkturnadeln: Nach einem realistischen Einstich schieben sie sich wie ein Teleskop ineinander und dringen nicht weiter in die Haut ein. Einen Teil der Patienten behandelte Streitberger mit echten Akupunkturnadeln, einen Teil mit diesen Placebo-Nadeln. Von den Patienten, die mit den echten Nadeln behandelt worden waren, waren 74,2 Prozent mit dem Ergebnis zufrieden, von der Placebo-Gruppe waren es 64,7 Prozent.

Homöopathie und Akupunktur

Professor Paul Enck, Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, meint, dass auch Homöopathie und Akupunktur in gewisser Weise der Placebo-Kategorie zuzuordnen seien. Einerseits lässt sich die schulmedizinische Wirkung nicht nachweisen, andererseits wenden Alternativmediziner viele Placebo-Therapien erfolgreich an, so Enck: Sie nehmen sich Zeit für den Patienten, berühren den Hilfesuchenden gezielt und bieten ihm eine Therapie an, die scheinbar individuell auf den Patienten eingeht.

Scheinoperation

In Houston in Texas hingegen behandelte der Orthopäde James Bruce Moseley 180 Patienten mit leichter Knie-Arthrose. Zwei Drittel operierte er, bei einem Drittel von ihnen setzte er nur oberflächliche Schnitte auf der Haut. Das erstaunliche Ergebnis: Nach zwei Jahren waren 90 Prozent der Patienten beider Gruppen mit der OP zufrieden - unter den schmerzfreien waren die "scheinoperierten" sogar in der Überzahl.


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