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Legionärskrankheit Gefahr aus dem Wasserhahn

Die Gefahr lauert in der Wasserleitung: Legionellen-Bakterien, die eine schwere Form der Lungenentzündung verursachen können. Infizieren kann man sich rasch und unauffällig, zum Beispiel beim Duschen.

Stand: 21.03.2017

Tropfender Wasserhahn | Bild: picture-alliance/dpa

Legionellen-Bakterien vermehren sich besonders schnell in stehendem, warmen Wasser bei Temperaturen zwischen 23 und 45 Grad. Bei Temperaturen von 55 Grad und höher sterben sie ab.

Sich mit den gefährlichen Bakterien zu infizieren, geht rasch und unauffällig: Bereits das Einatmen von bakterienhaltiger Luft oder Sprühnebel kann krank machen. Möglich ist dies beispielsweise beim Duschen über die feinen Tröpfchen des Wassernebels oder auch durch die Luft aus Klimaanlagen, in denen sich mit Legionella-Bakterien belastete Aerosole befinden. Schon sind die Legionellen in den Lungen, wo sie in eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen, die sogenannten Makrophagen, eindringen und sich dann weiter vermehren können.

Infektionsgefahr lauert in Wasserleitungen

Die Legionärskrankheit oder auch Legionellose ist die weltweit zweithäufigste Form der Lungenentzündung. Legionellen kommen in natürlichen Gewässern nur selten vor, sie bevorzugen die von Menschenhand geschaffenen Wasserrohrsystemen. Besonders gefährliche Bereiche für eine mögliche Infektion sind große Gebäude mit langen Wasserleitungen, wie beispielsweise Krankenhäuser, Altenheime, große Hotels und Schulen, in denen das 40 bis 60 Grad warme Wasser mehrere Wochen lang still stehen kann und den Legionellen so einen hervorragenden Brutplatz bieten. Aber auch in Whirlpools, Schwimmbädern, Saunen und sogar auf Campingplätzen ist man vor den Legionellen nicht sicher.

Wasserhähne mit Sensor offensichtlich besonders belastet

Hitze vertragen die Legionella-Bakterien nicht.

Wasserhähne, die sprudeln, sobald man die Hände darunterhält, ohne die Armatur berühren zu müssen, galten bisher als besonders hygienisch. Denn man muss sie nicht anfassen, um sich die Hände zu waschen. So können keine Keime übertragen werden. Deswegen sind sie gerade in öffentlichen Toiletten und in Krankenhäusern beliebt.

Wissenschaftler um Emily Sydnor von der Johns Hopkins University haben mehr oder weniger durch Zufall entdeckt, dass gerade diese sensorgesteuerten Hähne stärker mit Keimen wie Legionellen belastet sind als manuell bedienbare Hähne. Fünfzig Prozent der Proben aus den elektronisch gesteuerten Wasserhähnen waren mit Legionellen kontaminiert - bei den manuellen Armaturen waren es hingegen nur 15 Prozent.

Warum das so ist, ist noch nicht geklärt. Man vermutet, dass die stärkere Keimbesiedlung mit dem komplexeren Aufbau dieser Hähne zusammenhängt. Die bietet den Keimen eine vergrößerte Oberfläche, sodass sie mehr Fläche zum siedeln und wachsen haben.

Besonders ältere und schwache Menschen gefährdet

Legionellose: für ältere Menschen potenziell tödlich

Die Krankheit selbst beginnt für den Betroffenen oft recht harmlos mit Husten, Durchfall und Fieber. Danach folgen Schüttelfrost und Erbrechen. Später kann es zu schweren Lungen- und Rippenfellentzündungen kommen. Die ersten Symptome treten zwei bis zehn Tage nach der Infektion auf. Mit Antibiotika ist die Legionellose im Prinzip gut behandelbar. Doch sie kann auch tödlich enden - vor allem bei älteren und geschwächten Menschen.

So können Sie sich schützen

Die Legionellose ist meldepflichtig. Da aber nicht alle Erkrankungen, besonders bei leichterer Symptomatik erkannt werden, ist eine hohe Dunkelziffer wahrscheinlich. Das Robert-Koch-Institut in Berlin geht davon aus, dass von jährlich 500.000 Pneumonien etwa 21.000 auf das Konto der Legionellose gehen. Trotzdem ist man den gefährlichen Krankheitserregern nicht schutzlos ausgeliefert: Die Legionella-Bakterien können mit Hitze ganz leicht abgetötet werden. Schon bei einer Wassertemperatur zwischen 60 - 70 Grad Celsius werden die Keime vernichtet. Zudem sind nach Angaben des Robert Koch Institutes in Berlin, Legionellen, die im Wasser vorkommen, keine direkte Gefahr für den Menschen. Erst das Einatmen von bakterienhaltiger Luft oder Sprühnebel kann krank machen.

Wasser erhitzen und länger laufen lassen

Die Keime lauern im Wasserhahn.

Experten raten, in gefährdeten Bereichen das Wasser in den Leitungen entweder regelmäßig auf über 70 Grad zu erhitzen, oder beständig auf einer Temperatur von 60 Grad Celsius erwärmt zu lassen, damit sich die Keime gar nicht erst vermehren können. In großen Gebäuden sollten darüber hinaus die Wassersysteme und Klimaanlagen immer wieder mal auf Legionella-Bakterien untersucht oder gleich auch desinfiziert werden.

Und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, der sollte in Häusern, in denen in einigen Räumen die Wasseranlage und -leitungen einige Zeit nicht verwendet wurden, das Warmwasser erst einige Minuten lang fließen lassen und so eventuell vorhandene Bakterien mit rausschwemmen.


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