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Kreisrunder Haarausfall Wenn man plötzlich kahl wird

Haare sind Ausdruck der Persönlichkeit. Umso schmerzlicher ist es, wenn sie ausfallen - nicht altersbedingt und langsam, sondern plötzlich und am ganzen Kopf. Was kann man gegen den sogenannten kreisrunden Haarausfall tun?

Von: Maike Brzoska

Stand: 01.03.2012

Haarprobe | Bild: picture-alliance/dpa

Aus medizinischer Sicht haben Körperhaare keine überlebenswichtige Funktion für den Menschen. Anders als Tiere brauchen wir kein Fell mehr, das den Körper wärmt. Für das eigene Wohlbefinden können Haare aber sehr wichtig sein. Wenn dann plötzlich kahle Stellen auftauchen, ist das oft ein Schock für die Betroffenen - besonders für Frauen.

"Der kreisrunde Haarausfall, Alopecia areata, ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei richten sich sogenannte T-Lymphozyten, also Immunzellen, die normalerweise Pilze oder Viren bekämpfen sollten, gegen die eigenen Haarwurzeln und führen dort zu einer Lähmung der Haarwurzelaktivität, sodass das Haar nicht mehr wächst, schließlich abbricht und ausfällt."

Prof. Hans Wolff, Leiter der Haarsprechstunde, Uniklinik LMU München

Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung erkranken daran im Laufe ihres Lebens. Damit ist der kreisrunde Haarausfall so häufig wie zum Beispiel die Schuppenflechte. Bei den meisten Betroffenen wachsen die kahlen Stellen nach einigen Monaten wieder nach, nur ein kleiner Prozentsatz verliert alle Haare.

Haarausfall durch Stress?

Die Wissenschaft rätselt noch über die Ursachen des kreisrunden Haarausfalls. Stress kann im Einzelfall ein Grund sein, ist aber nicht der Regelfall. Festgestellt wurde aber, dass Betroffene etwas häufiger als die restliche Bevölkerung auch an anderen Autoimmunerkrankungen leiden.

Therapiemöglichkeiten

Ein gezielt wirkendes Medikament gegen den kreisrunden Haarausfall gibt es nicht. Solange die Ursachen der Krankheit nicht bekannt sind, dürfte sich daran auch so schnell nichts ändern.

"Die Therapiemöglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, sind leider sehr, sehr schlecht. In der Haarsprechstunde der Uniklinik München geben wir am Anfang gerne innerlich Zinktabletten, weil Zink ein gestörtes Immunsystem etwas in eine positive Selbstregulierung lenken kann. Häufig hilft diese Behandlung bei schweren Verläufen allerdings nicht, sodass wir zu der meiner Ansicht nach stärksten und besten Therapie greifen: Das ist die sogenannte topische Immuntherapie mit Diphencyprone. Hierbei handelt es sich um eine Chemikalie, die man einmal die Woche auf die Kopfhaut reibt. Die erzeugt dann eine Art Ekzem."

Prof. Hans Wolff, Leiter der Haarsprechstunde, Uniklinik LMU München

Heilsamer Reiz für das Immunsystem

Durch die Chemikalie wird eine Abwehrreaktion des Immunsystems erzeugt - die Kopfhaut juckt, die Lymphknoten schwellen an, teilweise löst sich die Haut von den betroffenen Stellen. Die starke Reaktion ist gewollt, denn wenn die Immunreaktion nachlässt, besteht die Chance, dass als Nebeneffekt auch der Haarausfall gestoppt wird.

"Das Prinzip dieser örtlichen Immuntherapie beruht darauf, dass man durch das Allergen, dieses Diphencyprone, ein Ekzem erzeugt und das bedeutet mikroskopisch, dass wir zusätzlich andere T-Lymphozyten anlocken. Diese Lymphozyten regulieren sich aber von selbst innerhalb von zwei, drei Tagen wieder herunter. Diese Art der Selbstunterdrückung nimmt diese anderen follikel-aggressiven Lymphozyten mit."

Prof. Hans Wolff, Leiter der Haarsprechstunde, Uniklinik LMU München

Link-Tipp

Mehr Informationen über die Haarsprechstunde der Münchner Universität finden Sie hier:

Aber nur bei rund der Hälfte der Patienten, die so behandelt werden, wachsen die Haare nach einigen Monaten nach. Die Behandlung ist kein etabliertes Therapieverfahren - die Ärzte sprechen von einem "individuellen Heilversuch". Deswegen übernehmen die meisten Krankenkassen die Behandlung auch nicht. Die Patienten müssen pro Quartal 250 Euro dafür zahlen.


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