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Alternative Heilmethode Der Muskeltest als Draht zum Unterbewussten

Es gibt eine Vielfalt von kinesiologischen Methoden. Alle verwenden den Muskeltest, um Blockaden im Körper aufzuspüren und zu lösen. Jede hat aber eine bestimmte Philosophie und dementsprechende Einsatzgebiete. Es gibt Methoden für die Selbstanwendung, sogenannte kinesiologische Bewegungsübungen, und Behandlungsverfahren, die nur ausgebildete Kinesiologen anbieten.

Stand: 13.11.2015

Illu: Männchen hält Gleichgewicht, Steine und Strand | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Die Kinesiologie ist eine ganzheitliche, alternative Heilmethode. Der Name kommt vom griechischen Wort für "Bewegung". Die Kinesiologie verbindet Inhalte der Traditionellen Chinesischen Medizin mit Elementen von Chiropraktik, Bewegungs- und Ernährungslehre, der Gehirn- und Stressforschung und NLP (Neurolinguistisches Programmieren).

Meridiane, Farben und Bewegung

Zentral in der Kinesiologie: der freie Energiefluss

Aus der Traditionellen Chinesischen Medizin kommt etwa das Meridiansystem, mit dem die Kinesiologen arbeiten, oder die Zuordnung von Farben, Elementen und Gefühlen zu Organen (zum Beispiel: Wasser - Blase - Angst - blau). Aus der Stressforschung übernahm die Kinesiologie die Annahme, dass negativer Stress den Fluss der Lebensenergie behindert. Dadurch kommt es zu körperlichen oder seelisch-geistigen Blockaden. Aus dem Neurolinguistischen Programmieren übernahm die Kinesiologie die Arbeit mit Glaubenssätzen. Das sind negative und positive Überzeugungen, die meist seit der Kindheit in uns verankert sind und unser Leben stark beeinflussen. Zum Beispiel die Annahme: "Ich bin nicht liebenswert." Ziel ist es, negatives in positives Denken zu verwandeln. Auch Erkenntnisse der Gehirnforschung, wonach Bewegung wichtig für das Lernen ist, werden aufgegriffen.

Für Körper, Seele und Geist

Kinesiologie hilft bei Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Erschöpfung, Allergien, Verspannungen, Lern- und Schlafproblemen. Behandelt werden können Kinder und Erwachsene. Dies jedoch erst nach Abklärung der Probleme durch einen Arzt und begleitend zu einer schulmedizinischen Behandlung. Als Selbsthilfemethode unterstützt sie ähnlich wie Yoga oder Qi Gong die Zentrierung und Entspannung.

Grundannahmen der Kinesiologie

  • Gesundheit bedeutet, dass die Lebensenergie, das Qi, frei fließt.
  • Körper, Geist und Seele sind ein großes Ganzes. Probleme, die sich nur in einem der Bereiche zeigen, können dennoch ihre Ursache auf verschiedenen Ebenen haben.
  • Der menschliche Organismus hat die Kraft, sich selbst zu regulieren.
  • Jeder Mensch "weiß" in seinem Unterbewusstsein, was ihm gut oder schlecht tut.
  • Über den Muskeltest kann man mit dem Unterbewusstsein kommunizieren.
  • Durch "Balance-Maßnahmen" kann das System wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

Keine wissenschaftliche Grundlage für Wirksamkeit

Schulmedizinisch ist die Kinesiologie ebenso wenig anerkannt wie etwa die Homöopathie. Die Wirksamkeit des Muskeltests konnte in wissenschaftlichen Untersuchungen ebenso wenig bewiesen werden wie die kinesiologischer Behandlungsmethoden. Viele Menschen, insbesondere Schulmediziner, stehen der Kinesiologie deshalb sehr skeptisch gegenüber. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die positive Erfahrungen mit der Kinesiologie gemacht haben und von der Wirksamkeit dieser Methode überzeugt sind. Oft konnte ihnen die Schulmedizin über Jahre nicht helfen, und die Kinesiologie war ihre letzte Hoffnung.

Wer sich entscheidet, es mit Kinesiologie zu versuchen, sollte in jedem Fall vorher einen Arzt konsultieren und abklären, inwieweit auch ein medizinischer Behandlungsbedarf besteht.

"Eine interindividuelle Reproduzierbarkeit der Messdaten war nicht gegeben. Darüber hinaus deckten sich die kinesiologischen Diagnosen nicht mit denen etablierter diagnostischer Verfahren."

Fazit von Dr. Edzard Ernst aus der Betrachtung verschiedener Studien zur Kinesiologie, erschienen im Deutschen Ärzteblatt 2005; 102: A 3034–3037 [Heft 44]

Der Muskeltest erklärt aus kinesiologischer Sicht

Der Muskeltest wird verwendet, um unmittelbare Antworten vom Körper/Unterbewusstsein zu bekommen. Möglich sind nur Ja-Nein-Fragen oder die Auskunft: stark/schwach, was soviel bedeutet wie: "Hier habe ich ein Problem", oder "Alles gut". Wenn der Klient im Bezug auf einen Meridian oder ein Thema entspannt bleibt, hält der Muskel ohne Anstrengung; ist er angespannt, gestresst, kann er nur unter großer Anstrengung halten. Der Kinesiologe nennt also zum Beispiel ein Gefühl, etwa "Ich gehöre nicht hierher." und drückt auf den Muskel. Ist er schwach, handelt es sich um eine Überzeugung, die den Getesteten belastet.
Es gibt viele verschiedene Arten zu testen: im Stehen oder im Liegen, mit den Armen seitlich oder vor dem Körper. Wissenschaftlich ist der Muskeltest nicht anerkannt (siehe oben), in Studien deckten sich die durch ihn erzielten Ergebnisse bei Allergietests nicht mit denen schulmedizinischer Testverfahren.

Entstehung der Kinesiologie

George Goodheart, ein amerikanischer Chiropraktiker, entdeckte durch Zufall Zusammenhänge zwischen Muskeln, Meridianen und Organen. Zunächst versuchte er Muskeln, die schwach oder schmerzhaft waren, direkt zu behandeln – ohne Erfolg. Als er dann jedoch eine bestimmte (zugehörige) Organ-Reflexzone massierte, wurde der Muskel wieder funktionsfähig. Durch weiteres Forschen und Ausprobieren fand er heraus, dass jeder Meridian mit einem oder mehreren Muskeln in Verbindung steht. Eine Schwäche des Muskels gibt also direkt einen Hinweis auf eine Schwäche der zugehörigen Energiebahn. 


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