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Urlaubsgefahr Hepatitis - Leber in Gefahr

In Deutschland gibt es rund 10.000 Hepatitisfälle pro Jahr. Schon im Mittelmeerraum kann man sich anstecken. Viele Ärzte empfehlen deshalb Hepatitis-Impfungen vor dem Urlaub.

Stand: 24.06.2016

Urin mit Hepatitis-A-Zellen in einer Petrischale | Bild: picture-alliance/dpa

Hepatitis ist eine Virusinfektion der Leber, die weltweit vorkommt. Besonders häufig tritt sie in den Tropen auf, aber auch Südeuropa ist betroffen. Hepatitis kommt in verschiedenen Formen vor und wird deshalb in die Typen A bis E eingeteilt. Je nach Form kann man sich über Lebensmittel, infiziertes Wasser, Blut und andere Körperflüssigkeiten anstecken. Dazu bergen Spritzen, Bluttransfusionen, Tätowierungen und Piercing-Stechen ein Hepatitis-Risiko, wenn nicht auf Hygiene geachtet wird. Nur gegen Hepatitis A und B gibt es eine Impfung. In Deutschland leiden etwa eine Million Menschen an Hepatits B oder C.

Unauffälliger Verlauf

Viele ahnen nichts von ihrer Erkrankung, da sie lange Zeit keine Probleme verursacht und die für Hepatitis typischen Gelbfärbungen von Haut und Augen erst nach einer längeren Inkubationszeit auftreten. Die Symptome ähneln meist denen einer Grippe. Häufig fühlen Erkrankte sich müde, manche haben auch Muskelbeschwerden oder einen Druck im rechten Oberbauch.

Auffällige Leberwerte ernst nehmen

Hepatitiserreger

Viele Erkrankte fallen erst auf, wenn sie bereits an einer fortgeschrittenen Lebererkrankung leiden. Dabei könnte man Spätfolgen häufig verhindern, wenn erhöhte Leberwerte konsequent abgeklärt würden. Die Spätfolgen von Hepatitis-Erkrankungen (Leberzirrhose, Leberkrebs) gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen.

Impfung nur gegen Hepatitis A und B

Link-Tipp

Wie gefährdet sind Sie? Hier geht es zum Test der Deutschen Leberstiftung.

Gegen Hepatitis A und B kann man sich beim Hausarzt oder Tropenmediziner impfen lassen - in der Regel werden beide Impfstoffe zusammen gespritzt, es gibt aber auch Einzel- und Schnell-Impfungen. Bei Kombi-Impfungen muss bis zu dreimal in einem bestimmten Rhythmus geimpft werden, damit die Impfung wirkt und zehn Jahre vorhält.

Hepatitis A

Hepatitis A, auch Reisegelbsucht genannt, ist vor allem dort verbreitet, wo schlechte sanitäre Bedingungen herrschen und das Trinkwasser oder Lebensmittel (Muscheln, Meerestiere) belastet sind. In Europa kommt das Virus im Mittelmeerraum sowie Osteuropa vor.

Hepatitis A

Verbreitung

Die Viruserkrankung Hepatitis A ist auch als Reisegelbsucht bekannt und verbreitet sich unter schlechten hygienischen Bedingungen über Nahrung, Getränke und Wasser. Infektionsgefahr droht zum Beispiel durch virusverseuchte Speisen wie Salat, ungeschältes Obst oder verunreinigtes Wasser, das zum Zähneputzen oder zur Bereitung von Speiseeis und Eiswürfeln verwendet wird. Wasser wird zum Überträger des Hepatitis A-Virus, wenn es durch Exkremente verschmutzt ist. Auch durch infizierte Meeresfrüchten kann man sich anstecken. Im Süden Europas liegt der Anteil der Meerestiere, die den Erreger der Leberenzündung enthalten, bei rund 30 Prozent.

Symptome

Die Symptome von Hepatitis A ähneln denen eines grippalen Infekts. In der Regel verläuft eine Erkrankung relativ harmlos und nicht tödlich, es kann aber auch zu schweren Verläufen mit längeren Krankenhausaufenthalten kommen. Bei Kindern treten oft nur leichte Symptome auf, häufig bleibt die Krankheit sogar unbemerkt. Erwachsene leiden im akuten Stadium besonders an andauernden Kreislaufproblemen, Schwäche, Übelkeit, Durchfall oder auch psychischen Störungen. Die Krankheit ist zu Beginn immer ansteckend und führt häufig zu monatelanger Arbeitsunfähigkeit.

Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt vor allem Risikopatienten, sich gegen Hepatitis A und B impfen zu lassen. An sich ist eine Hepatitis-A-Infektion eher harmlos - für Menschen mit Leberschäden kann sie jedoch lebensgefährlich sein. Deshalb muss der Arzt mögliche Risiken genau abklären.

Reiseimpfung

Die Hepatitis A-Impfung sollte etwa zwei Wochen vor Reisebeginn erfolgen. Auch eine Kombinationsimpfung gegen beide Virenarten ist erhältlich. Für einen langfristigen Schutz sollte sie nach einem halben bis einem Jahr aufgefrischt werden.

Nach Angaben der Techniker Krankenkasse ist eine Impfung gegen Hepatitis A auch kurzfristig noch wenige Tage vor Reiseantritt möglich und sinnvoll, weil bereits nach der ersten Impfung ein hoher Impfschutz bestehe.

Hepatitis B und D

Auch Hepatitis B ist in südeuropäischen Ländern und Osteuropa verbreitet und wird sexuell oder über Blutkontakt übertragen. Der Verlauf der Krankheit ist meist schwerer als der von Hepatitis A, zudem kann Hepatitis B in ein chronisches Stadium übergehen. (Nur) wer Hepatitis B hat, kann sich auch Hepatits D einfangen, denn das Hepatitis-D-Virus braucht das Hepatitis-B-Virus zur Vermehrung. Die Infektion verläuft dann meist schwerer. Hepatitis D kommt in Mittelmeerraum, Südamerika und Afrika vor. Hepatitis B und D können zu Leberkrebs führen.

Hepatitis B

Verbreitung

Hepatitis B ist weltweit verbreitet. Nach Angaben der WHO haben weltweit zwei Milliarden Menschen eine Infektion mit Hepatitis B durchgemacht. In Deutschland ist die Krankheit vergleichsweise selten. Rund sieben Prozent der Bevölkerung besitzen Hepatitis B-Antikörper, das heißt, dass sie die Krankheit irgendwann einmal durchgemacht haben. Risikogruppen für Hepatitis B sind Drogenabhängige, medizinisches Pflegepersonal, Ärzte und Dialysepatienten.

Symptome

Symptome im akuten Stadium sind Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Übelkeit, dazu kommt die typische Gelbfärbung von Augen, Schleimhäuten und Haut. Der Stuhl entfärbt sich, und der Urin wird dunkel. Bei 90 Prozent der Neugeborenen und zehn Prozent der erwachsenen Erkrankten kann sich eine chronische Leberentzündung entwickeln. Bei einem Teil dieser Patienten entsteht eine Schrumpfleber oder Leberkrebs.

Reiseimpfung

Reisende in Hepatitis-B-Gebiete sollten sich impfen lassen. Es stehen sowohl Einzelimpfstoff und Kombinationsimpfstoffe (oft mit Hepatitis A) zur Verfügung. Die Entscheidung über Impfung, Impfstoff und Impfschema treffen Sie zusammen mit Ihrem Arzt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts kann man nach einer Impfung gegen Hepatitis B von einem Schutz von mindestens zehn Jahren ausgehen.

Nebenwirkungen

Neben lokalen Reaktionen an der Einstichstelle sind nach einer Hepatitis-B-Impfung gelegentlich auch folgende Symptome möglich: leichte bis mäßige Temperatur, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit. In Einzelfällen wurde über allergische Reaktionen berichtet. Ungeklärt ist ein ursächlicher Zusammenhang der Impfung mit neurologischen Störungen wie Gehirnentzündung und der Auslösung rheumatischer Erkrankungen.

Tipps für Reisende

  • Vermeiden Sie alle ungekochten oder nicht durchgebratenen Nahrungsmittel sowie Früchte und Gemüse, die nicht geschält werden können. (Reise-Regel: Lebensmittel schälen, kochen, waschen oder vergessen!)
  • Trinken Sie keine Rohmilch, Trinkwasser aus der Leitung, Eiswürfel und Speiseeis.
  • Vermeiden Sie Fleisch, Fisch und Schalentiere in rohem Zustand.
  • Risikofreie Getränke sind heißer Tee oder Kaffee sowie Bier, Wein und Getränke aus fest verkapselten Flaschen.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Hepatitis C

Hepatits C kommt weltweit vor und wird sexuell oder über Blutkontakt übertragen (z.B. Bluttransfusion, Tätowierungen, Piercings, Spritzen). Die Erkrankung verläuft meist unauffällig und chronisch, aber selten schwer wie bei anderen Hepatitis-Viren. Patienten leiden an chronischer Mattigkeit, Bauchbeschwerden, Gelenk- und Nierenentzündungen. 20 Prozent der Erkrankten bekommen eine Leberzirrhose und haben damit ein erhöhtes Risiko an Leberzellkarzinom zu erkranken. Gegen Hepatitis C gibt es keinen Impfschutz. Schützen kann man sich nur dadurch, dass man den Kontakt mit Blut von Infizierten meidet.

Hepatitis E

Hepatitis E tritt in Asien, Afrika, dem Nahen Osten und in Mexiko auf. Fast immer erfolgt die Infektion durch Trinkwasser, das mit Fäkalien verseucht ist. In Deutschland ist Hepatitis E selten. Besonders für Schwangere ist eine Hepatitis-E-Infektion gefährlich, weil sie lebensbedrohlich verlaufen kann. Es gibt noch keine Impfung oder Therapie gegen Hepatitis E.


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