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Immunisierung So funktionieren Impfstoffe

Impfen: Das bedeutet, den Körper auf Gefahren vorzubereiten, denen er irgendwann in der Zukunft ausgesetzt sein könnte. Eine trainierte Immun-Abwehr kann Krankheitserreger niederkämpfen, gegen die sie ohne Vorbereitung keine Chance hätte. Welche Prozesse spielen sich im Körper bei einer Impfung ab?

Stand: 21.06.2016

Blutzellen im Rasterelektronenmikroskop | Bild: picture-alliance/dpa

Zu den stärksten Waffen der Immun-Abwehr gehören die Antikörper. Millionen zirkulieren davon im Blut und heften sich an Krankheitserreger an. Die mit Antikörpern gespickten Erreger werden anschließend von Abwehrzellen erkannt und gefressen.

Eingemottete Waffen schützen vor zweitem Angriff

Auf jeden Erreger passen nur bestimmte Antikörper. Während einer Infektion steigt die Produktion dieser passenden Antikörper so lange, bis der Eindringling besiegt ist. Danach mottet der Körper die Produktions-Zellen für diese Antikörper ein. Sollte der gleiche Erreger noch einmal in den Körper gelangen, aktiviert die Abwehr diese Zellen und produziert die entsprechenden Antikörper daher viel schneller als beim ersten Kontakt. Deshalb hat der Erreger bei der zweiten Infektion kaum Chancen. Dieses "Gedächtnis" des Immunsystems ist der Grund, dass man viele - nicht alle - Kinderkrankheiten nur einmal durchmacht, und dass man den Körper durch diese sogenannte Aktiv-Impfung auf künftige Krankheiten vorbereiten kann.

Impfstoffherstellung

Erreger

Erreger als Impfstoff

Impfstoffe werden aus den Erregern von Krankheiten hergestellt. Die Mikroorganismen müssen dazu zunächst in ausreichenden Mengen angereichert werden. Dafür gibt es verschiedene Verfahren. Sie beruhen meist darauf, dass Viren oder Bakterien in geeigneten Nährmedien gezüchtet werden. Zum Beispiel werden für den Grippeimpfstoff Millionen von Hühnereiern bebrütet, die mit Grippeviren angeimpft sind. Einzelne Bestandteile eines Erregers für einen Impfstoff können aber auch gentechnisch hergestellt werden.

Arten

Tot- und Lebendimpfstoffe

Unterteilt werden die Impfstoffe in Tot- und in Lebendimpfstoffe. Totimpfstoffe enthalten abgetötete Keime, Bestandteile der Zelloberfläche der Erreger, oder ihr entgiftetes Gift. Für die "Abtötung" werden verschiedene, auch für den Menschen giftige Substanzen wie Formaldehyd oder Phenol eingesetzt. Trotz Reinigung des Impfstoffes können diese noch enthalten sein. Einer der umstrittensten Zusätze ist das quecksilberhaltige Thiomersal. Es ist heute nur noch in sehr wenigen Impfstoffen enthalten.

Beispiele

Beispiele für Impfstoffe

Tot-Impfstoffe:
Polio, FSME, Influenza, Hepatitis A:
Impfstoffe aus abgetöteten Bakterien oder Viren
Keuchhusten, Haemophilus influenza Typ B (HiB), Hepatitis B: Impfstoff aus Bestandteilen der Zelloberfläche
Tetanus, Diphtherie: Impfstoff enthält entgiftete Giftstoffe

Lebend-Impfstoffe:
Masern, Röteln, Mumps und Windpocken

Lebendimpfstoffe

Lebendimpfstoffe

Für Lebendimpfstoffe werden die Erreger unter Bedingungen gezüchtet, die nicht optimal für das Wachstum sind. Derartig geschwächt sind sie nicht mehr in der Lage, die Krankheit zu verursachen. Trotzdem vermehren sie sich im Körper und trainieren die Immunabwehr. Gefürchtetes Ereignis ist, dass ein abgeschwächter Erreger zurück mutiert und wieder seine ursprünglichen gefährlichen Eigenschaften erwirbt. Ein Beispiel dafür war die sogenannte "Impf-Polio", die früher nach der Schluckimpfung gelegentlich auftrat. Heute wird deshalb gegen Kinderlähmung mit einem Totimpfstoff geimpft.

Kombinationen

Kombinationspräparate

Viele Impfstoffe werden heute als sogenannte Kombinationspräparate hergestellt, in denen verschiedene Impfstoffe enthalten sind. Auf diese Weise versucht man die Dosis an Zusätzen möglichst gering zu halten, die Impfreaktionen auslösen könnten. Ein solches Kombinationspräparat ist der Sechsfach-Impfstoff gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus influenza Typ B (Hib), Keuchhusten und Polio. Würde man gegen jede Krankheit einzeln impfen, hätte ein Kind am Ende die sechsfache Dosis an Zusatzstoffen.

Impfstoffe: Trainings-Gegner für die Abwehr

Impfstoff gegen Pocken, als Notfall-Reserve: Die Krankheit gilt als ausgerottet.

Bei der Impfung "infiziert" man den Körper mit abgeschwächten Erregern. Das können lebende Erreger sein, die durch spezielle Zucht oder Bestrahlung geschwächt sind (Lebendimpfstoff). In anderen Fällen dienen abgetötete Erreger als Impfstoff (Totimpfstoff). Besonders sicher ist ein Impfstoff, wenn nur einzelne Bestandteile des Erregers enthalten sind, die zum Beispiel gentechnisch hergestellt wurden.Die Immunabwehr reagiert auf die Trainings-Gegner wie auf echte Erreger: Sie produziert die passenden Antikörper. Weil der Trainings-Erreger aber geschwächt ist, baut der Körper sein Antikörper-Gedächtnis auf, ohne dass es zur Krankheit kommt. Damit hat er den entscheidenden Trainings-Vorsprung, mit dem er eine wirkliche Infektion erfolgreich bekämpfen kann.

Impfstoffzulassung

Deutschland

Zuständigkeit in Deutschland ...

Zuständig für die nationale Zulassung von Impfstoffen ist in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut im hessischen Langen. Es wird jedoch praktisch kein Impfstoff mehr ausschließlich für den Deutschen Markt zugelassen. Über Zulassungs-Anträge von Impfstoffen, die zentralisiert für ganz Europa zugelassen werden sollen, entscheidet die Europäische Kommission.

Europa

... und auf europäischer Ebene

Zuständig dafür ist die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA (European Medicines Evaluation Agency). Auch hier ist das Paul-Ehrlich-Institut entscheidend beteiligt. Im wissenschaftlichen Beratungsgremium der EMEA sitzen pro Mitgliedsland zwei Vertreter, die beiden deutschen kommen vom Paul-Ehrlich-Institut.

Antragsdauer

Ein Zulassungsverfahren dauert in der Regel ungefähr sieben Monate. In dieser Zeit werden die vom Antragsteller eingereichten Unterlagen geprüft.

Verfahren

Zulassungsverfahren

Vereinfacht lässt sich das Europäische Zulassungsverfahren folgendermaßen darstellen: Pro Mitgliedsland verfassen die beiden Berichterstatter je einen Bewertungsbericht, der nach Diskussion im Ausschuss in ein Gutachten einfließt. Dieses Gutachten ist Entscheidungsgrundlage für die Kommission, ob der Impfstoff zugelassen werden kann oder nicht. Hat ein Mitgliedsland Bedenken, verzögert sich die Zulassung, da dann noch Fragen an den Hersteller gestellt werden. Kürzer ist der Prozess, wenn ein Impfstoff schon in einem Land zugelassen ist und nun auch in anderen Ländern eingesetzt werden soll.

Meldepflicht

Gravierende Impfreaktionen müssen gemeldet werden

Ist ein Impfstoff zugelassen, liegt der Verantwortung bei Ärzten und Patienten. Nach dem Infektionsschutzgesetz sind über das normale Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehende gesundheitliche Auswirkungen zu melden. Normal sind Lokalreaktionen wie Rötung, Schwellung und Schmerzen im Bereich der Einstichstelle, Fieber bis 39,5 Grad Celsius Kopf- und Gliederschmerzen und Unwohlsein. Auch das Auftreten masern- oder mumpsähnlicher Symptome innerhalb von einer bis vier Wochen nach der Impfung gehört noch zur normalen Impfreaktion. Alles, was darüber hinaus geht, sollte umgehend medizinisch untersucht und gegebenenfalls an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. Dieses leitet die Meldung dann zur Überprüfung an das Paul-Ehrlich-Institut weiter.


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