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Sofort handeln Meningokokken - akute Lebensgefahr

Meningokokken können schwere Infektionen auslösen, zum Beispiel Hirnhautentzündungen oder Blutvergiftungen. Deshalb raten Ärzte, Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem impfen zu lassen.

Stand: 24.06.2016

Mutter fühlt krankem Kind die Stirn | Bild: Image Source

Meningokokken sind Bakterien, die zu zwei Dritteln aller Fälle eine Meningitis (Hirnhautentzündung,) und zu einem Drittel aller Fälle eine Sepsis (Blutvergiftung) hervorrufen können. Sie kommen weltweit vor. Trotz ihrer Gefährlichkeit werden die Krankheitserreger unterschätzt, warnt die Bayerische Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen und rät dringend zur Impfung. Zwar sind Infektionen in Deutschland selten. Nur rund 700 Menigkokokken-Erkrankungen werden pro Jahr gemeldet. Die Folgen einer Infektion sind jedoch erheblich: Etwa jeder zehnte Patient stirbt, bei rund der Hälfte bleiben dauerhafte Schäden zurück, zum Beispiel Lähmungen oder Krampfleiden, der Verlust des Gehörs oder Gehirnschäden.

Unterschiedliche Erreger-Typen

Menigokokken kann man nicht aus dem Weg gehen: Bei etwa zehn Prozent aller Deutschen sind die Bakterien im Nasen- und Rachenraum zu finden. Sie erkranken nicht, können die Bakterien aber durch Tröpcheninfektion übertragen. Der einzige wirkungsvolle Schutz ist daher eine Impfung. Allerdings gibt es zwölf verschiedene Arten von Meningokokken, die Erkrankungen auslösen. In Deutschland sind Typ B und C am weitesten verbreitet. Eine Impfung schützt aber nur gegen den Typ C, der rund ein Drittel der Erkrankungen verursacht. Gegen Typ B gibt es noch keinen Impfstoff.

Risikogruppe Kleinkinder und Jugendliche

Link-Tipps

Ausführliche Informationen finden Sie beim Arbeitskreis Meningokokken des Deutschen Grünen Kreuzes.

Kleinkinder (Alter: ein bis zwei Jahre) und Jugendliche (Alter: 15-19 Jahre) infizieren sich am häufigsten. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt daher die Impfung gegen Meningokokken für Kinder ab einem Jahr. Bei Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahre sollte die Impfung nachgeholt werden. Auch wer in Länder reist, in denen Meningokokken-Infektionen häufiger auftreten, zum Beispiel Indien oder Afrika südlich der Sahara, sollte sich impfen lassen. Gleiches gilt für Menschen mit Erkrankungen des Immunsystems.

Symptome einer Meningokokken-Erkrankung

  • hohes Fieber
  • Schüttelfrost
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Benommenheit bis hin zu Bewusstseinsstörungen
  • plötzlich schweres Krankheitsgefühl
  • Lichtempfindlichkeit
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Erbrechen und Nackensteifigkeit (bei Hirnhautentzündung)
  • großflächige Hauteinblutungen (bei Sepsis)
  • Beinschmerz
  • kalte Hände und Füße
  • sehr blasse Haut

Eine wichtiges Warnsignal sind rot-violette Hautflecken. Diese Hautblutungen verschwinden nicht, wenn man mit einem Trinkglas dagegen drückt. Sie sind Zeichen einer Blutvergiftung. Diese Symptome müssen nicht alle gleichzeitig auftreten, sie können sich auch innerhalb weniger Stunden oder Tage entwickeln oder gar nicht.

Beim geringsten Verdacht auf eine Infektion mit Meningokokken sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus! Innerhalb weniger Stunden kann sich eine lebensbedrohliche Erkrankung entwickeln.

Meningokokken

Verbreitung

Wie verbreitet sind Meningokokken?

Entwicklungsländer: Hier kommen Infektionen vor allem im sogenannten Meningitisgürtel der Subsaharazone Afrikas (südlich der Sahara und nördlich des Äquators) sowie Asien vor. Es herrschen Infektionen durch Meningokokken vom Typ A vor.

Westliche Industrieländer: Hier treten Meningokokken-Infektionen vom Typ B und C auf, aber relativ selten. In Deutschland erkranken jährlich ungefähr 700 Menschen an einer invasiven Meningokokken-Infektion, 176 davon an einer Meningokokken-C-Infektion, davon sterben ungefähr 21 bis 25 Menschen. Betroffen sind in erster Linie Kleinkinder und Jugendliche.

Ansteckung

Wie kann man sich anstecken?

Übertragen werden die Meningokokken durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel beim Niesen oder Husten. Es gibt verschiedene Meningokokken-Unterarten. Schwere Krankheitsverläufe werden in Mitteleuropa vor allem durch die Meningokokken vom Typ B und C verursacht. Vor allem Menschen, bei denen das Immunsystem durch eine Krankheit oder andere Faktoren geschwächt ist, erkranken.

Verlauf

Wie verläuft eine Meningokokken-Infektion?

Häufig verbleibt der Erreger nach der Infektion auf den Schleimhäuten im Nasen-Rachen-Raum. Zu schweren Krankheitsverläufen kommt es, wenn die Meningokokken über die Schleimhautbarriere in den Blutkreislauf eindringen. Mögliche schwerwiegende Folgen sind Blutvergiftung (Sepsis) und Gehirnhautentzündung (Meningitis). Beide können tödlich verlaufen. Die Gehirnhautentzündung ist gekennzeichnet durch hohes Fieber, starke Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit. Spätfolgen können Hirn-, Hör- und Sehschäden sowie Beeinträchtigungen von Organen sein.

Impfung I

Impfung I: Kinder

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grundimmunisierung für alle Kinder. Die Impfung ist ab dem zwölften Lebensmonat möglich. Der Impfstoff schützt vor einer Infektion mit Meningokokken vom Typ C. Die Wirksamkeit liegt bei über 80 Prozent.

Ein Impfstoff gegen Meningokokken vom Typ B steht seit Dezember 2013 zur Verfügung. Eine generelle Impfempfehlung liegt dafür bislang nicht vor, empfohlen wird die Impfung gegen den Typ B jedoch für Personen mit spezifischen Grundkrankheiten. Die entscheidung sollte nach individueller Einschätzung des Risikos getroffen werden.

Impfung II

Impfung II: Erwachsene

Impfen lassen sollten sich außerdem:
1. Reisende in Meningitis-Gebieten in Afrika, Südamerika und Asien
2. Menschen mit einer Immunschwäche
3. gefährdetes Laborpersonal
4. Mekka-Pilger: Während der islamischen Pilgerzeit ist die Meningokokken-Impfung für die Einreise nach Saudi-Arabien vorgeschrieben.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bei fortbestehendem Infektionsrisiko eine regelmäßige Auffrischung nach drei Jahren mit einem Meningokokken-Konjugatimpfstoff.

Impfstoff

Womit wird geimpft?

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko sollten mit einem 4-valenten Meningokokken-Konjugatimpfstoff geimpft werden. Dieser Impfstoff ist für Kinder ab einem Jahr zugelassen und immunisiert gegen Meningokokken der Serotypen A, C, W135 und Y.

Verträglichkeit

Wie verträglich ist der Konjugat-Impfstoff?

Lokale Reaktionen wie Rötung, Druckempfindlichkeit und Schwellung an der Einstichstelle sind laut STIKO in den ersten drei Tagen nach der Impfung häufig. Möglich sind in dieser Zeit auch mäßige Temperatur, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, unruhiger Schlaf oder Magen-Darm-Beschwerden.

Allergische Reaktionen sind sehr selten. In Einzelfällen kann es bei Säuglingen und Kleinkindern zu einem Fieberkrampf kommen. Fraglich ist laut STIKO ein Zusammenhang mit schweren allergischen Reaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom und Erythema multiforme), über die in Einzelfällen berichtet wurde.


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