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Fruktose Gesundes Obst essen - und sich krank fühlen

Obst: Eine rundum gesunde Sache, sollte man meinen. Nur gilt das leider nicht für Menschen, die an einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit leiden. Sie müssen auf viele Obst- und Gemüsesorten verzichten oder können diese nur eingeschränkt zu sich nehmen.

Stand: 21.06.2016

verschiedene Obstsorten, heimische und exotische | Bild: colourbox.com

Wer viel Obst isst, kann das Risiko, Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck zu bekommen, um bis zu 70 Prozent senken. Doch Obst enthält auch Fruchtzucker. Über 20 Prozent der Bevölkerung leiden an einer sogenannten Fruktose-Malabsorption, die am häufigsten vorkommende Variante von Fruchtzucker-Intoleranz.

Die Ursache: ein Transportproblem

Malabsorption

Von Malabsorption (lat.: "schlechte Aufnahme") spricht man, wenn die Aufnahme von Nahrungsbestandteilen durch die Darmwand beeinträchtigt ist.

Kohlehydrate werden durch Enzyme in Einfachzucker wie etwa Fruktose gespalten, die dann von Transportproteinen (sogenanntes GLUT-5) durch die Dünndarmzelle ins Blut weitertransportiert werden. Bei der Malabsorption ist dieses Transportsystem gestört, meist, weil zu wenig Proteine vorliegen. Größere Mengen Fruchtzucker gelangen dadurch unverarbeitet in den Dickdarm und lösen dort die Symptome der Unverträglichkeit aus.

Die Symptome: schwer zuzuordnen

Wie bei den meisten Intoleranzen gilt auch für die Fruktose-Unverträglichkeit, dass klinische Symptome nicht eindeutig zu benennen sind. Zu den Primärsymptomen zählen Bauchschmerzen, Blähungen, übelriechender Stuhl, Durchfall, aber auch Völlegefühl oder Verstopfung. Viele Betroffene leiden zudem an Sekundärsymptomen: Sie sind gereizt und müde, haben Konzentrationsschwierigkeiten oder Probleme mit Schwindel, Atemnot, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Ferner kann es zu einem Mangel an Folsäure und Zink kommen. Im Extremfall können Depressionen die Folge sein.

Testmöglichkeiten Fruktose-Unverträglichkeit

Selbsttest

Selbstest mit Apfelsaft

Durch einen Selbsttest kann man grob abschätzen, ob man möglicherweise an einer Lebensmittel-Unverträglichkeit leidet. Trinken Sie einen halben Liter Apfelsaft, um zu sehen, wie sie auf Fruktose reagieren. Bei Symptomen wie Durchfall, Blähungen, Bauchkrämpfen oder gurgelnden Unterleibsgeräuschen ist der Verdacht naheliegend, dass man an einer Fruktose-Unverträglichkeit leidet. In dem Fall sollte man die Diagnose mittels Wasserstoffatemtest absichern lassen.

Wasserstoffatemtest

Wasserstoff als Indikator

Ob eine Fruktose-Unverträglichkeit vorliegt, lässt sich durch eine Wasserstoff-Atemgas-Analyse feststellen. Dabei wird die Konzentration von Wasserstoff im Atem gemessen, nachdem der Betroffene 50 Gramm Fruchtzucker- oder Milchzuckerlösung auf nüchternen Magen eingenommen hat. Wie funktioniert das?

Atemluft

Die Atemluft gibt Aufschluss

Die im Dickdarm entstehenden Abbauprodukte der Fruktose fallen in hohen Konzentrationen an, werden dort teilweise in den Körper aufgenommen und über die Lunge abgeatmet. So ist Wasserstoff schon wenige Minuten, nachdem die Zersetzung begonnen hat, in der Atemluft nachweisbar. Steigt die Konzentration von Wasserstoff im Atem über einen bestimmten Grenzwert an, liegt eine Fruktose-Malabsorption vor.

Methan

Auch Methan spielt eine Rolle

Bei manchen Personen werden nach dem Verzehr von Fruchtzucker jedoch gleichzeitig auch Bakterien aktiv, die Methangas bilden. Dadurch wird der Wasserstoff im Darm verbraucht und ist in der Atemluft nicht mehr nachweisbar: Der Wasserstoff-Atemtest greift dann nicht. Wird die Atemluft aber gleichzeitig auch auf Methan getestet, ist die Diagnose zu fast 100 Prozent sicher.

Die Therapie: Verzicht

Bei der Fruktose-Malabsorption sollte Fruchtzucker vermieden werden. Dieser ist vor allem enthalten in: Obst (vor allem in Äpfeln, Birnen, Zwetschgen), Trockenfrüchten, Fruchtsäften, zuckerfreien Kaugummis sowie in Diabetiker- und Diätlebensmitteln (Diät-Jogurt, Diät-Pudding, Konfitüren, Milchmixgetränke, Softdrinks etc.), zum Teil aber auch in Gemüse.

Weitere Tipps

Fruchtzuckerhaltiges Obst kann durch gleichzeitigen Verzehr von Traubenzucker (z. B. in Bananen enthalten) bekömmlicher sein. Auch gilt, dass Fruchtzucker, in geringen Mengen über den Tag verteilt, besser ist als eine große Menge auf einmal. Fasten, Bewegung, Darmmassagen und Trinken von heißem Wasser unterstützen zudem die Verdauung.

Unterschied zur Fruktose-Intoleranz

Die Fruktose-Malabsorption ist übrigens von der eher selten vorkommenden, dafür aber bekannteren, angeborenen Fruchtzuckerintoleranz streng zu unterscheiden: Im Falle der Malabsorption wird - im Gegensatz zur völligen Intoleranz - Fruchtzucker zwar vom Körper prinzipiell vertragen, jedoch an der entscheidenden Darmstelle nicht aufgenommen. Die Fruktosemalabsorption ist zudem keine klassische Allergie, da keine Immunreaktion auftritt.


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