Themen - gesundheit

Hintergrund Zeitumstellung

4

Schulbeginn Unausgeschlafene Schüler

Der frühe Schulbeginn in Deutschland lässt unsere Kinder alles andere als ausgeschlafen die Schulbank drücken: Vor 8.00 Uhr schwingt bei vielen Menschen die Leistungskurve noch ganz unten. Deshalb wird die Forderung laut: Schulbeginn erst um 9.00 Uhr.

Stand: 22.03.2018

Schlafendes Kind | Bild: colourbox.com

Schwierigkeiten bei der Zeitumstellung haben auch Schüler. Beispiel Unterrichtsbeginn: Der frühe Schulbeginn in Deutschland lässt unsere Kinder alles andere als ausgeschlafen die Schulbank drücken: Vor 8.00 Uhr schwingt bei vielen Menschen die Leistungskurve noch ganz unten, vor allem im Winter. Sinnesleistungen, Gleichgewichtssinn, Sprachfähigkeit und Koordination sind eben noch auf "Schlafen" eingestellt.

Schulbeginn um 9.00 Uhr?

Ein späterer Schulbeginn sorgt für ausgeschlafene Schüler.

Schon lange wird daher in Deutschland diskutiert, den Schulbeginn wie in Frankreich oder Italien auf 9.00 Uhr zu legen. Deutsche Schulkinder müssten dann nicht jeden Morgen aufstehen, bevor ihr biologischer Wecker klingelt. Ein Experten-Tipp für alle Lehrer: Die ersten Unterrichtsstunden sollten sie den Schülern zuliebe ruhiger gestalten.

"Dort, wo es lange Anfahrtswege zur Schule gibt, müssen Kinder zum Teil bereits um 5.15 Uhr aufstehen. Das ist natürlich ein Extremwert, aber ich finde das Ganze wirklich absolut falsch, denn gerade Kinder brauchen ihren Schlaf. Im Schlaf wachsen sie und das Gelernte wird gefestigt. Wenn Kinder früher in die Schule gehen müssen als Erwachsene in ihre Arbeit, dann ist das falsch. Andere europäische Länder haben das längst berücksichtigt. Dort fängt die Schule traditionell später an. Bei uns stößt man da auf ein Tabu. Der Schulbeginn um acht Uhr ist selbstverständlich."

Schlafforscher Jürgen Zulley aus Regensburg

In der Pubertät sind die Tage länger

Ein späterer Schulbeginn würde besonders älteren Schülern den Unterricht erträglicher machen, denn in der Pubertät werden selbst genetische Frühaufsteher zu wahren Morgenmuffeln. Haben sie einst ihre Eltern beim ersten Lichtschimmer aus dem Bett getrommelt, "gammeln" sie jetzt bis mittags im Bett - wenn sie können. Wenn sie in die Schule müssen, quälen sie sich aus dem Bett und machen nach der Schule einen ausgedehnten Nachmittagsschlaf, um abends topfit nicht ins Bett zu finden. Schlafmangel ist so programmiert.

In der Pubertät ticken die Uhren anders

Teenager werden später müde.

Ursache für den veränderten Teenager-Schlaf ist, dass die innere Uhr der Jugendlichen länger tickt: Ihr Biorhythmus geht über die 24 Stunden des Tages hinaus. Der Stoff im Gehirn, der müde macht, das Melatonin, wird dann im Durchschnitt zwei Stunden später ausgeschüttet. Die Teenager werden also später müde. Aufstehen müssen sie natürlich trotzdem in der Früh. Und das führt zu Schlafmangel. Erst bei Erwachsenen zeigt sich wieder die genetische Veranlagung zu frühem Vogel oder Nachteule.

Aufgeweckt - trotz wenig Schlaf

Der Neurowissenschaftler Dr. Christoph Nissen vom Universitätsklinikum Freiburg hat untersucht, ob dieser Schlafmangel Auswirkungen auf die Gedächtnisbildung und auf das Lernen hat. Das überraschende Ergebnis: Nein! Denn die Jugendlichen sind nach einer kurzen Nacht geistig genauso "aufgeweckt" wie nach einer langen Nacht. Denn die Kurzschläfer haben einen erhöhten Tiefschlafanteil. Das heißt, Jugendliche kompensieren den fehlenden Schlaf mit einer höheren Schlafintensität. Wie sich ein Schlafmangel über einen längeren Zeitraum auswirkt, ist allerdings noch nicht ganz klar. Aber es sieht ganz danach aus, als könnten Jugendlichen Schlafmangel besser kompensieren als Erwachsene.


4