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Folgen für die Gesundheit Leben gegen die innere Uhr

Jeder Mensch tickt anders. Dafür sorgt seine innere Uhr. Sie ist unbestechlich, lässt sich nicht verstellen. Sie steuert zahlreiche lebenswichtige Vorgänge, regelt unseren Organismus und organisiert Tag wie Nacht. Ignoriert man langfristig ihren Takt, wird man krank.

Stand: 18.03.2014

Ein Mädchen schläft in einem Bett, auf dem Kopfkissen liegt eine Kinder-Uhr | Bild: picture-alliance/dpa

Die innere biologische Uhr bestimmt unseren Chronotypen. Es gibt sogenannte Lerchen und Eulen. Die meisten von uns liegen irgendwo dazwischen. Dennoch nimmt unsere soziale Taktung kaum Rücksicht auf unseren Typen.

Lerchen und Eulen

Lerchentypen sind schon früh am Tag munter.

Lerchen sind Morgenmenschen. Sie stehen früher auf, werden allerdings auch früher müde. Ihnen kommt der Schul- und Arbeitszeitbeginn entgegen. Dafür machen sie dann am späten Abend schlapp. Eulenmenschen schlafen länger, werden abends dafür richtig munter.

Zu den klassischen Eulentypen gehören Schüler und Studenten.

Der Chronotyp ist genetisch festgelegt. Allerdings verändert er sich im Laufe unseres Lebens. So sind Kinder meist Lerchen, werden als pubertierende Teenager eher zu Eulentypen. Ältere Menschen dagegen tendieren wieder zu Lerchen.

Der soziale Takt gibt den Ton an

Mögliche gesundheitliche Folgen, wenn man gegen die innere Uhr lebt:

  • Schlafstörungen
  • geschwächtes Immunsystem
  • verringerte Konzentrations- und Merkfähigkeit
  • eingeschränkte Reaktionsgeschwindigkeit

Die Studie "Munich Chrono Type Questionnaire" (2006), bei der Freiwillige Fragen zu ihrem Schlafverhalten beantworten konnten, brachte Prof. Dr. Till Roenneberg aus dem Institut für Medizinische Psychologie, Zentrum für Chronobiologie in München, zu folgendem Schluss: Der Konflikt zwischen biologischer Uhr und gesellschaftlicher Zeit führt zu einer chronischen Form von Jetlag. Da Jugendliche eher Eulentypen sind, sei 8.00 Uhr als Schulbeginn hierzulande kontraproduktiv und leistungshemmend. So hält Roenneberg es für sinnvoll, für Jugendliche die Schule ihrer Chronobiologie anzupassen und sie eine Stunde später beginnen zu lassen, so wie das beispielsweise in England, Frankreich oder Italien der Fall ist. Der Schlafmediziner fordert auch für Erwachsene flexiblere Arbeitszeiten.

Schlaf-Wach-Rhythmus

  • Die Chronobiologie untersucht die biologischen Rhythmen, denen der Mensch unterliegt. Taktgeber ist die innere Uhr.
  • Unsere innere Uhr ist genetisch bedingt. Ihre Hauptschaltzentrale sitzt im Gehirn und steuert die einzelnen Zelluhren.
  • Die innere Uhr steuert beispielsweise die Ausschüttung des Hormons Melatonin, sie steuert die Körpertemperatur, den Blutdruck, den Stoffwechsel. Sie lässt physiologische und biochemische Prozesse in Zyklen ablaufen.
  • Der wichtigste Zeitgeber ist das Licht. Über Rezeptoren auf unserer Netzhaut wird die Information über die Helligkeit an unser Gehirn weitergegeben.
  • Die innere Uhr synchronisiert sich laufend mit der Umwelt und folgt dem Sonnenaufgang.

Stichwort Montagsblues

Montagsblues – so wird das Stimmungstief am Wochenanfang bezeichnet, unter dem jeder sechste Deutsche leidet. Die Betroffenen sind schlecht gelaunt, lustlos und unkonzentriert. Ursache hierfür ist der veränderte Schlafrhythmus, das Rütteln an der inneren Uhr: Am Wochenende ändern viele Menschen, besonders die Eulentypen, ihre Schlafgewohnheiten. Sie bleiben nachts länger wach und liegen morgens länger in den Federn. Die Folge: Klingelt Montagmorgens der Wecker, so ist der Körper immer noch im Wochenendmodus. Er hat sich an die neuen Ruhezeiten gewöhnt und fordert deswegen mehr Schlaf.

Jeder tickt anders

Wer würde meinen, dass es im Andechser Berg einen Schlafbunker gibt?

Die Erkenntnis, dass jeder Mensch nach seiner eigenen biologischen Zeit lebt, bestätigte bereits in den 1960er-Jahren das Experiment "Andechser Bunker". Dabei bauten Verhaltensforscher des Max-Plank-Instituts einen Bunker im Andechser Berg.

1927: Autos werden bei Ford am Fließband zusammengesetzt | Bild: colourbox.com zum Artikel Arbeit statt Schlaf Der neue Takt der Maschinen

Mit Beginn der Industrialisierung schlief es sich zunehmend schlechter. Plötzlich nahm elektrisches Licht der Nacht ihre Schrecken und ihre Ruhe. Die Arbeit gab den Takt an - nicht mehr das Bedürfnis nach Schlaf. [mehr]

Unterschiedliche Testpersonen lebten dort bis zu vier Wochen in einer Versuchswohnung ohne jegliche Kontakte zur Außenwelt, ohne Uhren und ohne Fenster. Die Wissenschaftler wollten beobachten, wie unsere innere Uhr den Tagesablauf bestimmt. Dabei stellten sie fest: Wir haben einen Schlaf-Wachrhythmus auch unabhängig von der Sonne. Und dieser Takt war selten genau 24 Stunden. Damit war klar, dass es jeder Mensch eine individuelle Taktgeschwindigkeit besitzt. Aus chronobiologischer Sicht tickt jeder Mensch also anders.


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