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Therapien Wie wird AIDS behandelt?

AIDS ist bis heute nicht heilbar und wird es in absehbarer Zeit auch nicht sein. Die Krankheit ist aber auch kein Todesurteil mehr. Lebenswichtig ist die frühzeitige Behandlung - und die Forschung am HI-Virus.

Stand: 24.07.2018

Pillen gegen Aids | Bild: picture-alliance/dpa

Medikamente, die eine Ansteckung mit HIV verhindern, gibt es schon länger. Die sogenannte "PrEP" steht für Prä-Expositionsprophylaxe. Dass sie funktioniert, ist bewiesen. Was blieb, war bisher die Frage der Kosten. 50 bis 70 Euro muss man für eine Monatspackung dieser Pillen zahlen. Gesundheitsminister Jens Spahn, CDU, hat im Juli 2018 angekündigt: Für Risikogruppen soll die Prophylaxe Krankenkassenleistung werden. Wer Anspruch darauf haben wird, sollen der GKV-Spitzenverband und die ärztliche Bundesvereinigung aushandeln. In Deutschland nutzen aktuell etwa 5.000 Menschen die "PreP". Studien haben gezeigt: Es sind vor allem die Besserverdiener, die sich den HIV-Schutz leisten.

Zu wenige machen den HIV-Test

Bisher wurde eine medikamentöse Behandlung nur empfohlen, wenn ein Patient nur noch 350 Helferzellen hat, die für die Immunabwehr notwendig sind. Doch die "START-Studie" von Mai 2015 hatte gezeigt, dass jeder Patient mit HIV-Infektion unabhängig von seiner Helferzellenzahl unverzüglich behandelt werden sollte. Ob der Strategiewechsel auch alle Patienten erreicht, ist allerdings fraglich. Das beginnt schon bei den HIV-Tests: In Deutschland weiß jeder sechste Betroffene gar nicht, dass er infiziert ist - solange, bis sich die Erkrankung bemerkbar macht.

Wie begann die moderne AIDS-Therapie?

1996 stellten Forscher die Dreifachkombinationstherapie vor. Damit revolutionierten sie die HIV- und AIDS-Behandlung. Mithilfe der antiretroviralen Therapie (ART) beziehungsweise der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) kann die Vermehrung der HI-Viren im Körper gebremst werden, was den Ausbruch von AIDS um Jahre und Jahrzehnte hinauszögert. Mittlerweile gibt es rund 30 verschiedene Therapien, die miteinander kombiniert werden können und etwa 20 einzelne Substanzen.

Forschung an wirksamen Medikamenten

Medikament Truvada

Mehr über das HIV-Medikament Truvada zur Prä-Expositionsprophylaxe, kurz PrEP, erfahren Sie hier:

Laufend werden neue Mittel zur HIV-Therapie entwickelt. Eines dieser Mittel, das Aids-Medikament "Truvada" schützt außerdem zu rund 90 Prozent davor, sich überhaupt mit HIV zu infizieren. Bei der Transplantation von Stammzellen kann die Forschung dagegen noch keinen Durchbruch verzeichnen.

Wie wirken die Medikamente?

Die Medikamente greifen an mehreren Stellen in den Entwicklungszyklus des Virus ein. Die Therapie bewirkt, dass die Anzahl der Viren (die sogenannte Virenlast) zurückgeht und die Zahl der CD4-Helferzellen zunimmt. In regelmäßigen Abständen misst der Arzt die CD4-Zellen-Anzahl und die Virenlast, um den Therapieerfolg zu überwachen. Verschlechtern sich die Werte oder treten starke Nebenwirkungen auf, muss die Behandlung umgestellt werden. Bei vielen HIV-Infizierten kann die Viruslast sogar unter die Nachweisgrenze gedrückt werden, das Virus wird allerdings nie komplett verschwinden.

Problem Resistenzen

Was es unter anderem so schwierig macht, das HI-Virus zu attackieren, ist seine Fähigkeit, sich schnell zu verändern und dadurch gegen einzelne Medikamente resistent zu werden. Zwar halten sich diese Resistenzen bei HIV-Infizierten auf einem niedrigen Niveau und es lässt sich ein Rückgang verzeichnen. Ärzte führen immer früher Resistenztests durch und die Medikamente wirken stärker und besser, was diesen Trend erklären könnte. Doch für die Patienten, die Resistenzen entwickelt haben, stellt dieses Phänomen nach wie vor ein großes Problem dar.

Medikamente wirksamer und verträglicher

Inzwischen haben die Mediziner die Dreifachkombinationspräparate erheblich verbessert. Im Regelfall müssen Patienten nur noch einmal täglich eine Tablette einnehmen. Wer frühzeitig behandelt wird, hat gute Aussichten: Mit hoher Wahrscheinlichkeit bleiben Nebenwirkungen aus. Die Behandlung zahlt die gesetzliche Krankenkasse.

Vor einigen Jahren sah so der tägliche Pillencocktail aus.

Patienten mit nicht nachweisbarer Virenlast und hervorragendem CD4-Wert müssen manchmal überhaupt nicht (mehr) therapiert werden. Denn wer keine Symptome zeigt, auch sonst gesund und nicht schwanger ist, außerdem ein bestimmtes Alter nicht überschritten hat, wird heute nicht mehr ohne Weiteres sofort therapiert.

Deutliche Besserung bei Nebenwirkungen

In der Regel hat die Behandlung inzwischen keine Nebenwirkungen mehr - wenn Patienten frühzeitig behandelt werden. In ungünstigen Fällen können auftreten: Durchfall, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Nervenentzündungen. Manche Menschen vertragen die Medikamente schlecht, wodurch sich die Leber entzünden kann. Eine noch wenig erforschte Begleiterscheinung kann die Fettverteilungsstörung Lipodystrophie sein, bei der Gesicht, Arme und Beine abmagern, während sich am Bauch und manchmal im Nacken Fett ansammelt.


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