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Magen-Darm-Infekt Alle Jahre wieder

Weil Noroviren hochansteckend sind, erkranken oft ganze Kindergartengruppen oder Schulklassen. Für die meisten Menschen ist das "große Kotzen" zwar äußerst unangenehm, aber harmlos. Doch für kleine Kinder, chronisch Kranke und alte Menschen kann Brechdurchfall aufgrund des starken Flüssigkeitsverlusts im Extremfall tödlich enden.

Stand: 07.12.2015

Kinder in der Kita | Bild: picture-alliance/dpa

Ein Drittel aller nichtbakteriellen Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern werden durch Noroviren verursacht. Bei Erwachsenen sind diese Erreger sogar für die Hälfte der nichtbakteriellen Erkrankungen verantwortlich. Meist treten Norovirus-Fälle in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Kliniken und Seniorenheimen, aber auch auf Kreuzfahrtschiffen und in Zeltlagern auf.

Erreger von Darminfektionen

EHEC

Das Bakterium Escherichia coli (E. coli) ist ein Bewohner des menschlichen Darms, die Unterart Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) sind eine Sonderform der Kolibakterien, die Giftstoffe produziert.

Im Kot von Rindern, Schafen, Ziegen kommen EHEC vor, ohne dass die Tiere erkranken. Auch bei Schweinen, Katzen, Hunden und Geflügel wurden die Erreger nachgewiesen. Auch von Mensch zu Mensch ist eine Ansteckung möglich.

EHEC-Bakterien sind sehr ansteckend - mehr als Salmonellen. Eine Infektion zeigt sich durch Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und wässrige Durchfälle, in schweren Fällen mit Blut vermengt. Bei fünf bis zehn Prozent der Patienten entwickelt sich ein schweres Krankheitsbild mit Nierenversagen. In die menschliche Nahrungskette gelangt EHEC durch mangelnde Melk- und Schlachthygiene. Der Mensch nimmt die hitzeempfindlichen Erreger dann beim Verzehr von unbehandelter Milch und rohem Fleisch auf.

Rotaviren

Rotaviren sind neben den Noroviren die zweithäufigsten Erreger viraler Magen-Darm-Infektionen, so das Robert-Koch-Institut (RKI). Die Inkubationszeit ist ähnlich kurz wie bei Noroviren - zwischen einem und drei Tagen. An Rotaviren stecken sich besonders Kleinkinder und Säuglinge an. Bis zum Alter von fünf Jahren erkrankt fast jedes Kind, rund 95 Prozent, einmal an einer Rotaviren-Infektion. Erwachsene erkranken meist in Form von Reisedurchfällen.
Nach dem Kontakt mit den Viren entwickeln sich Antikörper, die vor einer weiteren Infektion schützen. Rotaviren rufen Fieber, Durchfall und Erbrechen hervor. Gefährlich ist der starke Flüssigkeitsverlust. Die Erkrankung dauert im Schnitt vier bis acht Tage.

Weltweit sterben rund 500.000 Kinder an einer Infektion mit Rotaviren, rund 85 Prozent davon in Entwicklungsländern.
Ansteckung: über verunreinigte Lebensmittel, Oberflächen, erkrankte Personen, möglichweise auch durch Tröpfchen-Infektion, so das RKI.

Salmonellen

Von den mehr als 2.000 bekannten Arten der Salmonellen-Bakterien sind rund 120 in der Lage, beim Menschen Infektionskrankheiten hervorzurufen. Zu den Symptomen einer Infektion zählen Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwächegefühl und Fieber.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gab es 2008 in Deutschland 42.902 gemeldete Salmonellosen, sowie 33 Todesfälle durch die Infektion. Betroffen waren vor allem ältere Menschen.

Infektionsquellen sind nicht ausreichend erhitzte Eier bzw. eihaltige Speisen, Speiseeis, Mayonnaise sowie rohes oder nicht durchgegeartes Fleisch.

Campylobacter

Mit der Bakterie Campylobacter infizieren sich in Deutschland jährlich rund eine Million Menschen.

Eine Infektion äußert sich durch Fieber, Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe und Durchfall. Die Krankheit dauert in der Regel zwischen einem Tag und einer Woche, selten länger. Eine Unterart des Bakteriums kann Hirnhautentzündung oder eine Entzündung der Herzinnenhaut auslösen. Dies ist aber selten.

Campylobacter kommt vor allem im Kot von Tieren, besonders von Rindern vor. Bei schlechter Melkhygiene kann er in die Milch gelangen. Eine weitere Infektionsquelle ist nicht durchgegartes Geflügel, bei dem Campylobacter zur normalen Bakterienflora gehört. Außerdem kann man sich über verkeimtes Trinkwasser, rohes Hackfleisch und Haustiere anstecken, so das RKI.

Staphylococcus aureus

Staphylokokken sind weit verbreitet - viele Menschen und Tiere sind mit dem Keim "besiedelt", ohne Symptome zu haben.
Das hitzebeständige Bakterium kann schwere Lebensmittelvergiftungen mit Durchfall und Erbrechen auslösen. Der Staphylococcus aureus ist außerdem ein gefürchteter Krankenhauskeim, der dort in der kaum behandelbaren multiresistenten Form auftritt. Infektionsquellen für Darmerkrankungen sind verkeimte Lebensmittel. Da das Bakterium sehr hitzebeständig ist, werden dessen Giftstoffe beim Kochen oft nicht abgetötet.

Quellen: Robert-Koch-Institut, Berlin und Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Erlangen

Virus verbreitet sich epidemieartig

Erst kommt die Übelkeit, dann Erbrechen und schließlich der Durchfall.

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der gemeldeten Krankheitsfälle in Deutschland explosionsartig entwickelt: 2006 waren rund 7.000 Menschen betroffen. Zwei Jahre später machten schon über 17.000 Menschen eine Noroviren-Infektion durch. In einem Fünftel der Fälle, so die Experten, müssen die Patienten im Krankenhaus behandelt werden. Zahlreiche Krankenhausstationen, Kindergärten und Schulen mussten im Winter 2007/2008 wegen des massenhaften Auftretens der Magen-Darm-Erkrankung zeitweilig geschlossen werden.


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