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Spindelobst Schnitt für Apfel und Kirsche

Nicht nur in professionellen Obstanlagen, auch in Hausgärten sieht man immer häufiger Obstbäume, die als Spindel gezogen sind. Das sichert eine reiche Ernte auf kleinem Raum. Vorausgesetzt, man schneidet regelmäßig.

Stand: 21.06.2016

Spindelobst | Bild: BR

Spindeln bestehen aus einem Mitteltrieb und den von dort abzweigenden Fruchttrieben und werden, je nach Sorte, nicht höher als zwei bis drei Meter. Man kann sie daher problemlos ohne Leiter beernten. Und da sie oft nicht mehr als vier Quadratmeter Standraum benötigen, eignen sich Spindelbäume auch hervorragend für kleine Hausgärten. Um den Ertrag der Obstspindeln langfristig zu sichern, sollte man allerdings regelmäßig schneiden.

Die Apfelspindel

Ziel des Obstgehölzschnittes ist es, reich tragendes Fruchtholz zu fördern. Der Apfelbaum etwa bringt an den zwei- und dreijährigen Trieben die meisten Früchte hervor.

Was der Schnitt bewirken soll

Neben dem Entfernen von kranken und trockenen Ästen kommt es beim Schnitt von Spindelbäumen darauf an, einen kegelförmigen Habitus mit flach wachsenden Ästen zu erreichen. Das hat einen einfachen Grund: die gleichmäßige Nährstoffverteilung im Ast, das Lenken des sogenannten "Saftdrucks". In einem steil stehenden Trieb erhalten die Knospen an der Spitze mehr Nährstoffe als tiefer liegende Knospen.

Zudem hindert ein Hormon aus der Triebspitze die unteren Knospen am Austreiben. Dadurch können sich nur die oberen zwei, drei Knospen am Trieb gut entwickeln, während die unteren nur schwach oder gar nicht austreiben. Bei flach stehenden Trieben verteilt sich der Druck im ganzen Ast und es entstehen mehrere schwache Triebe mit vielen Blütenknospen.

Wie oft schneiden?

Junge Obstspindeln benötigen in der Regel keinen Schnitt, man entfernt lediglich zu steil stehende Äste. Eine junge Apfelspindel beispielsweise sollte in einer Stammhöhe von 60 Zentimeter fünf bis sieben um den Stamm angeordnete, flache Seitentriebe haben. Alle zwei Jahre wird der sogenannte Erziehungsschnitt durchgeführt. Dabei entfernt man ebenfalls steil stehende Äste am Mittel- und an den Seitentrieben. Die verbleibenden Triebe sollte man nicht einkürzen, um ihr Wachstum nicht anzuregen.

Nach etwa vier Jahren hat die Spindel ihre Endgröße erreicht. Dann gibt es den jährlichen Erhaltungsschnitt. Hierbei geht es vor allem darum, die schlanke Kegelform zu erhalten, damit zu den unteren Kronenbereichen ausreichend Licht gelangt. Der Mitteltrieb wird im Laufe der Jahre unter der Last der Früchte herunter hängen, und an seinem Scheitelpunkt junge Triebe bilden. Diese sollte man regelmäßig ausdünnen, genauer gesagt vereinzeln. Sobald sie Blütenknospen bilden, kann man die alte Spitze entfernen und auf einen jungen Trieb umleiten.

Schneiden oder formen

Zu steil stehende Triebe muss man nicht zwangsläufig entfernen. Sofern sie nicht älter als ein Jahr sind, kann man sie einfach herunter biegen. Das Flachstellen gelingt entweder mit Astklammern aus Kunststoff, durch das Herunterbinden der Äste oder mit kleinen Gewichten, die an die Enden der Triebe gehängt werden. Alle Varianten verbleiben etwa eine Vegetationsperiode am Baum.


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