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Verjüngungskur Blütensträucher schneiden

Es gibt Sträucher, die in ihrer natürlichen Form am allerschönsten sind. Andere brauchen einen regelmäßigen Schnitt für schönen Wuchs und Blütenreichtum. Wann und wie geschnitten wird, ist gar nicht so kompliziert, wie Hobbygärtner vielleicht fürchten.

Stand: 21.06.2016

Gehölze schneiden | Bild: BR

Grundsätzlich werden bei allen Sträuchern vertrocknete, nach innen wachsende, sich kreuzende oder auf dem Boden liegende Zweige entfernt. Zurückgeschnitten wird immer knapp über einem Auge, damit nicht über die verbleibenden Aststummel Krankheitserreger eindringen können.

Basistriebe am Zierstrauch

Ausnahme: Beim Heckenschnitt erwischt man die Triebe an unterschiedlichsten Stellen. Weil hier aber im Sommer geschnitten wird, können die Schnittstellen viel schneller verheilen.

Beispiel Forsythie

Forsythien blühen ab März, noch vor dem Blattaustrieb. Mit einem regelmäßigen Schnitt kann man die Blütenpracht zuverlässig jedes Jahr wiederholen. Die Forsythie blüht am mehrjährigen Holz und verträgt einen Schnitt nach der Blüte. Alle abgeblühten Zweige kürzt man um die Hälfte ein, und alte, dunkelbraune Triebe aus der Mitte werden direkt an der Basis entfernt.

Weitere Sträucher

Blutjohannisbeere, Deutzie und Ginster werden nach demselben Schema geschnitten wie die Forsythie.

Hat man die Forsythie lange nicht geschnitten, empfiehlt sich ein Auslichtungsschnitt im Spätwinter. Ohne das Laub kann man besser erkennen, was genau entfernt werden muss. Als erstes schneidet man auch hier alte Triebe an der Basis ab, vier oder fünf bleiben stehen und werden auf etwa 50 cm eingekürzt. Im nächsten Spätwinter werden alle schwach entwickelten Triebe herausgeschnitten und aus den verbliebenen der Strauch in den Folgejahren neu aufgebaut.

Sonderfall Spiräe

Die frühjahrsblühende Spiräe baut nur ein schwaches Strauchgerüst auf und bereits nach drei Jahren vergreisen die Triebe. Daher sollte man beim Auslichtungsschnitt im Winter etwa ein Drittel der alten, dunklen Triebe an der Basis abschneiden. So behält der Strauch seine lockere Form. Die ersten Spiräen blühen ab April. Um die Pracht auf Dauer zu erhalten, kürzt man nach der Blüte die abgeblühten Triebe um etwa die Hälfte ein.

Beispiel Schmetterlingsflieder

Beim Schmetterlings- oder Sommerflieder gilt: je stärker zurück geschnitten wird, desto üppiger die Blütenfülle im Sommer. Denn der Sommerflieder blüht am diesjährigen Holz. Der beste Schnittzeitpunkt ist im zeitigen Frühjahr. Bei jungen Sommerfliedern entfernt man im ersten Jahr nach der Pflanzung alle schwachen Äste an der Basis und kürzt die Haupttriebe auf einen halben Meter ein. Daraus bildet sich ein Gerüst, auf das man jedes Jahr zurückschneiden kann. Dadurch baut sich die Pflanze immer wieder von unten auf. Beim Schnitt bleiben lediglich zwei nach außen stehende Knospen stehen. Wichtig ist, dass man unmittelbar über den Knospen schneidet. Denn die Zweigreste über der Knospe können eintrocknen und als Eintrittspforte für Pilze und Schädlinge dienen.

Weitere Sträucher

Bodendecker-, Beet- und Edelrosen, Fingerstrauch, Lavendel, Roseneibisch (Hibiscus), Sommerblühende Spiersträucher und Sommerheide (Calluna vulgaris) werden nach demselben Schema wie der Sommerflieder geschnitten.

Während der Blütezeit wird der Sommerflieder nochmals geschnitten. Dann entfernt man allerdings nur die abgeblühten Blütenstände. Das fördert die Blüten der nachfolgenden Verzweigungen. Das Abschneiden verhindert außerdem, dass der Sommerflieder Samen bildet und sich so überall im Garten ausbreitet oder den Garten gar verlässt. Denn der Sommerflieder gilt als invasiv. Das heißt, der ursprünglich aus Asien stammende Strauch kann heimische Pflanzen am Naturstandort verdrängen.

Radikalschnitte gegen den "Krautverhau"

Schlafende Augen

Dabei handelt es sich um Knospen, die bereits am jungen Trieb unter der Rinde angelegt sind und dann "aufwachen", wenn neue Triebe gebildet werden müssen, um das Überleben der Pflanze zu sichern.

Beim Verjüngungsschnitt werden Sträucher radikal bis auf 30 Zentimeter über Bodenhöhe eingekürzt, Gärtner sagen dazu "auf Stock gesetzt". Dadurch werden die schlafenden Augen an der Basis des Strauches aktiv, die Sträucher treiben erneut aus und wachsen meist verzweigter und breiter als vorher. Sinnvoll ist dieser Schnitt bei Sträuchern, die zu dicht stehen oder jahrelang gar nicht oder falsch geschnitten wurden. Ein ein- bis zweimaliger Nachschnitt im Folgejahr ist erforderlich. Wildhecken sollten ebenfalls in unregelmäßigen Abständen einem radikalen Verjüngungsschnitt unterzogen werden,allerdings ist diese Heckenform typischerweise auf freier Flur vorzufinden, nicht im klassischen Hausgarten. Manche Sträucher vertragen keinen Radikal-Schnitt, für Besenginster, Goldregen oder Rosmarin-Seidelbast kann dies das Aus bedeuten.

Der richtige Zeitpunkt

Generell sind klassische Blütensträucher für einen regelmäßigen Schnitt dankbar und belohnen ihn mit sattem Blütenreichtum. Wie schon bei Forsythie, Spiräe und Schmetterlingsflieder beschrieben gilt allgemein: Sträucher, die im Frühjahr blühen, sollten gleich nach der Blüte geschnitten werden, Sommerblüher im März und ziemlich tief.

Nicht alles muss geschnitten werden

Will nicht zu stark geschnitten werden: die Magnolie

Einige Sträucher hingegen vertragen keine zu starken Eingriffe. Dazu gehören die Scheinhasel (Corylopsis), die Zaubernuss (Hamamelis), der Blumen-Hartriegel (Cornus-Arten), die Magnolie oder der Seidelbast (Daphne).

Ausläufer bei Halbsträuchern kappen

Halbsträucher wie Kerria oder Johanniskraut blühen an einjährigen Trieben. Ältere, verdorrte Zweige werden am Boden abgeschnitten. Wichtig ist bei ihnen aber auch, die weit reichenden unterirdischen Ausläufer zu kappen. Sie können ausgerissen oder mit dem Spaten abgestochen werden, damit die Pflanze ihre Form behält.


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