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Obstbaumpflege Bürsten, kalken, säubern

So richtig ist er noch nicht da, der Winter: Von Schnee ist im Flachland nichts zu sehen, geschweige denn von ordentlichem Frost. Da ist es selbst für den Obstbaumschnitt zu früh. Pflegen können sie ihn dennoch, den Obstbaum.

Stand: 21.06.2016

Apfelbaum im Winter | Bild: colourbox.com

Bürsten

Mit einem sogenannten Baumkratzer oder einer einfachen Drahtbürste können Sie jetzt die lockere, schuppige Borke vom Baum entfernen. Gebürstet wird der Stamm sowie die unteren Abschnitte der Hauptäste. Dünne und junge Asttriebe sind tabu.

"Alles, was an der Rinde grün ist, darf man auf keinen Fall verletzen, sonst kann der Obstbaumkrebs in das Holz eindringen."

Rudolf Siehler, Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege im Landkreis Neu-Ulm

Der Begriff Obstbaumkrebs ist irreführend: Dabei handelt es sich nicht um Krebs im eigentlichen Sinn, sondern um eine Pilzinfektion von Holz oder Rinde. Als Wundparasit benötigt er entsprechende Zugänge - zum Beispiel über einen Frostriss oder sonstige Wundstellen am Gehölz.

Streichen

Sind Stamm und Astansätze abgebürstet, ist der Baum vorbereitet für die Pflegestufe Zwei, dem Kalken beziehungsweise Streichen. Dazu nimmt man einen Obstbaumanstrich aus dem Fachhandel - oder einfachen Weißelkalk. Was aber bringt der Aufwand? Abgesehen von ein wenig Landschaftskunst vor allem einen Schutz vor sogenannter Frostspannung.

Vor allem nach kalten Frostnächten, wenn an einem klaren Morgen die Sonne aufgeht, kann es aufgrund des Temperaturgefälles an Stämmen und Ästen zur Frostspannung kommen. Diese Spannung kann Risse verursachen und zu Stammschäden führen, besonders bei jungen Bäumen mit glatter Rinde.

Tipp

Bei kleineren Bäumen kann man die besonders empfindliche Ostseite des Stammes auch mit einem Brett schützen.

Die weiße Farbe reflektiert die Sonnenstrahlen und sorgt dafür, dass sich die Rinde nicht so schnell erwärmt. Temperaturschwankungen können so besser auf den Stamm verteilt werden.

Mumien entfernen

Fruchtmumien bei Kirschen

Ist der Stamm schön geweißelt, die Temperaturen aber immer noch zu mild, um mit dem eigentlichen Obstbaumschnitt zu beginnen? Dann könnten Sie jetzt die Frucht-Mumien entfernen. Fruchtmumien, das sind schwarze, eingetrocknete, pilzbefallene Früchte vom Vorjahr.

"Diese schimmeligen Früchte bleiben am Baum hängen. Die Pilze infizieren im kommenden Jahr die frischen Früchte, die Blüte ist dann sehr empfänglich. Das heißt: Wenn man diese alten Mumien nicht entfernt, dann gibt es im Folgejahr umso mehr fauliges Obst."

Rudolf Siehler

Ob man die Mumien im Herbst oder Winter entfernt, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass sie vor der ersten Blüte verschwunden sind.

Weitere Pflegemaßnahmen

Wer immer noch auf der Suche nach Gartenarbeit ist: Jetzt im Winter kann man die Befestigungspflöcke an den Bäumen kontrollieren. Stehen sie gut? Schnüren Etikettendrähte oder Befestigungsschnüre den Baum ein? Ende Januar bis Mitte Februar ist außerdem ein guter Zeitpunkt, um die Nistkästen zu säubern, am besten an einem Tag mit Minustemperaturen, dann staubt's nicht. Und wenn man im Frühjahr einen Baum veredeln will, sollte man jetzt die entsprechenden Edelreiser schneiden.


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