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Schneefall und Kälte Sicher Radeln im Winter

Autofahrer kennen das: Steht der Wagen nachts im Freien, kann zu frostig-früher Morgenstunde bereits das Spiel mit dem Anlasser zur Geduldsprobe ausarten. Radfahrer haben da gut lachen - wenn sie auf den Winter vorbereitet sind.

Stand: 10.01.2017

Fahrradfahrer fährt auf Schnee | Bild: picture-alliance/dpa

Allein für die ersten drei Kilometer verbraucht ein kalter Motor einen Liter Kraftstoff - ganz schön kostenfressend! Gerade Kurzstrecken sind daher eigentlich ideal zum Fahrradfahren. Und wenn Sie Ihr Augenmerk auf folgende Tipps richten, dann klappt das auch im Winter:

Die Bereifung

Winterreifen fürs Fahrrad - die gibt es. Sie haben Spikes.

Schneeketten fürs Fahrrad: Hört sich gut an, hat sich aber nicht bewährt - die Gefahr ist zu groß, dass die Kette sich im Bremsgummi verhakt. Auch das ständige Flattern der Ketten am Reifen zehrt nach kurzer Zeit an den Nerven. Eine Alternative besteht darin, den Luftdruck des Reifens geringfügig zu reduzieren: Die Reifenoberfläche wird größer, der Reifen passt sich besser ans Gelände an. Gestandene Radler schwören auf Winterreifen, die haben nämlich Spikes.

"Das sind ganz kleine Zylinder, die leicht abgeflacht sind, damit habe ich mehr Griff beim Fahren. Mit den Spike-Reifen kann man auf dünner Schneedecke relativ gut fahren, doch wenn die Spurrillen vereisen, wird es schwierig, dann nützen auch die Spike-Reifen wenig. Es ist aber immer noch besser als ohne Spikes."

Susanne Lorenz, Münchner All-Wetter-Radlerin

Das Bremsen

Gerade im Winter müssen die Bremsen perfekt funktionieren.

Im Winter ist der Bremsweg länger, da durch die Minusgrade das Kondenswasser in den Bremszügen eingefrieren kann. Im schlimmsten Fall funktionieren die Bremsen gar nicht mehr. Eine regelmäßige Kontrolle ist daher das A und O. Bei Glatteis sollte nur vorsichtig gebremst werden, und auch nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. Übrigens: Wer den Sattel etwas tiefer stellt, ist mit den Füßen schneller am Boden und kann beim Bremsen notfalls nachhelfen.

Ärgerlich und möglicherweise im Straßenverkehr auch nicht ungefährlich ist es zudem, wenn das Innenleben der Zahnkränze am Hinterrad einfriert, weil Feuchtigkeit in den Teil der Radnabe eingedrungen ist, in dem sich die sogenannten Sperrklinken für den Rückwärts-Freilauf befinden. Sitzen sie fest, kann man nach einer kurzen Rückwärtsbewegung der Pedale plötzlich auch nach vorn ohne Widerstand durchtreten. Da hilft es nur, Ruhe zu bewahren, bis die Sperrklinken wieder greifen und man wieder Tritt hat - und das Rad künftig möglichst nicht draußen in Schnee und Regen und in der Kälte stehen zu lassen.

Radeln im Winter - Das sollten Sie beachten

Radweg

In Deutschland gibt es eine "Radwegbenutzungspflicht", das heißt: Ist ein Radweg vorhanden und mit dem blauen Radwegschild gekennzeichnet, muss er auch benutzt werden. Diese Pflicht entfällt allerdings, wenn es nicht zumutbar ist, auf dem Radweg zu fahren, weil zum Beispiel Schnee liegt.

Beleuchtung

Nach wie vor müssen Fahrräder, die schwerer als elf Kilogramm sind, mit einem Dynamo für die Lampe ausgestattet sein. Besser als ein Seitenläufer-Dynamo ist hier ein Nabendynamo, der ins Vorderrad integriert ist. Er läuft viel leichter. Für den Fall, dass der Dynamo nicht mehr richtig greift, sorgen akkubetriebene Lampen für Beleuchtung am Rad. Übrigens: Auch Fahrräder unter elf Kilogramm Gewicht müssen mit einer Lichtanlage ausgestattet sein, wenn auch nicht zwingend auf Dynamobasis.

Kleidung

Reflexstreifen auf der Kleidung sorgen dafür, dass man auch im Dunkeln besser gesehen wird. Auch gutes Schuhwerk ist wichtig. Es verhindert, dass man von den Pedalen abrutscht oder beim Anhalten im Schnee ins Straucheln gerät.

Sattel

Im Winter benutzt man besser keine Fahrradsättel mit Gel. Bei Minustemperaturen werden die nämlich sehr schnell steinhart. Auf einem Schaffell-Überzug mit Gummizug sitzt man schön warm.

Warmer Hintern

Steckengeblieben: Hier hat der Schnee gewonnen.

Ein Schaffell-Überzug mit Gummizug für den Sattel ist eine lohnenswerte Anschaffung. Man sitzt bequem, warm und trocken, und nach der Radtour nimmt man den Bezug einfach mit in die warme Stube. Ein weiterer Tipp: Übernehmen Sie sich nicht. Wer vor lauter Neuschnee kein Land mehr sieht, sollte vielleicht doch auf öffentliche Verkehrsmittel oder Schusters Rappen umsteigen - oder sein Glück mit der Autozündung versuchen.

Die winterfeste Kleidung

Warm eingepackt zu sein ist wichtig. Tipp: Skiunterwäsche.

Warme Kleidung ist beim Radfahren ein Muss: Schon eine lange Unterhose kann wahre Wunder wirken. Feste Winterschuhe, zwei bis drei Paar Strümpfe, Mütze, Helm und Handschuhe runden das Outfit ab. Eine Schutzbrille empfiehlt sich, wenn Wind und Schnee Tränen in die Augen treiben. Problematisch ist oft die Wahl der Handschuhe: Fäustlinge sind meist zu ungelenk, Fingerlinge zu kalt. Spezielle Zwei-Finger-Handschuhe aus dem Fahrradladen sorgen für Wärme und einen festen Griff.

"Das sieht sehr High-Tech aus mit dicker Mütze, Helm, dickem Schal, Brille, Skihose und Stiefeln, aber ich würde es trotzdem nicht gegen das S-Bahn-Fahren eintauschen. Das einzige, bei dem ich wirklich kapituliere, ist bei Minus 15 Grad. Da werden die Beine einfach nicht mehr warm im Büro."

Susanne Lorenz, Münchner All-Wetter-Radlerin

Pflege für die Haut

Guter Hautschutz ist im Winter wichtig - sonst kommt man mit hochrotem Gesicht ins Büro.

Neben warmer Kleidung und Schutzbrille ist auch eine extra Portion Pflege für die Haut wichtig. Damit der Fahrtwind und die Kälte die Haut nicht schädigen können, ist eine Fettcreme vonnöten: "Eine Cold Cream verhindert, dass die Haut rot und trocken wird. Die ist sehr fetthaltig, zieht nicht sofort ein, legt sich wie ein Film über die Haut und bietet guten Schutz," so Susanne Lorenz.

E-Bike und Pedelec im Winter

Bei Elektrorädern verringert sich die Akku-Leistung. Wenn der Akku kälter als zehn Grad ist, kann sich die Reichweite um bis zu 40 Prozent verringern. Der ökologische Verkehrsclub VCD rät, den Akku nach jeder Fahrt abzunehmen und mit ins Haus zu nehmen. Bei der Fahrt könnten Sie den Akku in Dämmstoffe wie Neopren packen, damit er vor Fahrtwind und Kälte geschützt ist.

  • Akku nie ganz leer fahren
  • Immer das original Ladegerät verwenden
  • Wird das Rad eingemottet, die Batterie alle zwei Monate nachladen
  • Das Rad lieber in den Keller als in die kalte Garage stellen
  • Der Akku hat's gern warm: Das Laden funktioniert am besten bei +10 bis + 30 Grad!
  • Bei Transport des Elektrorads auf einem Anhänger den Akku entfernen
  • Kontakte sauber halten


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