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"Ich will nicht mehr in die Schule!" Tipps für die ersten Wochen

Kindergarten ade - hallo Schule: Die meisten Schulanfänger freuen sich auf den neuen Lebensabschnitt. Doch dann setzt meist schnell Ernüchterung ein. Was tun, wenn das Kind sagt: "Schule ist doof!"?

Stand: 20.07.2017

Schulfrust | Bild: colourbox.com

Mit der Schule beginnt für die Kinder buchstäblich der "Ernst des Lebens". Von nun an zählt Leistung. Für Kinder, die die schöne spielfreudige Zeit aus dem Kindergarten kennen, kann das schnell in Stress ausarten. Mögliche Reaktionen: Die Kinder verweigern sich, steigen aus, finden Schule doof. Jetzt heißt es für Eltern, geduldig und verständnisvoll auf das eigene Kind zuzugehen und herauszufinden, was ihm den Schulbesuch so vergällt.

In vielen Fällen sind das Dinge, die man aus der Welt schaffen kann. Zum Beispiel das Umzieh-Problem: Manche Kinder sind beim Umziehen zum Sportunterricht noch nicht so schnell wie die anderen und kommen immer als letzte in die Turnhalle. Achten Eltern an den Sporttagen auf leicht wechselbare Garderobe oder üben das Umziehen nochmals, fühlt sich das Kind meist schnell viel wohler in der Schule.

Der erste Schultag

Der Einschulungstag ist ein wichtiger Schritt im Leben des Kindes. Nicht nur für das Kind ist das ein aufregender Moment. Auch die Eltern sind nervös. Das sollten sie sich aber dem Kind gegenüber nicht anmerken lassen. Die Eltern müssen Sicherheit und Ruhe ausstrahlen, damit ihr Kind nicht nervös und ängstlich wird.

Tipps für einen gelungenen Start

Planung

Gemeinsame Planung: Eltern und Kinder sollten vorher genau besprechen, wer das Kind an seinem ersten Schultag begleitet, ob gemeinsam der Gottesdienst besucht wird und was dann am Nachmittag passiert.

Struktur

Struktur gibt den Kindern Sicherheit: Eltern, die mit ihrem Kind den Tagesablauf genau besprechen, vermitteln Sicherheit. Das Kind weiß genau, was es erwartet. "Wenn du im Klassenzimmer bist und deinen ersten Schultag erlebst, warten wir auf dich und sind gespannt, was du zu erzählen hast!", "Wenn die Schule aus ist, gehen wir in die Kirche und dann mit all deinen Gästen zum Essen."

Stressfallen

Stressfallen lassen sich vermeiden: Wer am Abend vorher die Anziehsachen herrichtet und den Wecker zehn Minuten früher läuten lässt, gewinnt Zeit und vermeidet Hektik am Morgen.

Positivität

Drohungen sollten Eltern unterlassen: Äußerungen, wie "Jetzt beginnt der Ernst des Lebens!" oder "In der Schule geht das nicht so weiter!", sollten nicht ausgesprochen werden. Es ist wichtig, dass Eltern positiv von der Schule sprechen.

Bestärkung

Stärken Sie Ihre Kinder: Grundsätzlich gilt, dass Eltern ihren Kindern Sicherheit vermitteln sollten und immer ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte haben. Kinder brauchen Liebe, die unabhängig ist von Noten und Leistungen.

Quelle: Simone Fleischmann, Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)

Ein Kuscheltier hilft gegen die Angst der ersten Schultage

Der Übergang vom Kindergarten, in dem das Kind sich gut zurecht fand und viele Freunde hatte, in die neue, oft viel größere Schule, fällt vielen Kinder nicht leicht. Ängste kommen auf - zumal die Erstklässler, die im Kindergarten noch die Großen waren, auf dem Schulhof wieder die Kleinsten sind. Da kann es helfen, dem Kind in den ersten Schultagen ein Kuscheltier mitzugeben, das das Kind beschützt und tröstet.

Die ersten Schulwochen

Die erste Zeit in der Schule ist für die Kinder eine große Strapaze. Alles stürmt auf sie ein: fremde Kinder, unbekannte Räume, die Lehrerin und nicht zuletzt der Unterrichtsstoff. Nichts ist so, wie es sich das Kind vorher ausgemalt hat: Der Unterricht macht keinen Spaß, das Schreiben geht nicht von der Hand, die Banknachbarin ist doof, die Lehrerin zu streng. Die Frustration kann viele Kinder in den ersten Wochen einholen. Eine aufreibende Zeit - für die ganze Familie. Eltern müssen jetzt viel Mitgefühl und Interesse für ihre Kinder zeigen.

Tipps für die ersten Wochen

Austausch

Tauschen Sie sich mit den anderen Eltern der Schulanfänger aus und hören Sie hin, was deren Kinder erleben.

Fragen Sie Ihr Kind nicht aus, sondern signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft: während des Spielens, beim Lesen oder beim zu Bettgehen.

Aufgabe

Gerade zum Schulbeginn brauchen Kinder das Gefühl, dass die Schule ihre Aufgabe ist. Eltern, die ihren Kindern alles abnehmen, verhindern, dass Kinder lernen, Probleme selbst zu lösen.

Manchmal erzählt das Kind Dinge aus der Schule, die den Eltern "seltsam" vorkommen. Es empfiehlt sich im "Mitteilungs- oder Hausaufgabenheftchen" eine kurze Notiz zu schreiben und einfach nachzufragen. Die Lehrkraft kann sich dann einen geeigneten Weg überlegen, wie sie mit dem Kind umgeht oder wie weiter verfahren wird.

Signale

Handeln Sie sofort, wenn Ihr Kind wieder einnässt oder psychosomatische Beschwerden bekommt. Sie sollten schnell Kontakt zur Lehrkraft suchen. Gemeinsam werden dann weitere Schritte überlegt. Auch ein Besuch beim Kinderarzt kann helfen, die anfänglichen Schwierigkeiten besser zu bewältigen. Er kennt das Kind schon lange und kann die Tragweite der Probleme gut einschätzen.

Elternabend

Warten Sie bei Schwierigkeiten mit der didaktischen oder methodischen Vorgehensweisen der Lehrkraft im Unterricht den ersten Elternabend ab. Er findet meistens schon in der ersten Schulwoche statt. Sie können dann gezielt nachfragen.

Hausaufgabe

Lassen Sie ihr Kind die Hausaufgaben möglichst selbst erledigen und greifen Sie nur unterstützend ein. Die Gefahr ist groß, dass Eltern die Unterrichtsinhalte "anders" erklären als die Lehrkraft. Kinder werden dann überfordert und kennen sich nicht mehr aus.

Quelle: Simone Fleischmann, Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)

"Ich will nicht mehr in die Schule!"

Anfangs die Euphorie - endlich Schulkind - dann die Ernüchterung: "Ich will da nicht mehr hin!" Viele Eltern fühlen sich hilflos, wenn ihr Kind plötzlich lustlos und gelangweilt oder sogar zutiefst unglücklich aus der Schule kommt, sich zurückzieht und nichts erzählen will. Schwer erträglich ist es für Eltern auch, wenn es bei den Hausaufgaben jeden Tag Tränen gibt. Was kann man tun, wenn das Kind in der Schule nicht zurecht kommt? Auch, wenn es verständlich ist: Genervt zu reagieren, hilft in dieser Situation überhaupt nicht weiter.

Suchen Sie das Gespräch mit der Lehrkraft!

Ansprechpartner ist dann zuerst die Lehrkraft. Eltern sollten das Gespräch mit Lehrer oder Lehrerin suchen, um gemeinsam nach den Ursachen für den Schulfrust des Kindes zu suchen und Lösungen zu finden. Eine zusätzliche Entlastung kann es auch sein, sich mit Eltern von Klassenkameraden zu unterhalten. Vielleicht machen diese ähnliche Erfahrungen.

Tipps, wenn das Kind die Schule ablehnt

Zuhören

Dem Kind genau zuhören, wenn es aus der Schule erzählt.

Akzeptanz

Sorgen und Nöte Ihres Kindes sollten Sie stets ernst nehmen, auf keinen Fall herunterspielen.

Erzählen

Manche Kinder erzählen den Eltern nicht gerne von der Schule - Eltern können dann alternative Gesprächspartner anbieten. Kinder haben da oft ganz genaue Vorstellungen und gute Ideen.

Lernstoff

Eltern sollten ihr Kind beim Erledigen der Hausaufgaben beobachten, um zu erkennen, ob es den Lernstoff verstanden hat, wo es Lücken hat und wann es aufgibt oder resigniert. Diese "Diagnose" kann sehr hilfreich sein und den Lehrern als wichtige Informationsquelle dienen.

Lehrer

Ein Gespräch mit der Lehrkraft empfiehlt sich immer. Eltern können von den Ängsten ihres Kindes berichten und sich die Beobachtungen des Lehrers schildern lassen.
Sollten sich die Probleme nicht legen, ist es ratsam, den Schulpsychologen einzuschalten. Es gibt ihn an jeder Schule. Er kann sich ein genaueres Bild über ihr Kind machen, Stärken und Schwächen diagnostizieren und hilfreiche Tipps geben. Eltern sollten sich nicht scheuen, das kostenlose Beratungsangebot zu nutzen.

Belohnung

Wichtig sind unterstützende Maßnahmen, die dem Kind Selbstbewusstsein geben und die Freude an der Schule wieder aufkommen lassen. Bewährt haben sich "Verstärker-Systeme". Belohnungen beispielsweise können gut dabei helfen, Ängste abzubauen.

Quelle: Simone Fleischmann, Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)


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