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Pflegeversicherung Die fünfte Säule des Sozialsystems

Immer mehr Menschen in Deutschland werden immer älter. Das heißt: Immer mehr Menschen brauchen Pflege. Die Pflegeversicherung soll die finanziellen Risiken für den Einzelnen mindern. Erfahren Sie, wie diese Absicherung aufgebaut ist.

Stand: 22.04.2012

Tafelzeichnung neben einem mit Mullbinden umwickelten Sparschwein | Bild: colourbox.com; Montage und Illustration: BR/Tanja Begovic, Renate Windmeisser

Immer mehr Ältere

Die Zahl der älteren Menschen (über 65 Jahre) wird in den kommenden Jahren steigen, es wachsen weniger jüngere nach. Wie stark genau, hängt von Variablen ab wie der Geburtenzahl und der Zuwanderung. Sicher ist: Ab 80 steigt die Wahrscheinlichkeit stark an, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

Die Pflegeversicherung gibt es in Deutschland seit 1995. Sie ist die fünfte Säule der Sozialversicherung, neben der Arbeitslosen-, Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung. Jeder, der gesetzlich krankenversichert ist, ist automatisch in der sozialen Pflegeversicherung versichert. Der Beitragssatz dafür liegt bei 2,05 Prozent des Bruttoeinkommens. Derzeit zahlen ihn Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen. Die Beitragsbemessungsgrenze für die Pflegeversicherungsbeiträge liegt bei 3.937,50 Euro im Monat. (Stand 2013)

Wer keine Kinder hat, zahlt mehr

Kinderlose zahlen einen Zuschlag und kommen auf insgesamt 2,3 Prozent des Bruttogehalts. Ausnahmen gelten für Unter-23-Jährige, Bezieher von Arbeitslosengeld II und kinderlose Rentner.

Auch privat Krankenversicherte sind versicherungspflichtig: Sie müssen eine private Pflegepolice unterschreiben. Die Beiträge dafür richten sich - anders als bei der gesetzlichen Variante - nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Versicherungsrisiko des Einzelnen - innerhalb eines gesetzlich vorgegebenen Rahmens.

Die Pflegeversicherten im Überblick:

gesetzlich

Automatisch versichert

Wer in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, gehört automatisch der sozialen Pflegeversicherung an. Dies gilt zum Beispiel für Arbeiter, Angestellte, Studierende und Rentner. Einen gesonderten Antrag zur Aufnahme in die soziale Pflegeversicherung muss man nicht stellen.

freiwillig

Wechsel zu privatem Anbieter möglich

Auch für freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung besteht eine Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung. Innerhalb der ersten drei Monate können sie sich davon jedoch befreien lassen - und eine private Pflegeversicherung abschließen.

privat

Pflegeversicherung ist Pflicht

Privat Krankenversicherte müssen eine private Pflegeversicherung abschließen. Deren Leistungen entsprechen denen der sozialen Pflegeversicherung, statt Sachleistungen gibt es jedoch - wie bei der privaten Krankenversicherung - eine Kostenerstattung. Auch privat Pflegeversicherte erhalten einen Zuschuss vom Arbeitgeber und zwar soviel, wie dieser auch für die soziale Pflegeversicherung zahlen müsste.

familienversichert

Keine eigenen Beiträge fällig

Unterhaltsberechtigte Kinder, Ehegatten und Lebenspartner, deren monatliches regelmäßiges Gesamteinkommen nicht höher ist als 360 Euro bzw. 400 Euro bei geringfügig Beschäftigten, sind mitversichert. Sie brauchen keine Beiträge zur Pflegeversicherung zu zahlen.

weiterversichert

Auch für Auswanderer möglich

Freiwillig Versicherte können, auch wenn die Versicherungspflicht erlischt, unter Umständen weiter in der Pflegeversicherung bleiben. Sie müssen jedoch in den letzten fünf Jahren mindestens 24 Monate oder in den letzten zwölf Monaten ununterbrochen Mitglied der sozialen Pflegeversicherung gewesen sein. Wer beispielsweise ins Ausland zieht, kann beantragen, weiterhin pflegeversichert zu bleiben.
Quelle: Bundesgesundheitsministerium

Das Geld deckt nicht alle Kosten

Die Pflegeversicherung ist ein Umlagesystem, das heißt: Das, was wir einzahlen, erhalten die derzeit Pflegebedürftigen. Darüber hinaus ähnelt das Prinzip einer Teilkasko-Versicherung. Das bedeutet, dass das Pflegegeld in der Regel nicht für alle anfallenden Kosten reicht. Den Rest müssen der Pflegebedürftige oder seine Angehörigen selbst bezahlen. Würde man alle Pflegekosten abdecken wollen, wären deutlich höhere Beiträge fällig.

Das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz

Mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz erhalten seit 2013 etwa 500.000 Demenzkranke mehr Leistungen aus der Pflegeversicherung. Vor allem die rund 40.000 Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (sog. "Pflegestufe 0") bekommen nun monatlich 225 Euro Pflegesachleistungen oder 120 Euro Pflegegeld. Auch Demenzkranke der Pflegestufe I und II erhalten mehr, die Leistungen in der Pflegestufe III bleiben gleich.

"Pflege-Bahr" - Förderung privater Zusatzvorsorge

Seit 2013 fördert der Staat, ähnlich der "Riester-Versicherung" in der Rente, auch diejenigen, die sich privat gegen Pflegebedürftigkeit versichern. Wer einen entsprechenden Vertrag ("Pflege-Bahr") abschließt, erhält im Monat fünf Euro Zuschuss vom Staat, solange er mindestens 10 Euro im Monat selbst in die Versicherung einzahlt.


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