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Beziehungen Wie man die Liebe schützt

Zu zweit Zeit verbringen, miteinander reden, sich nah sein - wenn es sein muss mit festem Termin, von Kindern ungestört und ohne einen Anruf aus dem Büro: Liebe muss gepflegt werden, sonst stirbt sie mit der Zeit.

Stand: 07.12.2015

Illustration: Wie man die Liebe schützt | Bild: BR

Zeit füreinander zu haben ist lebenswichtig für eine Beziehung: Das Paar hat gemeinsame Erlebnisse und macht Erfahrungen zu zweit, hat Zeit für Sexualität, die die Bindung der Partner zueinander festigt. All das zusammen stärkt das Wir-Gefühl des Paares. Klingt banal, ist aber wissenschaftlich erwiesen: Die ungestört gemeinsam verbrachte Zeit ist das Kapital, das jedes Liebeskonto bestehen und anwachsen lässt.

Der Alltagsstress ist ein Beziehungskiller

Meist fehlt Paaren, besonders doppelt berufstätigen Paaren, die Zeit. Der alltägliche Stress - Arbeitsalltag, die Belastungen durch Haushalt und Kindererziehung, gesellschaftliche Verpflichtungen - frisst Zeit und Energien. Die gemeinsam verbrachte Zeit wird immer kürzer. Das wiederum verschlechtert zuerst die Kommunikation zwischen den Partnern. Stress legt außerdem problematische Charakterzüge des Einzelnen frei. All das führt zu einer Entfremdung der Liebenden und zu Unzufriedenheit: "Chronischer Alltagsstress unterhöhlt die Partnerschaft wie ein korrosiver Prozess", so der Schweizer Paarforscher Guy Bodenmann.

Man ist sich aus Zeitnot immer seltener nah und verliert den anderen emotional aus den Augen: Entfremdung ist heute immer häufiger Grund für das Scheitern von Beziehungen und Ehen, bestätigt Bodenmann.

Wenn der Job einen Partner völlig vereinnahmt

Wenn einer der Partner mit seinem Job verheiratet ist, wird es schwierig. Es bleibt keine Zeit, die Beziehung zu pflegen.

"Unter den 'best of' der Beziehungskiller steht zweifelsohne der Beruf ganz oben. Viele Partnerschaften haben oft nur noch die Funktion einer Rehaklinik, in die sich augelaugte, erschöpfte und von sich entfernte Menschen nach Feierabend schleppen, um dort wieder zu Kräften zu kommen. Im Job geht alles - zu Hause nichts."

Eva-Maria und Wolfram Zurhorst in 'Beziehungsglück' , München 2010

Wenn der Beruf des einen Partners alle Energien und Zeit raubt, ist es schier unmöglich, eine Partnerschaft zu retten. Dann muss sich der Betroffene entscheiden, der Beziehung mehr Wichtigkeit einräumen - und im Job kürzer treten, so Beziehungstherapeutin Zurhorst.

Stressfaktor Schwiegermutter?

Die böse oder nervige Schwiegermutter als Scheidungsgrund? Da ist nichts dran: "Während in der Volksmeinung die Probleme mit der Schwiegermutter häufig an erster Stelle der Stresshierarchie von Paaren stehen, zeigen keine wissenschaftlichen Untersuchungen diese Vorrangstellung der Schwiegermutter als Stressfaktor", so Guy Bodenmann. Die Psychologen sind sich aber einig darin, dass die mangelnde Abgrenzung zur Herkunftsfamilie Probleme in einer Partnerschaft bereiten kann.

Die Tipps der Therapeuten

1

Besonders unverheiratete Paare sind sich manchmal unsicher über den Status ihrer Beziehung. Laut Paartherapeut Hans Jellouschek braucht jede Liebesbeziehung Verbindlichkeit. Stehen Sie zu Ihrer Liebe und überlegen Sie, ob Ihre Partnerschaft einen Schritt in Richtung Ehe oder gegenseitiges Versprechen braucht.

2

Sehen Sie Ihren Partner immer wieder neu als Wesen, das Sie kennenlernen wollen, auf das Sie neugierig sind. So lernen Sie Einfühlungsvermögen und akzeptieren sein Anderssein.

3

Ihre Eltern waren das erste Vorbild für das Paar-Sein. Lehnen Sie deren Art der Beziehung ab und treffen eine Gegenwahl, dominiert immer der Hader über das als Kind Erlebte. Befreien Sie sich daher von der Vergangenheit, arbeiten Sie innerlich Ihre Kindheit auf. Erst dann sind Sie frei für die Liebe zu Ihrem Partner.

4

Die positive Grundstimmung Ihrer Partnerschaft erhalten Sie sich, wenn Sie Ihrem Partner immer wieder positive Rückmeldungen geben - mit Worten, Gesten, Berührungen. Der Alltag verhindert oft, dass wir dem Partner diese positiven Signale zukommen lassen. Laut Eva Wunderer und Klaus A. Schneewind ist die grundsätzlich positive Sicht auf die Beziehung einer der Grundpfeiler einer Liebesbeziehung. Der zweite Grundpfeiler: die Fähigkeit, Konflikte zu lösen.

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Paare fügen sich Verletzungen zu - im Streit oder durch Unachtsamkeit: Reden Sie darüber und verzeihen Sie sich gegenseitig. Nur so gären Verletzungen nicht jahrelang in einer Beziehung, so Hans Jellouschek. Eva-Maria und Wolfram Zurhorst formulieren es so: "Sie können vergeben und damit den eigenen inneren Frieden wichtiger nehmen als den Drang, sich selbst und andere immer wieder alten Ansprüchen zu unterwerfen und die eigene Kraft in Bitterkeit, Rachegelüsten und Wut zu verschwenden."

6

Körperliche und geistige Nähe brauchen Raum. Im Alltag sollten sich Paare bestimmte Stunden nur für sich nehmen, um Zeit miteinander zu verbringen, sich nah zu sein. Manche Paare verabreden sich oder haben einen festen Abend in der Woche, an dem sie zum Beispiel gemeinsam essen, in den Tanzkurs oder ins Kino gehen.

7

Gerechtigkeit ist wichtig in einer Beziehung. Es sollte nicht ein Partner die Hauptlast alleine tragen - im Haushalt oder bei der Pflege Angehöriger zum Beispiel. Frau und Mann sind gleichwertig und sollten auch zu gleichen Teilen bestimmend sein. Machen Sie ab und an eine "Fairness-Bilanz" Ihrer Partnerschaft, empiehlt Hans Jellouschek.

8

Konflikte konstruktiv lösen: Die vom amerikanischen Paartherapeuten John Gottmann sogenannten "apokalyptischen Reiter" in einer Beziehung sind harsche Kritik, Rechtfertigung, Verachtung, Mauern und aggressive Machtdemonstration. Lässt man diese erst gar nicht anreiten, sondern sucht gemeinsam nach einer Lösung, erhält man sein Liebesglück länger. Doch dafür ist Training nötig, sagen Wunderer und Schneewind.

9

"Das ist dein Problem." Dieser Satz, so Hans Jellouschek, ist einer der destruktivsten in einer Beziehung. Das Problem des einen sollte immer auch das Problem des anderen sein, das heißt, man verbündet sich und geht das Problem gemeinsam an. Kooperation statt Konkurrenz, lässt die Liebe zueinander wachsen.

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Achten Sie auf sich selbst, ändern Sie Ihre Einstellung - geben Sie nicht für alles, was in der Beziehung schief läuft, ihrem Partner die Schuld.

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Partner sollten einander in Stresssituationen unterstützen - und dafür gibt es einige Strategien. Konkrete Unterstützung leisten kann man durch Mithilfe im Haushalt, bei der Analyse eines Problems und der Suche nach einer Lösung. Der Partner kann bei der Organisation von Aktivitäten helfen, die dem anderen Partner wichtig sind und Aufgaben für den Partner/in erledigen. Beide Partner können überlegen, sich als Paar Freiräume zu schaffen - durch einen Babysitter oder eine Haushaltshilfe zum Beispiel.

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Auf der emotionalen Ebene kann Unterstützung in Stresssituationen so aussehen: verständnisvolles und interessiertes Zuhören, Mithelfen bei der Umbewertung der Situation ("Ist das wirklich so schlecht?"), Unterstützung durch Gefühlsberuhigung oder Solidarisierung ("Das kenne ich."). Der Partner/in kann dem anderen Mut machen, ihn umarmen, ihn zu einer Aktivität einladen oder es respektieren, dass der andere seine Ruhe braucht.

Quellen: Hans Jellouschek "Liebe auf Dauer. Die Kunst, ein Paar zu bleiben" Freiburg 2004, Eva Wunderer und Klaus E. Schneewind "Liebe ein Leben lang", München 2008. Guy Bodenmann, "Stress und Partnerschaft" Zürich 2007, Eva-Maria und Wolfram Zurhorst "Beziehungsglück", München 2010

Die Rolle von Kindern

Kinder sind - rein auf Zweisamkeit der Eltern bezogen - erst einmal und besonders in den Baby- und Kleinkindjahren Stressfaktoren. Andererseits wirken gemeinsame Kinder stabilisierend auf die Partnerschaft, so Eva Wunderer und Klaus E. Schneewind. Wenn Kinder dann größer werden, sorgen sie oft für Glücksmomente und positive Bestätigungen des Elternpaares.


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