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Kommunikation in der Beziehung "Schatz - wir müssen reden!"

Die meisten Männer hassen Beziehungsgespräche. Dennoch ist es notwendig, sich über Bedürfnisse und Wünsche in einer Partnerschaft regelmäßig auszutauschen. Und besonders für die Konfliktlösung braucht es Kommunikationsstrategien.

Stand: 07.12.2015

Illustration: "Schatz, nicht schon wieder reden!" | Bild: BR

5 : 1

John Gottmann, amerikanischer Beziehungsforscher, hat die Paarkommunikation auf eine einfache Formel gebracht: Er hat beobachtet, dass glückliche Paare negative Situationen durch positive ausgleichen - und zwar im Verhältnis 5 : 1. Ein böses Wort wird durch fünf liebevolle Aussagen, Komplimente oder Gesten wieder ausgeglichen.

Zuerst einmal muss man unterscheiden zwischen der generellen Kommunikation eines Paares und der Kommunikation in Konfliktsituationen. Der Austausch über eigene Wünsche und Vorstellungen, Pläne, Hoffnungen ist ein wichtiges Fundament für eine Beziehung. Und dazu gehört, dass man sich täglich austauscht und so Nähe zum Partner erlebt.

Wer das nicht tut, für den besteht die Gefahr, dass man den Partner aus den Augen verliert.

Wie Frauen über Männer reden

Während Frauen sich sehr detailliert über ihre Männer oder ihre Affären mit Freundinnen unterhalten, bleiben Männer mit ihren Aussagen über Frauen eher an der Oberfläche. Psychologe Wolfgang Schmidbauer meint, dass Frauen mehr und tendenziell schlechter über Männer reden als es Männer über Frauen tun. Frauen neigten auch eher dazu, so Schmidbauer, sich über ihren Partner zu beklagen und das eigene Unglück am Fehlverhalten des Mannes fest zu machen. Psychologin Anna Schoch rät Frauen, die Probleme in der eigenen Beziehung nicht mit den Freundinnen, sondern zuallererst und intensiv mit dem Partner zu besprechen. Auch Wolfgang Schmidbauer ist der Meinung, dass Frauenbündnisse die Sprachlosigkeit zwischen den Geschlechtern eher vertiefen.

"Paare, die sich in langjährigen Beziehungen glücklich fühlen, sind meist in der Lage, sich gegenseitig ihre Gefühlswelt mitzuteilen. Sie sehen weder sich noch die gemeinsame Beziehung durch diese Gefühlsäußerungen, gerade auch wenn sie negativ sein sollten, bedroht. Solche Paare haben – manchmal ohne sich dessen so genau bewusst zu sein – eine eigene, sehr subtile Sprache, Gestik und Mimik im Laufe ihrer Beziehung entwickelt."

pro familia, Lustwandel. Sexuelle Probleme in der Partnerschaft

Streit ist normal - auf das "Wie" kommt es an

Streiten und sich wieder versöhnen - das will gelernt sein.

Dass es in einer Beziehung auch mal zu Streit kommt, ist ganz normal. Besonders schnell entstehen Auseinandersetzungen, wenn einer der Partner oder sogar beide durch Stress von außen - zum Beispiel durch den Beruf, Probleme in der Kindererziehung, Konflikte in der Herkunftsfamilie angespannt sind. Wer gestresst ist, kommuniziert sehr viel schlechter als in entspanntem Zustand: Der Ton wird gereizt, man reagiert heftiger als sonst.

Wer es dann aber schafft, sachlich beim Problem zu bleiben, Ich-Botschaften zu formulieren - also keine Vorwürfe an den Partner, sondern von sich selbst sprechen - keine alten Sünden hervorzuholen, keine Charakterkritik am anderen zu üben und nicht verächtlich oder zynisch zu werden - der ist ein "guter" Streiter. Der Idealfall: Die Partner arbeiten an der Lösung des Problems und fügen sich keine Verletzungen zu.

Darüber streiten Paare am häufigsten

Die wichtigsten Streitthemen in Beziehungen sind die Freizeitgestaltung, die Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung, die Finanzen, das Engagement im Beruf, der partnerschaftliche Umgang miteinander und die Kinderziehung. Über letztere wird am häufigsten gestritten.

Quelle: Pairfam, Panel Analysis of Intimate Relationsship and Family Dynamics, Langzeitstudie an der Uni München

Nach Geburt des Kindes: Rückfall in alte Geschlechterrollen

Viele Frauen haben hohe Ansprüche an sich selbst - und der Stress zwischen Familie und Beruf reibt sie auf.

Sind beide Partner berufstätig, erwischt der Stress besonders die Frauen, weil diese zusätzlich zu ihrer Berufstätigkeit meist relativ alleine den gesamten privaten Bereich organisieren müssen. Viele Frauen berichten von einem permenten schlechten Gewissen - ihrem Beruf, aber auch ihren Kindern gegenüber:

"Gerade berufstätige Frauen erreichen ein hohes Stressniveau: Im Job, im Haushalt, als Mutter, als Partnerin – überall meinen sie perfekt sein zu müssen. Spätestens wenn Kinder da sind, wird das zu einer 'mission impossible'. Studien zeigen, dass Mütter nach der Elternschaft deutlich mehr Hausarbeit erledigen. Männer, die sich zuvor engagiert haben, driften weg, definieren sich zunehmend über die Ernährerrolle und Karriere."

Guy Bodenmann, Psychologe und Paartherapeut im Tagesanzeiger, Zürich

Viele Frauen reden sich ein, das sei okay so, das sei der Preis, den sie für ihre Berufstätigkeit bezahlen müssten. Wenn es keine Großeltern vor Ort gibt, die die Frauen entlasten, wird es problematisch: Als Frau ist man frustiert, fühlt sich nicht genügend unterstützt vom Partner - und die Kommunikation zwischen den Liebenden wird immer schlechter. Aus dieser Falle kommt man, indem man sich mit seinem Partner hinsetzt und ihn darauf aufmerksam macht, dass man mehr Hilfe von ihm braucht. Vielleicht lässt sich auch ein Babysitter engagieren, um der Frau Freiräume für ihre Hobbies oder dem Paar mehr gemeinsame Zeit zu verschaffen.

So reden Sie besser (nicht) mit Ihrem Partner

Du-Botschaften

Illustration: Sprechblase | Bild: BR

Du-Botschaften drängen den anderen immer in die Defensive - einen solchen Angriff muss man persönlich nehmen. Besser, Sie sprechen von Ihren Gefühlen: "Ich bin sauer, weil ich heute lange auf Dich warten musste, obwohl wir verabredet waren."

Verallgemeinerungen

Illustration: Sprechblase | Bild: BR

Vermeiden Sie Verallgemeinerungen und Du-Sätze. Formulieren Sie Ihre Kritik besser als eine Beschwerde für einen konkreten Fall: "Du hattest versprochen, heute mit mir ins Kino zu gehen. Das hat nicht geklappt und das ärgert mich."

Alte Sünden

Illustration: Sprechblase | Bild: BR

Bleiben Sie mit Ihren Beschwerden in der Gegenwart, alte Sünden sollten Sie sich und Ihrem Partner möglichst schnell vergeben - sonst vergiften diese Ihre Beziehung langfristig.

Verächtlichkeit

Illustration: Sprechblase | Bild: BR

Den anderen verächtlich zu machen, ist sehr verletzend - und hat mit Kommunikation wenig zu tun. Es ist einfach nur destruktiv. Hier geht es um Dominanz, darum, nicht als Verlierer aus einem Konflikt hervorzugehen. Lassen Sie das: So will niemand behandelt werden - Sie selbst auch nicht.

Unterbrechen

Illustration: Sprechblase | Bild: BR

Fallen Sie Ihrem Gegenüber nicht ständig ins Wort, hören Sie ihm aktiv - das heißt mit Augenkontakt und aufmerksam - zu.

Quellen: Guy Bodenmann, John Gottman


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