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Blei, Formaldehyd & Co. Die größten Risiken

Kleine Kinder lutschen an Halsketten, stecken sich Bauklötze in den Mund und nuckeln am Kuschelhasen. Deshalb sollte Spielzeug besonders strenge Kriterien erfüllen müssen, um als sicher zu gelten.

Stand: 05.12.2016

Baby nuckelt an grüner Plastikhand | Bild: colourbox.com

Viele Schadstoffe, die die Tester immer wieder in Spielzeug finden, stehen in Verdacht, Krebs zu erzeugen oder die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Manche dünsten aus, werden also eingeatmet, andere gelangen über Haut und Mund in den Körper der Kinder. Längst nicht alle Schadstoffe sind nach Expertenmeinung hinreichend reglementiert. Grenzwerte sind teilweise zu hoch oder gar nicht vorhanden.

Die häufigsten Schadstoffe (1)

Formaldehyd

Formaldehyd dünstet oft aus Holzpuzzles aus, die aus Sperrholz oder Spanplatten mit Kunstharzen hergestellt wurden. Formaldehyd steht unter anderem im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Der Grenzwert liegt bei 0,1 ppm (parts per million). Allerdings ist es technisch schwierig, die Ausdünstungen von Formaldehyd verlässlich zu messen - das erschwert Kontrollen.

Schwermetalle

Schwermetalle wie Blei und Cadmium findet man vor allem in Lacken oder Kunststoffen wie PVC. Blei kann schon in geringen Mengen dem Gehirn schaden, Cadmium den Nieren. In der alten Spielzeugrichtlinie galt ein Blei-Grenzwert von 0,7 Mikrogramm pro Tag, nach der neuen Richtlinie liegt der Grenzwert höher: bei 1,3 Mikrogramm. Cadmium nehmen Kinder schon über die Nahrung in zu hohem Maße zu sich. Deshalb fordern die WHO und das BfR ein Verbot von Blei und Cadmium in Spielzeug. In Deutschland gilt für Blei nach wie vor der alte - strengere - Grenzwert.

Nickel

Altbekannter Stoff, der vor allem in Schmuck, aber zum Beispiel auch in Nieten von Spielzeug vorkommt. Etwa zehn Prozent aller Kinder reagieren auf Nickel. Grenzwert: Ein Gegenstand darf maximal 0,5 Mikrogramm Nickel pro Quadratzentimeter und Woche freisetzen.

VOC

Unter VOCs (volatile organic compound) versteht man flüchtig organische Verbindungen, die meist von allen neuen Haushaltsgeräten oder auch Spielzeug ausdampfen. VOC reizen die Schleimhäute und haben oft auch krebserregende Eigenschaften. Grenzwerte gibt es nicht, es fehlen noch ausreichende Daten.

Die häufigsten Schadstoffe (2)

PAKs

PAKs (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) gelangen oft über verunreinigte Weichmacheröle ins Spielzeug. Einige - wie zum Beispiel Naphthalin oder Chrysen - gelten als krebsererregend, erbgutverändernd und fortpflanzungsschädigend. PAK aus Spielzeug gelangen meist durch die Haut in den Körper. Die EU hat inzwischen für acht krebserzeugende PAK Grenzwerte festgelegt: Spielzeugteile aus Gummi oder Kunststoff dürfen höchstens 0,5 Milligramm PAK pro Kilogramm enthalten.

Nitrosamine

Nitrosamine können bei der Herstellung von Gummi entstehen. Sie sind stark krebserregend. Besonders gefährlich ist es, wenn Kleinkinder lange an belasteten Gummiteilen nuckeln. Kleinkindspielzeug darf nur so gering mit Nitrosaminen belastest sein, dass man es analytisch nicht mehr nachweisen kann. Die Nachweisgrenze liegt bei 01,mg/kg.

Organozinnverbindungen

Organozinnverbindungen erhöhen die Stabilität von Materialien, zum Beispiel von Lacken. Einige Verbindungen wie Dibutylzinn (DBT) können das Immunsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit schädigen. Folgende Migrationsgrenzwerte dürfen bei Spielzeug nicht überschritten werden: Bei trockenen Stoffen 09 mg/kg, bei Flüssigkeiten 0,2 mg/kg und bei abgeschabten Spielzeugmaterialien 12 mg/kg. Vielen Wissenschaftlern ist vor allem der letztgenannte Grenzwert zu hoch.

Phthalate

Phthalate gehören zu den Weichmachern in Plastikspielzeug. Sie dünsten aus oder lösen sich bei Kontakt mit Flüssigkeiten und Fetten. Einige gelten als fortpflanzungsschädigend und sind in Spielzeug verboten. Einige Phtalate sind in Spielzeug verboten: DEHP, DBP, BBP, DINP, DIDP und DNOP. Die nun häufig verwendete Alternative Diisobutylphthalat (DIBP) steht ebenso unter Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. Ein Grenzwert ist hier gesetzlich noch nicht geregelt.

Gefahr durch Duftstoffe

Duftstoffe können sich sich in Produkten wie Seifenblasen, Radiergummis, Papier, Textmarkern oder Bällen verstecken.

Vielen Spielsachen werden inzwischen Duftstoffe zugesetzt, die lediglich zum Kauf animieren sollen - ohne einen technischen Zweck zu erfüllen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor diesen künstlich hergestellten chemischen Substanzen, weil sie bei einem kleinen Teil der Kinder Kontaktallergien auslösen könnten, die diese ein Leben lang nicht loswürden. Eine Kontaktallergie äußere sich in Rötungen, Bläschen oder Entzündungen. Es könnten nur die Symptome, nicht aber die Ursachen behandelt werden.

Nur wenige der insgesamt 2.500 Duftstoffe sind allerdings problematisch. 55 allergene Duftstoffe sind nach EU-Spielzeugrichtlinie bereits verboten. Für elf weitere gelten Grenzwerte, die das BfR auf EU-Ebene gerne um das Zehnfache senken würde. Spielzeug für Kinder unter drei Jahren sollte generell keine Duftstoffe enthalten, warnt die Behörde.

"Je häufiger und intensiver ein Kind mit allergenen Stoffen in Berührung kommt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Kontaktallergie entwickelt."

Miriam Ewald, Sprecherin des Bundesinstituts für Risikobewertung

Auch lose Kleinteile oder Lärm können Kindern schaden

Wichtig ist nicht nur, woraus ein Spielgerät besteht, sondern auch, wie es verarbeitet ist: Kleinteile, die sich ablösen, können Kleinkinder durch Verschlucken in akute Lebensgefahr bringen. Auch ein leicht entflammbarer Teddybär hat unter dem Weihnachtsbaum nichts verloren. Besonders bei Spielzeughandys und allen Geräten, die direkt ans Ohr gehalten werden, sollte man darauf achten, dass der Lärm-Grenzwert eingehalten wird: Zu lautes Spielzeug kann das Gehör von Kindern langfristig schädigen.

Blei in Kinderschmuck

Gerade im Kinderschmuck findet sich besonders viel Blei.

Bleihaltiger Schmuck für Kinder und Erwachsene darf nur in Verkehr gebracht werden, wenn der Bleigehalt weniger als 0,05 Prozent des Gesamtgewichts eines Schmuckstücks ausmacht. Doch in der Realität wird dieser Grenzwert leider oft überschritten. Da Kinder Schmuck auch häufig in den Mund nehmen, sollte man von billigem Schmuckstücken lieber Abstand nehmen - oder auf Holzschmuck oder echten Schmuck ausweichen.


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