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Benachteiligte Kinder Arme Kinder, schlechte Chancen

Den meisten Kindern in Deutschland geht es gut - sie werden gefördert und geliebt. Doch es wächst die Zahl von Menschen unter 18 Jahren, denen es materiell schlecht geht.

Stand: 20.09.2013

Kind hinter einer Scheibe | Bild: BR

Von Chancengleichheit aller Kinder kann in Deutschland nicht die Rede sein, denn es hängt nachweislich vom sozialen Status der Eltern ab, wie Kinder aufwachsen: Ob sie gesund ernährt werden, genügend Bewegung haben und intellektuell gefördert werden.

Verschiedene Kindertage

In der DDR feierte man am 1. Juni den Kindertag. Das tun bis heute auch noch viele andere Staaten wie zum Beispiel die USA. Der Internationale Kindertag der UNO ist der 20. November.

Weltkindertag in Deutschland am 20. September

In Deutschland wird nach der Wiedervereinigung der 20. September als gemeinsamer Weltkindertag begangen. "Chancen für Kinder!" – lautet das diesjährige Motto von UNICEF und dem Deutschen Kinderhilfswerk zum Weltkindertag. Damit möchten sie das Recht der Kinder auf gleiche Chancen im Bildungssystem in den Mittelpunkt stellen. Mehr Informationen dazu hier:

Neues Kinderschutzgesetz

Seit Anfang des Jahres 2012 gilt das neue Kinderschutzgesetz. Es soll Kinder besser vor Gewalt, Verwahrlosung und sexuellem Missbrauch schützen. Junge Familien sollen verstärkt Familienhebammen zur Seite gestellt werden, wenn bereits im Krankenhaus klar wird, dass sie mit dem Baby überfordert sind.
Außerdem sollen sich die Jugendämter besser untereinander vernetzen - das soll verhindern, dass Familien, die mit ihren Kindern umziehen, aus der Betreuung durch die Jugendhilfe fallen.
Ärzte und Psychologen dürfen nach den Vorgaben des neuen Gesetzes bei einer festgestellten "Gefährdung des Kindeswohls" ihre Schweigepflicht brechen und das Jugendamt informieren können.

Fast jedes sechste Kind ist arm

In Deutschland leben rund drei Millionen Kinder auf Sozialhilfeniveau, das ist fast jedes sechste Kind. Es gibt aber starke regionale Unterschiede, das West-Ost-Gefälle existiert nach wie vor.

1,2 Millionen Kinder, so berichtet UNICEF in seiner Vergleichsstudie 2012, leben bei uns in relativer Armut. Bei diesem Vergleich zur Situation der Kinder in den 35 reichsten Staaten der Erde schnitt Deutschland mittelmäßg ab - wie auch früher schon: Deutschland belegt Platz 13 hinter Island, Finnland, Zypern, Niederlande, Norwegen, Slowenien, Dänemark, Schweden, Österreich, Tschechien, Schweiz und Irland.

"Es ist enttäuschend, dass Deutschland es nicht schafft, die materiellen Lebensbedingungen für Kinder entscheidend zu verbessern. In reichen Industrieländern sollte kein Kind notwendige Dinge entbehren müssen."

Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland

Die Kinderschutzorganisation beobachtet, dass immer häufiger benachteiligte Kinder in isolierten Wohnvierteln unter sich bleiben. Viertel, in denen gute Schulen und ausreichende soziale Unterstützung fehlen.

Arme Kinder: kaputte Zähne und Übergewicht

Arme Kinder leiden häufiger als andere Kinder unter Übergewicht.

Eine Datensammlung des Deutschen Kinderhilfswerk aus dem Jahr 2007 zeigt, dass Kinder aus den unteren sozialen Schichten überdurchschnittlich oft von Karies betroffen sind, dass Kinder aus diesen Schichten häufiger übergewichtig oder fettsüchtig sind als andere Kinder und auch häufiger unter Kopf- und Magenschmerzen leiden.

UN-Kinderrechtskonvention: Der Anspruch

Gleichheit

Artikel 2: Gleichheitsgebot
"Die Vertragsstaaten achten die in diesem Übereinkommen festgelegten Rechte und gewährleisten sie jedem ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Kind ohne jede Diskriminierung unabhängig von der Rasse, der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen, ethnischen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, einer Behinderung, der Geburt oder des sonstigen Status des Kindes, seiner Eltern oder seines Vormunds."

Schutz

Artikel 19: Schutz vor Gewalt, Misshandlung, Verwahrlosung
"Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form von körperlicher und geistiger Gewaltanwendung, Schadenzufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut."

Gesundheit

Artikel 24 - Gesundheitsvorsorge
"(1) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit an sowie auf Inanspruchnahme von Einrichtungen zur Behandlung von Krankheiten und zur Wiederherstellung der Gesundheit. Die Vertragsstaaten bemühen sich sicherzustellen, dass keinem Kind das Recht auf Zugang zu derartigen Gesundheitsdiensten vorenthalten wird."

Unterhalt

Artikel 27 - Lebensbedingungen und Unterhalt
"Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an."

Bildung

Artikel 28 - Recht auf Bildung, Schule, Berufsausbildung
"Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Bildung an."

Unversehrtheit

Artikel 34 - Schutz vor sexuellem Missbrauch
"Die Vertragsstaaten verpflichten sich, das Kind vor allen Formen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs zu schützen."

Kinderrechte - die Wirklichkeit

Gleichheit

Die Kinder- und Jugendarmut in Deutschland hat sich bei 2,5 Millionen Kindern und Jugendlichen eingependelt. Dazu Michael Kruse vom Deutschen Kinderhilfswerk: „Keine andere gesellschaftliche Gruppe ist so stark von Armut betroffen wie Kinder und Jugendliche. Besonders schwierig ist die Situation in Familien mit nur einem Elternteil und für Kinder aus Zuwandererfamilien. Sie wachsen deutlich häufiger in Armut auf. Gerade die Tatsache, dass der konjunkturelle Aufschwung nicht zu einer Abnahme der Kinderarmut führt, macht deutlich, dass wir ein strukturelles Problem haben."

Schutz vor Gewalt

"Seit 2000 ist das Recht auf gewaltfreie Erziehung im Grundgesetz festgeschrieben. Trotzdem werden jedes Jahr werden rund 150.000 Kinder unter 15 Jahren von ihren Eltern körperlich misshandelt. UNICEF geht davon aus, dass in Deutschland jede Woche zwei Kinder an den Folgen von Misshandlungen und Vernachlässigung sterben. Laut Kriminalstatistik werden jedes Jahr rund 20.000 Fälle von sexuellem Missbrauch angezeigt. Die Dunkelziffer wird viermal so hoch geschätzt."
Quelle: UNICEF

Gesundheit

"Kinder und Jugendliche, die in Armut aufwachsen, sind häufig von einem erhöhten Gesundheitsrisiko betroffen. So vernachlässigen sie eher die Zahnpflege, sind weniger sportlich aktiv und verbringen mehr Zeit vor dem Fernseher. Deutlich lässt sich ein Zusammenhang zwischen der sozialen Lage und psychosozialem Wohlbefinden, Gesundheitsverhalten und dem Vorkommen von körperlichen Schmerzen feststellen. Auch die Ernährung ist bei armen Kindern und Jugendlichen häufig mangelhaft: es fehlt an der essentiellen Versorgung des Körpers mit Obst und Gemüse. Häufig gehen diese Kinder und Jugendlichen auch ohne Frühstück und Pausenbrote zur Schule."
Quelle: Deutsches Kinderhilfswerk

Unterhalt

"Deutschland ist eines der "kinderärmsten" Länder. Auf ein Kind kommen 4,4 Erwachsene. Investitionen in das Wohl der Kinder haben trotz der Debatte um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Gesellschaft keinen Vorrang. Das zeigte 2007 ein UNICEF-Vergleich unter 21 Industrieländern. Demnach ist Deutschland bei der Aufgabe, verlässliche Lebensumwelten für Kinder zu schaffen, nur Mittelmaß. Bei der Bereitschaft, in die frühkindliche Bildung zu investieren, ist Deutschland sogar Schlusslicht im internationalen Vergleich."
Quelle: UNICEF

Bildung

"Für den schulischen Erfolg ist das Sprachverständnis in allen Unterrichtsfächern von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig weisen immer mehr deutsche wie auch nichtdeutsche Kinder erhebliche sprachliche Rückstände in ihrer Entwicklung auf. So müssen rund 50 Prozent aller Kinder mit Deutsch im Zweitsprachenerwerb als sprachgestört eingestuft werden."
Quelle: Deutsches Kinderhilfswerk

Unversehrtheit

"In Deutschland werden zwei Drittel der sexuellen Gewalthandlungen gegen Kinder im familiären Umfeld begangen. In der polizeilichen Kriminalstatistik wurden hier 1999 insgesamt 19.436 Kinder als Opfer sexuellen Missbrauchs erfasst (Schutzaltersgrenze 14 Jahre), rund drei Viertel von ihnen waren Mädchen. Im Jahr 2001 wurden insgesamt 15.117 Fälle, darunter ein Fall mit Todesfolge, von sexuellem Missbrauch von Kindern erfasst. Darüber hinaus waren Kinder in 1.014 Fällen durch sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen - unter Ausnutzung einer Amtsstellung oder eines Vertrauensverhältnisses - als Opfer betroffen. Nach Angaben von Expertinnen sind in 30 bis 60 Prozent aller in Beratungsstellen gemeldeten Fälle sexueller Ausbeutung die Täter beziehungsweise die Täterinnen selbst minderjährig."
Quelle: terre des hommes


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