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Tod und Trauer Wie man Trauernden beistehen kann

Sie haben in ihrer Situation nicht die Kraft auf andere zuzugehen. Trauernde brauchen aber die Wärme und Hilfe anderer dringend. Lassen Sie Trauernde daher nicht alleine.

Stand: 21.06.2016 | Archiv

Illustration zur ARD-Themwoche: Wie man Trauernde begleiten kann | Bild: BR/ Angela Smets

Wer trauert, lebt im Ausnahmezustand. Er leidet körperlich und seelisch, den Alltag zu organisieren, fällt ihm schwer. Trauernde sind aber gleichzeitig nicht in der Lage, um Hilfe zu bitten:

"Gehen die anderen Menschen aber nicht auf ihn zu - und das kann sich in unserer Gesellschaft ereignen, da uns eine rituelle Trauer fehlt, wie sie etwa bei den gläubigen Juden noch stattfindet - dann kann er auch nicht auf die anderen Menschen zugehen, die zudem noch erwarten, dass der Trauernde 'normal' weiterlebt."

Verena Kast, Psychotherapeutin und Autorin

Die Folge davon kann sein, so Verena Kast, dass sich der Trauernde von seiner Umgebung entfremdet und die Welt mehr und mehr als feindlich erlebt.

Kümmern Sie sich um die Trauernden

Einfach da sein bedeutet Trost.

Man sollte Trauernde nicht alleine lassen: Sie brauchen Hilfe und Zuspruch. In den ersten Wochen und Monaten werden die Themen, über die der Trauernde sprechen will, sich immer wieder wiederholen, um das Unfassbare kreisen. Die Verzweiflung des Gegenübers ist für uns so schwer zu ertragen, weil wir selbst berührt sind. Wir sind konfrontiert mit unseren Ängsten und Schmerzen, konfrontiert mit dem Wissen um unsere eigene Sterblichkeit - und das erzeugt oft widersprüchliche Gefühle in uns:

"Manchmal spüren wir unsere große Hilflosigkeit, Irritation oder Abwehr angesichts des Geschehens, spüren vielleicht Tränen in uns hochsteigen aus Mitgefühl oder weil Eigenes berührt wird, können keine Worte finden...Das ist nicht immer einfach auszuhalten, und damit gilt es umzugehen und authentisch zu sein."

Petra Hugo, Bildungsreferentin für Trauerbegleitung

Oft genügt es, dem Trauernden zu signalisieren, dass man für ihn da ist. Dass man ihn besucht und mit ihm schweigt oder redet oder weint. Der Blick auf Trauer und Tod, die Begleitung trauerender Menschen gibt auch den Tröstenden etwas zurück: Es öffnet das Bewusstsein dafür, wie wertvoll das Leben ist. Jeder einzelne Tag ist ein Geschenk.

So helfen Sie Trauernden

Zuhören

Seien Sie für den Trauernden da und hören Sie ihm zu - auch, wenn er immer wieder um die selben Themen kreist. Hören Sie zu - immer wieder. Behelligen Sie den Trauernden nicht mit den eigenen Trauererfahrungen, denn Trauer lässt sich nicht vergleichen, auch unter engen Verwandten nicht. Es gibt keine Worte, die den Verlust leichter machen. Zeigen Sie Ihr Mitgefühl besser durch eine Umarmung.

Geduld

Lassen Sie dem Trauernden Zeit, drängen Sie ihn nicht. Drängen Sie sich selbst auch nicht auf, sondern bieten Sie sich immer wieder an.

Mitgefühl

Bewerten Sie die Trauer nicht. Auch ein Vergleich mit anderen, die es noch härter getroffen hat, ist nicht angebracht. Jeder Mensch trauert anders. Ob er und wann er die Wohnung umgestaltet oder das Türschild austauscht, ist allein Sache des Trauernden. Was gefragt ist, ist Ihr Mitgefühl.

Haushalt

Bringen Sie selbst gekochte Mahlzeiten mit und bieten Sie Hilfe bei der Haus- und Gartenarbeit an. Erledigen Sie Einkäufe und Besorgungen.

Selbsthilfe

Ermutigen Sie den Trauernden, sich Hilfe zu suchen - zum Beispiel in Selbsthilfegruppen oder bei Trauerbegleitern. Bieten Sie an, ihn beim ersten Mal zu begleiten.

Erinnerung

Lassen Sie Gespräche über den Verstorbenen zu, auch wenn sich die Themen wiederholen. Machen Sie auf Positives aufmerksam.

Brief

Wer sich lange nicht bei einem Trauernden gemeldet hat, kann das durch einen Brief tun: Seien Sie mitfühlend, vermeiden Sie Klischees und Allgemeinplätze.
Quellen: Andrea Nagl, Mit Würde Abschied nehmen, Stuttgart 2002; Verbraucherzentrale-Ratgeber, Ein Lebensende in Würde, Bundesverband Verwaister Eltern

Quelle: Andrea Nagl, Mit Würde Abschied nehmen, Stuttgart 2002; Verbraucherzentrale-Ratgeber, Ein Lebensende in Würde, Bundesverband Verwaister Eltern

Selbsthilfegruppen können eine große Unterstützung sein

Bei Menschen, die Ähnliches erlebt haben, finden Trauernde Verständnis.

Menschen zu treffen, die Ähnliches erlebt haben, sich mit ihnen auszutauschen, kann für Trauernde eine große Erleichterung sein. Oft genug fühlen sie sich mit ihrer Trauer alleine gelassen. Als Freund oder Verwandter kann man dem Trauernden anbieten, den Kontakt herzustellen und ihn zum ersten Treffen einer Selbsthilfegruppe zu begleiten.

Hilfe für Trauernde

Nicolaidis-Stiftung

Die Nicolaidis-Stiftung aus München bietet telefonische Trauerbegleitung, Beratung in Finanzfragen und Kontakte zu Selbsthilfegruppen an. Es gibt dort auch spezielle Angebote für trauernde Kinder und Jugendliche.

Verwitwet.de

Verwitwet.de ist ein Portal auch für alle Verwitweten - mit Informationen zu Rechtsfragen, Chatmöglichkeit und Kontakt zu Selbsthilfegruppen.

Verwitwet-ev.de

Verwitwet-ev.de ist eine Webseite für Menschen, die jung ihren Ehe- oder Lebenspartner verloren haben. Hier finden sich ein Forum, Chats und der Kontakt zu Selbsthilfegruppen. Regelmäßig gibt es moderierte Chats durch eine ausgebildete Kindertrauerbegleiterin zum Thema "Die Trauer der Kinder".

Trauernetz.de

Trauernetz.de ist ein Angebot der evangelischen Kirche. Es bietet Seelsorge per Chat, Checklisten für die Vorbereitung von Trauerfeier und Bestattung sowie den Kontakt zu Trauerbegleitern.

Singgruppe

Ein offenes Angebot für alle, die trauern, egal wie gut sie singen können.

Trauerbegleitung

Der Katholische Deutsche Frauenbund bildet Trauerbegleiter aus, die in ganz Bayern arbeiten. Informationen zu entsprechenden Trauergruppen und Trauercafes finden Sie hier:


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