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Pflegebedürftig Alles anders - in vertrauter Umgebung

Braucht man Pflege, verändert sich alles. Deshalb wird die vertraute Umgebung für viele noch wichtiger. Zu Hause kümmern sich meist Angehörige oder Freunde um Pflegebedürftige - oft Jahre lang. Es gibt Angebote, die sie dabei unterstützen.

Stand: 23.10.2012

Tafelzeichnung neben einem Gebiss im Glas | Bild: colourbox.com; Montage und Illustration: BR/Tanja Begovic

Rund drei Viertel der Pflegebedürftigen in Bayern leben zu Hause. Ziel ist, dass sie möglichst lang möglichst selbstständig bleiben. Die Angehörigen müssen die Kräfte zehrende Pflege jedoch nicht allein bewältigen. Pflegedienste, teilstationäre Angebote oder Kurzzeitpflegeheime können sie entlasten.

Was pflegenden Angehörigen helfen kann:

Pflegedienst

Unterstützung vom Profi

1.843 ambulanten Dienste, darunter 1.013 von privat-gewerblichen Trägern, gibt es in Bayern laut Sozialministerium. Die Profis der ambulanten Dienste können die Angehörigen bei der häuslichen Pflege unterstützen. Der Dienst rechnet dann direkt mit der Kasse ab, von dem, was übrig bleibt, erhält der Angehörige anteilig Pflegegeld.

Ersatz

Bei Krankheit oder Urlaub

Wenn Pflegeperson verhindert ist, übernimmt die Kasse einmal im Jahr für bis zu vier Wochen die Kosten für eine Vertretung bis zu einer Höchstgrenze von 1.550 Euro. Bei einem nicht erwerbsmäßig tätigen Ersatzpfleger beschränkt sich die Leistung in der Regel jedoch auf den Betrag des Pflegegeldes. Obendrein kann man diese sogenannte Verhinderungspflege erst nach sechs Monaten häuslicher Pflege nutzen.

Kurzzeit

Vorübergehend ins Heim

Zusätzlich zur Verhinderungspflege kann der Pflegebedürftige einmal im Jahr ebenfalls für bis zu vier Wochen eine Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Das bedeutet: Er kommt in ein Kurzzeitpflegeheim. Die Kasse zahlt bis zu 1.550 Euro dafür. Während dieser Zeit entfällt jedoch der Anspruch auf Pflegegeld.

Teilstationär

Brücke zwischen häuslicher und stationärer Pflege

Können Angehörige einen Pflegebedürftigen nicht rund um die Uhr versorgen, kann teilstationäre Pflege diese Betreuungslücke schließen. Dann besucht der alte Mensch beispielsweise acht Stunden am Tag eine Tagespflegeeinrichtung. In Bayern gibt es derzeit 1.833 Plätze in reinen Tagespflegeeinrichtungen. Hinzu kommen die Tagespflegeplätze in Alten- und Pflegeheimen. Hier nehmen die Pflegebedürftigen oft am normalen Tagesprogramm der Einrichtung teil.

Nachtpflege in Bayern

Für Menschen, die nachts sehr unruhig sind oder medizinische Betreuung benötigen, kann Nachtpflege eine große Unterstützung sein. Tagsüber können sie zu Hause sein, nachts im Heim schlafen. Laut bayerischem Sozialministerium bestehen in Bayern bei 15 Pflegeeinrichtungen Versorgungsverträge für die Nacht.

Hilfsmittel

Die Kasse schießt zu

Bis zu 31 Euro im Monat gibt es von der Pflegekasse für Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind - zum Beispiel Betteinlagen, Desinfektionsmittel oder Einmalhandschuhe. Technische Hilfsmittel wie ein Pflegebett oder einen Badewannenlifter kann man sich häufig von der Kasse leihen. Wenn nicht, erstatten sie 90 Prozent der Kosten, die restlichen zehn Prozent müssen erwachsene Pflegebedürftige selbst tragen - maximal jedoch 25 Euro pro Hilfsmittel.

Umbauten

Leistungen bei Umbauten

Manchmal müssen Türen verbreitert werden, damit ein Rollstuhl durchpasst, auch Bäder sind häufig nicht barrierefrei. Muss die Wohnung umgebaut werden, damit der Erkrankte zu Hause gepflegt werden kann, übernimmt die Kasse bis zu 2.557 Euro pro Umbaumaßnahme. Die Höhe der Leistung richtet sich nach Kosten und Einkommen.

Kurse: vom Füttern bis zur Lagerung

Soziale Absicherung für pflegende Angehörige

Wer plötzlich einen Angehörigen pflegt, wird oft ins kalte Wasser geworfen. Viele Kassen bieten deshalb - meist kostenlos - Kurse für die Pflegenden an. Regelmäßig kommen auch Pflegeprofis zu Beratungsbesuchen nach Hause. Sie können wertvolle Tipps liefern. Bei allem Stress sollten die Pflegenden auch sich selbst nicht vergessen. Es gibt einige Regelungen, die sich um ihre soziale Absicherung bemühen.

Das steht pflegenden Angehörigen zu:

Pflegezeit

Kündigung nicht ohne weiteres möglich

Für die Pflege kann man sich von der Arbeit unbezahlt freistellen lassen, entweder kurzfristig für zehn Tage oder als Pflegezeit bis zu sechs Monaten am Stück. Die Regelung gilt allerdings nur in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten.

Von der Ankündigung bis zum Ende der Freistellung gilt ein besonderer Kündigungsschutz. Außerdem gibt es in dieser Zeit Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung des Pflegenden.

Familienpflegezeit

Finanzielle Sicherheit

Seit Dezember 2011 gibt es ein neues Gesetz, das pflegenden Angehörigen helfen soll, Beruf und familiäre Pflege besser zu vereinbaren. Das "Gesetz über die Familienpflegezeit" soll eine gewisse finanzielle Sicherheit während der Pflege bieten. Arbeitet jemand während der Familienpflegezeit in Teilzeit (bis zu zwei Jahre, mindestens 15 Stunden pro Woche), kann er sein Gehalt um die Hälfe des reduzierten Entgelts aufstocken - allerdings nur als Vorschuss. Nach der Rückkehr zur alten Arbeitszeit erhält er bis zum Ausgleich des Gehaltsvorschusses weiterhin das reduzierte Gehalt.

Pflegegeld

Steuern sind nicht fällig

Wer einen anderen pflegt, hat Anspruch auf Pflegegeld, das seine ehrenamtliche Arbeit anerkennen soll. Deshalb muss Pflegegeld nicht versteuert werden. Muss der Pflegebedürftige ins Krankenhaus, wird das Pflegegeld vier Wochen lang weiterbezahlt.

Rente & mehr

Soziale Sicherung von Pflegenden

Angehörige, die mindestens 14 Stunden wöchentlich für einen Pflegebedürftigen sorgen und daneben weniger als 30 Stunden arbeiten, können Beiträge für die Rentenversicherung beanspruchen. Sie sind außerdem kostenlos unfallversichert. Kann der pflegende Angehörige nur noch Teilzeit arbeiten, kann er Arbeitslosengeld beanspruchen. Das Pflegegeld bekommt er in voller Höhe zusätzlich.

Wer mehr als einen Angehörigen pflegt, kann ab 2013 diese Zeiten addieren und so Rentenansprüche für die gesamte Zeit geltend machen. Voraussetzung: Jeder Bedürftige hat mindestens Pflegestufe I.

Steuer

Belege für Mehrausgaben sammeln

Viele Aufwendungen, die mit der Pflege eines Angehörigen zusammenhängen, kann man von der Steuer absetzen, beispielsweise Ausgaben für Hilfsmittel, eine Haushaltshilfe oder Kuren. Deshalb sollte man sämtliche Belege sammeln. Es gibt zwar Pauschbeträge, die man ohne Nachweise geltend machen kann (zum Beispiel einen Pflege- oder Behindertenpauschbetrag), aber wer mehr als diese Mindestsumme ausgegeben hat, muss Belege einreichen.

Erbrecht

Pflegende Angehörige erben mehr

Kinder, die ihre Eltern pflegen, werden seit Januar 2010 vom Gesetzgeber belohnt. Sie erben mehr als Geschwister, die nicht pflegen. Beispiel: Eine Tochter pflegt ihren Vater, der Sohn kann es aus beruflichen Gründen nicht. Als der Vater stirbt, vererbt er den Kindern 100.000 Euro. Die Tochter darf sich den Gegenwert der Pflegeleistung in Höhe von 20.000 Euro vorab aus dem Erbe entnehmen. Die restlichen 80.000 Euro teilt sie mit ihrem Bruder.

Da der Wert der Pflegeleistung nicht gesetzlich definiert ist, raten Experten, bereits im Vorfeld einen Stundensatz festzulegen, beispielsweise orientiert an denen eines ambulanten Pflegedienstes. Achtung: Häufig pflegen Schwiegertöchter die Eltern des Partners. Da sie jedoch keine gesetzlichen Erben sind, gehen sie nach der Regelung leer aus.


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