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Den Kohlegrill anfeuern Vom Feuer zur Glut

So mancher Grillanfänger steht da wie der sprichwörtliche Ochs' vorm Berg, wenn es darum geht, die Glut zu entfachen. Die Kohlen liegen im Grill, die Grillanzünder sind ordentlich verteilt - und nach einem kurzen Aufflammen erlischt der ganze Zauber wieder. Was tun, damit aus dem Strohfeuer doch noch eine ordentliche Glut wird?

Stand: 25.07.2017

Grillglut | Bild: colourbox.com

Im Prinzip ist es ganz einfach: Eine Glut braucht Luft - doch der Reihe nach: Schichten Sie die Kohlen zu einem Haufen auf. Wie groß dieser Haufen sein soll, darüber gehen die Meinungen auseinander: Ein kleiner Haufen glüht leichter durch, muss dann allerdings noch mit der restlichen Kohle vermischt werden. Ob kleiner Haufen oder großer: "Gefüttert" werden muss er auf jeden Fall, nämlich mit Grillanzündern. Mit diesen durchsetzt man die untere Hälfte des Haufens. Benutzen Sie zum Anzünden am besten ein Stabfeuerzeug, mit einem herkömmlichen Feuerzeug kann man sich leicht die Finger verbrennen.

Grillanzünder

Ob fest, flüssig oder als Gel: Welche Art Grillanzünder Sie bevorzugen, bleibt Ihnen überlassen. Beachten Sie bei allen unbedingt die Gebrauchsanweisung. Viele Anzünder müssen aus Gesundheitsgründen komplett abgebrannt sein, bevor das Grillgut aufgelegt werden darf. Der Handel hält inzwischen auch umweltfreundliche Modelle bereit, zum Beispiel aus Pinienholz, Hobelspänen, Kerzenwachs oder Sägemehl. Zeitungspapier ist nicht empfehlenswert: Die Papierasche wird im Laufe der Zeit aufgewirbelt und kann im Grillfleisch landen. Brennbare "Grillbeschleuniger" wie Spiritus sind tabu.

Grillanzünder im Test

Welcher ist der Beste?

Die Stiftung Warentest hat 2013 in Ihrer Mai-Ausgabe 28 verschiedene Grillanzünder getestet: feste, flüssige und gelförmige Paraffinanzünder, Holzwachs-Anzünder, Bio-Flüssiganzünder, elektrische Grillanzünder, Anzündkamine und ein Anzündspray. Welche Vor- und Nachteile die einzelnen Methoden haben und wer den Testsieg holt, können Sie hier durchklicken.

Holzwachs-Anzünder

Der Klassiker: preiswert, leicht dosierbar, praktisch in jedem Bau- und Supermarkt erhältlich. Viele Produkte weisen jedoch eine starke Rauchentwicklung auf. Die Stiftung Warentest hat deshalb drei von ihnen in dieser Kategorie mit der Note "mangelhaft" bewertet ("Flash Öko-Anzündwolle", "Rossmann/Stevenson Öko Grillanzünder" und "Fidibus Quicklight"). Außerdem brauchen Holzwachs-Anzünder in der Regel sehr lange, um Briketts auf Grilltemperatur zu bringen (bis zu 45 Minuten).

Feste Paraffinanzünder

... gehören zu den beliebtesten Grillanzündern in Bayern, weil sie preiswert, leicht erhältlich und einfach zu portionieren sind. Der Nachteil: Ihre Finger werden nach Parafin riechen. Zudem rußt Parafin stark und ist nicht für Briketts geeignet.

Paraffinanzünder als Gel oder Creme

... sind sehr gut für Holzkohle geeignet. Das weiße Paraffin legt sich wie Zuckerguss über die Holzkohle oder die Briketts. Gerade beim Grillen mit Holzkohle erreichen Sie relativ schnell die ideale Grilltemperatur. Außerdem rußen und riechen die Gel- und Creme-Varianten bei weitem nicht so stark wie die festen Paraffinanzünder.

Flüssiger Paraffinanzünder

Vorsicht! Die Stiftung Warentest rät konsequent davon ab, dass Sie flüssiges Paraffin verwenden. Alle getesten Produkte wurden mit "mangelhaft" bewertet. Der Grund: das hohe Gesundheitsrisiko. Parafin rußt und riecht stark, entzündet Holzkohle allerdings relativ schnell.

Bio-Flüssiganzünder

... ist viel sicherer und "gesünder" als Paraffin, es kostet allerdings auch deutlich mehr. Dafür werden Sie noch lange Spaß an Ihren Nachbarn haben: Bio-Flüssiganzünder riecht kaum, qualmt kaum, rußt kaum und bringt Holzkohle relativ schnell auf Touren.

Anzündspray

... ist das Gimmick für den Mann am Grill und der Testsieger bei der Stiftung Warentest. Das Anzündspray hat als einziges von 28 getesten Produkten ein "gut" bekommen. Es sieht aus wie ein Mini-Flammenwerfer, ist aber sehr sicher - es gehört natürlich trotzdem auf keinen Fall in die Hände von Kindern! Das Anzündspray glüht Kohle und Briketts schnell durch.

Der Grillföhn

... ist perfekt für alle, die nur wenig Zeit zum Grillen haben. Kein anderes Anzündmittel bringt Holzkohle so schnell zur Weißglut. Nachteil: der Grillföhn wirbelt Funken und Asche auf - und Sie brauchen eine Steckdose in der Nähe des Grills!

Elektrogrillanzünder

... sehen aus wie Tauchsieder. Die Handhabung ist sehr einfach: Sie legen den Elektrogrillanzünder einfach zwischen die Kohle und drücken den "Ein"-Schalter. Das ist natürlich relativ langweilig, aber ziemlich gesund: Es entstehen keine Chemikalien, kein Ruß, kein Qualm. Der Nachteil: Ohne Strom läuft nichts!

Stiftung Warentest

Her mit der Luft

Brennen die Grillanzünder, sollte der Kohlehaufen bald in hellem Feuerschein erstrahlen – was solange anhält, bis die Grillanzünder verbraucht sind. Dann sollte ein Teil der Kohle bereits angeglüht sein, was man an der weißen Ascheschicht erkennt. Damit die beginnende Glut nicht im Keim erstickt, braucht sie genau jetzt Sauerstoff.

Den bekommt die Glut mithilfe eines Handblasebalgs oder eines speziellen Handkurbelföhns. Zur Not hilft auch improvisiertes Wedeln mit den Händen oder Pusten: Hauptsache, die Glut wird ordentlich und vor allem kontinuierlich belüftet. Idealerweise verfügt der Grill über bodenseitige Luftöffnungen, die für einen Kamineffekt sorgen. Aber es funktioniert natürlich auch ohne diesen Luxus.

Von Radfußpumpen ...

Die Sorge, dass durch ein zu viel an Luft die Glut erlischt, ist unbegründet - im Gegenteil: Bei nur geringer Sauerstoffzufuhr entsteht jede Menge Rauch und Qualm. Ein Geheimtipp sind übrigens Radfußpumpen, die sich hervorragend zum Belüften zweckentfremden lassen. Viele Griller schwören auch auf Wellpapp-Kartons zum Wedeln - erlaubt ist eigentlich alles, was ungefährlich ist.

... und Multikompressoren

Tipp:

Unbedingt darauf achten, dass beim Befeuern keine Asche oder Glut aus dem Grill geblasen wird. Ein Windfang hilft.

Es soll Zeitgenossen geben, die den Grill mit Multikompressoren oder Lötbrennern befeuern, aber davon ist seriöserweise abzuraten - ebenso vom elektrischen Föhn: Gerät man mit diesem zu nah an die Glut, kann er schmelzen - mit fatalen Folgen.

Wann kann aufgelegt werden?

Wichtig ist die stete und konstante Luftzufuhr, sportliche Höchstleistungen sind beim Wedeln bzw. Blasen nicht notwendig. Die sogenannte Betriebstemperatur ist erreicht, wenn die Kohlen bzw. Briketts alle glühen, aber nicht brennen. Faustregel: Was weiß ist, das glüht auch. Mit etwas Erfahrung oder Glück hat sich die Glut bereits nach zehn Minuten vom inneren Brandherd nach außen vorgearbeitet.

Königsweg: der Anzündkamin

Funktionsschema eines Grillanzündkamins

Wer es bequemer haben möchte und auf den ganzen Stress verzichten will, der kann einen Anzündkamin benutzen. Einfach den Kamin mit Briketts oder Kohle befüllen. Dann einen feuerfesten Grund wählen - meistens ist das der Grill selbst - Grillanzünder drauflegen, anzünden, den befüllten Kamin draufstellen, warten - und nach ca. 20 Minuten hat man die perfekte Glut. Benutzen Sie Grillhandschuhe beim Umfüllen der Kohlen, denn nicht immer ist der Griff des Kamins perfekt isoliert. Leeren Sie den Inhalt des Anzündkamins behutsam in den Feuerrost des Grills, sonst droht Funkenflug. Zu guter letzt: Achten Sie unbedingt auf gute Qualität des Kamins, da preiswerte Modelle rostanfällig sein können: Gute Kaminanzünder gibt es bereits ab 20 Euro.

Eine weitere Komfort-Lösung sind elektrische Grillanzünder, allerdings ist der benötigte Stromanschluss nicht immer an Ort und Stelle. Prinzipiell funktioniert ein elektrischer Grillanzünder wie ein Tauchsieder. Kostenpunkt: ab 15 Euro aufwärts.

Briketts

Grillbriketts brennen länger als Holzkohle, sind aber auch schwerer zu befeuern. Tipp: Errichten Sie um die Grillanzünder eine Art "Indianerzelt" aus kleinen, trockenen Ästen, erst dann werden die Briketts aufgeschüttet. So verhindert man, dass die Briketts die Anzünder ersticken.


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