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Giftige Pilze Gaumenschmaus mit fatalen Folgen

Glück soll er bringen, obwohl er giftig ist. Im Pilzkorb hat der Fliegenpilz aber nichts zu suchen. Andere Giftpilze sind nicht so leicht zu erkennen. Im Zweifel also stehen lassen. Und wenn es trotzdem zu einer Pilzvergiftung kommt?

Stand: 21.08.2013

Giftpilze gelten als die ältesten Rauschmittel der Menschheit. Veilleicht ist dem Fliegenpilz deswegen aus früherer Zeit ein positives Image geblieben. Den Fliegen freilich brachte er weniger Glück, wenn er als Fliegenfalle verwendet wurde: In Milch oder Wasser eingelegt, führt er zum sicheren Tod all der kleinen Plagegeister, die von der Flüssigkeit trinken.

Im Zweifel gegen den Pilz

Der Grüne Knollenblätterpilz ist tödlich giftig und wird leicht verwechselt.

Doch einige Pilze sind auch für den Menschen tödlich giftig. Deswegen werden Pilzexperten nicht müde, vor Leichtsinn zu warnen: Wer sich nicht sicher ist, welchen Pilz er vor sich hat, sollte ihn nicht mitnehmen - oder zumindest mit dem Fundstück eine Pilzberatungsstelle aufsuchen. Anfängern empfehlen Fachleute, sich auf Röhrlinge zu beschränken. Zwar gibt es auch unter ihnen giftige wie den Satanspilz, doch Vergiftungen beschränken sich meist auf Magen- und Darmbeschwerden.

Die meisten und gefährlichsten Vergiftungen werden vom Grünen Knollenblätterpilz und seiner weißen Variante ausgelöst. Davor können auch Pilzbücher nicht schützen. Einige Merkmale lassen sich nur mit viel Erfahrung eindeutig erkennen, und die Farben sehen im Buch oft anders aus als in der Natur.

Was tun bei einer Pilzvergiftung?

Erste typische Anzeichen einer Pilzvergiftung sind unter anderem heftiges Erbrechen, krampfhafte Blähungen, Durchfall und Fieber. Nehmen Sie schnell ärztliche Hilfe in Anspruch. Je nach Schwere der Symptome sollte der Hausarzt kontaktiert werden, eine der Giftnotrufzentralen oder das Krankenhaus. Reste des Sammelguts oder der Mahlzeit, notfalls auch Erbrochenes sollte für eine Untersuchung aufbewahrt werden.

Hausmittel wie Milch oder Salzwasser sind tabu. Sinnvoll kann es sein, Erbrechen herbeizuführen, indem man den Finger in den Hals steckt. Allerdings nur, wenn die Vergiftung nicht mehr als sechs Stunden zurückliegt.

Giftnotrufzentrale München:
089 - 192 40

Giftnotrufzentrale Nürnberg:
0911 - 398 24 51

In vielen Städten gibt es Pilzberatungsstellen, bei denen man sich in Zweifelsfällen Rat holen kann. Infos dazu bitte bei der jeweiligen Stadtverwaltung erfragen.

Jeder Mensch reagiert anders

Von den 4.000 bis 5.000 Großpilzen unserer Breiten sind nur rund 500 bis 800 essbar. Etwa 100 sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung giftig oder giftverdächtig. Dabei wird heute vor so manchem Pilz gewarnt, der noch vor wenigen Jahren bedenkenlos gegessen wurde. Der Grünling zum Beispiel war bis zum Jahr 2001 in Deutschland als Marktpilz zugelassen. Heute zählt man ihn zu den Giftpilzen. In Frankreich hatten sich zwölf Menschen mit dem Grünling vergiftet, von denen drei gestorben sind.

Manches alte Wissen ist überholt

Der Kahle Krempling galt früher als ungiftig. Jetzt weiß man es besser.

Ein anderes Beispiel für neues Wissen in der Pilzforschung ist der Kahle Krempling, der früher als harmlos galt. "Man kann ihn 20 Mal oder auch 40 Mal essen - dann ist es aber vielleicht die letzte Mahlzeit", sagt Reinhard Agerer, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM). Der Pilz kann eine hyperallergische Reaktion auslösen, die im schlimmsten Fall tödlich endet. Die Zahl der Antikörper nimmt mit jeder Mahlzeit zu. Auch sind nicht mehr alle milden Täublinge unumstritten. Lange galt die Regel: "Alle mild schmeckenden Täublinge sind essbar." Doch beim Rotstieligen Ledertäubling traten in den letzten Jahren trotz korrekter Zubereitung Unverträglichkeitsreaktionen auf. Verlassen sollte man sich nur auf neue Pilzbücher. Was in dem von der Großmutter steht, kann schon überholt sein.

Vergiftungen sogar durch Speisepilze

Manchem mag die Regel altmodisch vorkommen, trotzdem ist sie berechtigt: Pilze transportiert man am besten in einem Korb. Denn Pilzfruchtkörper enthalten viel Wasser und Eiweiß, wodurch sie ein idealer Nährboden für Mikroorganismen sind. Schnell können sich auch in Speisepilzen Giftstoffe bilden, wenn das Eiweiß zersetzt wird. In Plastiktüten oder Rucksäcken werden die Pilze leicht gequetscht und verderben dadurch schneller. Vergiftungen können die Folge sein.


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