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Essen nach Maß Wie viel Fleisch brauchen wir?

Lust auf Fleisch hatten Menschen schon immer. Meistens ist der Fleischverzicht weniger eine Frage des Geschmacks, sondern eher eine ethische Entscheidung. Doch wie viel Fleisch braucht der Mensch eigentlich?

Stand: 09.01.2015

Wurstaufschnitt, verschiedene Sorten | Bild: colourbox.com

Laut dem Ernährungsexperten und Lebensmittelchemiker Udo Pollmer ist unsere Fleischlust evolutionsbiologisch bedingt: Wir haben Lust auf Fleisch, weil wir es besonders gut verwerten können. Unser Organismus findet im Fleisch vorbereitet, was er zu seiner Regeneration benötigt. Denn der Bauplan des tierischen Organismus ist dem menschlichen viel näher als der Bauplan von Pflanzen. In Fleisch und Wurst sind für den Menschen essentielle Aminosäuren, ungesättigte Fettsäuren, B-Vitamine und Mineralstoffe enthalten - in einer hohen Nährstoffdichte, die der Körper optimal verwerten kann.

Pflanzen wehren sich

Bei pflanzlicher Kost klappt die Verwertung der Nährstoffe nicht so gut. Um sich vor ihren natürlichen Feinden zu schützen, bilden Pflanzen bestimmte chemische Abwehrstoffe, die unserer Verdauung zu schaffen machen. Laut Pollmer werden die in den Pflanzen enthaltenen Vitamine, Mineralstoffen und Eiweiße durch die Abwehrstoffe blockiert. Anders als Pflanzen produzieren Tiere keine für Menschen unbekömmlichen Abwehrstoffe. Dadurch können wir mehr Nährstoffe verwerten: von 100 Gramm Rindfleisch etwa ein halbes Milligramm Eisen. Um die gleiche Menge Eisen aus Spinat zu erhalten, müssten wir die siebenfache Menge davon essen: 700 Gramm.

Zu viel des Guten

Zu viel Fleisch allerdings ist ungesund. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen, pro Woche höchstens 300 bis 600 Gramm Fleisch oder Wurst zu essen. Der durchschnittliche Deutsche verzehrt allerdings über 100 Gramm pro Tag und damit deutlich zu viel. Und ganz ohne? Laut Udo Pollmer könnte der Mensch sehr gut auch ohne Fleisch leben, weil tierische Fette auch durch Eiweiße in Milch und Eiern aufgenommen werden könnten. Wichtig sei nur, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und den Nährstoffhaushalt im Blick zu behalten.

Das Glück des Gemischtköstlers

Unsere Entwicklung vom Fruchtesser zum Jäger und Sammler hat Spuren in unserem Organismus hinterlassen: Wir Gemischtköstler vertragen tierische und pflanzliche Nahrung. Um zu überleben sind wir auf Fleisch nicht zwingend angewiesen - aber in einem gewissen Rahmen hat es durchaus auch seine Berechtigung.


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