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Multimedia-Tipps Far Cry 5, Kingdom Come: Deliverance und A Way Out

Wolfgang Zehentmeier hat drei Konsolenspiele getestet, von denen jedes auf seine Art mutig ist: "Far Cry 5" thematisiert - politisch nicht ganz unproblematisch - Action in einen Sektenstaat, "Kingdom Come Deliverance" holt die Spieler so intensiv ins Mittelalter, dass es manchmal schon Geschichtsstunde ist und "A Way Out" kann man nur zu zweit spielen.

Von: Wolfgang Zehentmeier

Stand: 31.03.2018

Screenshot "Far Cry 5" | Bild: Electronic Arts

Ein Tal irgendwo im US-Bundesstaat Montana: Wilde Natur, glasklare Flüsse, typische amerikanische Farmen. Doch der Schein trügt: Denn eine Sekte beherrscht das Tal, deren Mitglieder an den Weltuntergang glauben und jeden, der nicht für sie ist, brutal bekämpfen.

Befreie das Tal von der Sekte

Das ist die Welt von "Far Cry 5", erschienen für PC, Playstation 4 und Xbox One. Als Spieler schlüpfen wir in die Rolle eines namenlosen Deputys, der eigentlich helfen soll den Anführer der Sekte zu inhaftieren. Doch das geht gewaltig schief: Alle Mitglieder des Polizeitrupps werden gefangen genommen oder getötet, nur unserem Deputy gelingt die Flucht. Jetzt heißt es, die Kameraden aus ihrem Gefängnis und die Bewohner des Tals vom Joch der Sekte zu befreien.

Fans wissen, was sie bekommen

"Far Cry 5" bedient sich wieder der Versatzstücke, die die Serie bisher sehr  erfolgreich gemacht haben: bleihaltige Balleraction in malerischer Umgebung, dazu jagen und fischen und mit diversen Booten, Fahr- und Flugzeugen durch die Gegend heizen. Die ambitionierte Hintergrundstory mit den religiösen Fanatikern reduziert sich im Spiel schnell auf schwarz-weiß, Gut gegen Böse und macht die Sektenführer austauschbar mit den schlicht verrückten Verbrechern aus einem der Far-Cry-Vorgänger-Teile. Fazit: Wem die Vorgänger gefallen haben, der kommt auch im fünften Teil der Far Cry Serie voll auf seine Kosten und findet viel Altbekanntes wieder:

Kingdom Come: Deliverance

Wechsel ins Mittelalter: "Kingdom Come: Deliverance" für Playstation 4, und Xbox One versetzt uns nach Böhmen zurück ins Jahr 1404. Unser Held heißt Heinrich und ist der Sohn des Dorfschmieds. Doch dann verwüstet eine feindliche Ritter-Armee das Dorf und massakriert die Bewohner. Unser Held kann gerade so fliehen.

Großer Anspruch

"Kingdom Come: Deliverance" hat einen großen Anspruch. Das Spiel will Mittelalter erlebbar machen. Es zeigt, welche Bedeutung der Ruf und der Stand hatten, wie wichtig das Miteinander fürs blanke Überleben war oder wie hilflos die Menschen Gewalt und Übergriffen ausgeliefert waren.

Teils knackiger Schwierigkeitsgrad

Doch das Spiel überspannt den Bogen mit zu großem Realismus und der Schwierigkeitsgrad ist manchmal so, dass man froh sein kann, fünf Minuten zu spielen, ohne zu sterben. Daran ist übrigens auch die umständliche Steuerung von Faust- oder Schwertkämpfen schuld.

Der Ansatz von "Kingdom Come: Deliverance" ist mutig und außergewöhnlich. Doch manchmal ist es einfach zu viel Geschichtsunterricht - und darunter leidet das Spielvergnügen.

A Way Out

Genauso mutig, aber sehr viel unterhaltsamer ist der Ansatz von "A Way Out", für Xbox One, Playstation 4 und Windows PC: Man kann es nämlich nur zu zweit spielen - gemeinsam vor einem Fernseher oder mit einem Onlinepartner. Die Spieler haben die Wahl zwischen Leo und Vincent, zwei Verbrechern, die in den 70er-Jahren im Gefängnis sitzen. Doch beide haben ein gemeinsames Ziel: Rache an einem gewissen Harvey, der ihre Familien bedroht und deswegen müssen sie dringend raus aus dem Knast. Sie merken schnell: Das geht zu zweit einfacher.

Viele witzige Formen der Zusammenarbeit

Das Spiel teilt den Bildschirm in unterschiedlich große Fenster, mal hat Vincenc, mal hat Leao den größeren Anteil, ermöglicht meist den Blick aufs Geschehen durch die Augen beider Charaktere und nutzt dabei geschickt die unterschiedlichsten Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Das reicht von Schmierestehen, damit die Wärter nicht merken, wenn der Partner die Zellenwand bearbeitet, über die heimliche Übergabe von Ausbruchswerkzeug bis zur einer gemeinsamen Kletterpartie durch die Gefängnisschächte.

Film zum Mitspielen in XXXL

Die Geschichte ist sehr unterhaltsam erzählt, wenn auch linear, wie ein Film zum Mitspielen. Das senkt zwar den Wiederspielwert enorm. Aber beim ersten Mal - am besten vor einem Fernseher - macht "A Way Out" sehr viel Spaß und allein der gemeinsame Ausbruch dauert viel länger als ein guter Ausbrecherfilm. Der Clou: Online braucht immer nur einer der Spieler das Spiel.


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