Kultur


30

Kommentar "Zentrum für politische Torheit" statt Zentrum für politische Schönheit!

Mit dem Nachbau der Holocaust-Stelen vor Höckes Haus hat sich das Zentrum für Politische Schönheit als "Zentrum für politische Torheit" geoutet - hat es doch Höcke dazu verholfen, sich einmal mehr als Opfer zu inszenieren. Ein Kommentar.

Von: Knut Cordsen

Stand: 28.11.2017

Endlich haben sie es geschafft, die Aktivisten des Zentrums für politische Schönheit (ZPS). Björn Höcke hat sie als "terroristische Vereinigung" gebrandmarkt – ein Ritterschlag. Besser hätte es für das mediengeile Kasperl-Kollektiv nicht laufen können. Stolz wie Bolle gibt Philipp Ruch, der Leiter des ZPS, zu Protokoll: "Wir werden damit werben."

Womit klar ist: Es ging bei dem ganzen Mahnmal-Nachbau-Kappes nie darum, den Rechtsextremen Höcke als solchen zu entlarven. Das wäre wahrlich auch keine Kunst. Nein, es ging nur darum, die seit langem bekannten Gesetzmäßigkeiten der Ökonomie der Aufmerksamkeit einmal mehr für sich zu nutzen. Mit erbärmlich billiger Provokation, darin durchaus wesensverwandt dem Geschichtsrevisionisten mit seiner Dresdner Rede über das "Denkmal der Schande". Motto: Komm, spring doch übers Stöckchen, das ich dir hinhalte. Kurzzeitig aufwallende Erregung – Erkenntnis: keine.

Oder doch, diese: Selten ist eine große politische Geste wie der Kniefall Willy Brandts in Warschau 1970 so verlacht worden wie in der sogenannten "Kunstaktion" von Bornhagen. Einen Kniefall vor einer Mahnmal-Attrappe nachzuspielen, das klingt nach einem Neonazi-Abend. Damit bewegt man sich auf eben jenem degoutanten dunkeldeutschen Niveau, das man zu kritisieren vorgibt. Und was soll die angebliche quasi-Stasi-Ausspitzelung Höckes für den ab Sonntag herunter zu ladenden Audio-Walk "Das Höcke-Refugium"? Es ist zu vernehmen, dass man darin Björn Höcke an Adolf Hitlers Geburtstag Holz schlagen hören soll. Ich glaube, es hackt.  

Besser, das Zentrum für politische Schönheit benennte sich um in "Zentrum für politische Torheit", nun, da es Björn Höcke dazu verholfen hat, sich als Opfer unrechtmäßiger Überwachung stilisieren zu können. Beim Zentrum für politische Schönheit ist man geneigt, an einen berühmten Satz von Fjodor Michailowitsch Dostojewski zu denken: "Die Schönheit wird die Welt erretten", sagt die Titel gebende Figur in einem seiner Romane. Der Roman, in dem der Satz fällt, heißt "Der Idiot".


30