Kultur

Kommentar BDS-Kampagne Wie Deutschland zum Nebenschauplatz des Nahost-Konflikts wird

Wegen ihres Engagements für die anti-israelische BDS-Kampagne hat die Ruhrtriennale die HipHop-Band Young Fathers ausgeladen – auf Druck des BDS dann aber wieder eingeladen. Ein Kommentar zu dem Hin und Her – und zu Israelkritik im Pop.

Von: Lili Ruge

Stand: 25.06.2018

Die internationale, propalästinensische, von der Hamas unterstützte Bewegung BDS (Boykott, Desinvestition und Sanktionen) ruft zum wirtschaftlichen und kulturellen Boykott Israels auf. Neuerdings kämpft sie zum Beispiel dafür, den Eurovison Song Contest 2019 in Israel zu verhindern und erklärt: "Dieser Contest muss boykottiert werden, um Komplizenschaft und business as usual mit diesem Regime zu vermeiden, und um zu verhindern, dass die Marke Eurovision von Israels ungeheuerlicher Menschenrechtsbilanz befleckt wird". Im Augenblick macht der BDS auch die Ruhrtriennale zu einem Nebenschauplatz des Nahost-Konflikts.

Eigentlich will die Ruhrtriennale ein Ort der interkulturellen Begegnung und des Dialogs sein. Doch im Moment erinnert die Diskussion um das Festival eher an eine Art popkulturellen Nebenschauplatz des Nahost-Konflikts. Die Haupt-Akteure: Die schottische HipHop-Band Young Fathers, die als Unterstützer der israelkritischen BDS-Kampagne bekannt ist, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die Intendantin der Ruhrtriennale Stefanie Carp. Die hatte die umstrittene Band ursprünglich zu ihrem Festival eingeladen, doch nachdem die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und verschiedene Medien die Entscheidung massiv infrage gestellt hatten, lud Carp die Young Fathers wieder aus. Daraufhin schaltete sich der BDS ein und ließ verlauten, die Ruhrtriennale zensiere jegliche Kritik an Israel und sei damit rassistisch. Es gab offene Briefe, Stellungnahmen und Aufrufe, die Ruhrtriennale zu boykottieren.

Young Fathers verweigern Dialog

Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp lädt Young Fathers aus und wieder ein

Stefanie Carp, die sich von beiden Seiten der mittlerweile heißgelaufenen Debatte um ihr Festival unter Druck gesetzt sah, versuchte, das Ruder noch einmal herum zu reißen. Sie entschied sich für einen Mittelweg: Die Young Fathers wurden wieder eingeladen und zwar zu einem Konzert und zusätzlich zu einer Diskussionsrunde über Boykott und Kunstfreiheit. Sicherlich keine Entscheidung, die ein klares Bekenntnis gegen israelfeindliche Tendenzen ist. Carp erntete entsprechend auch Kritik. Zum Beispiel von der nordrhein-westfälischen Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer Poensgen. Die stellt sogar eine Verbindung her zwischen dem Einladen der Band und der Zunahme antisemitischer Straftaten in Deutschland.

Und die Young Fathers? Die entziehen sich dem Dialog. Die neuerliche Einladung haben sie abgesagt. Dabei hatten sie an anderer Stelle noch für eine Debatte geworben: "We are very aware that our actions cause a dialogue. And we are not sitting here as experts on the situation:" Sie seien sich darüber im Klaren, dass ihre Aktionen einen Dialog hervorrufen würden, begriffen sich aber nicht als Experten des Nahost-Konflikts.

Unzureichend: Das Gut-Böse-Schema des BDS

Aber man muss auch gar kein Nahost-Experte sein, um an einem Dialog über den verfahrenen Israel-Palästina-Konflikt teilzunehmen. Denn auch ohne Experte zu sein, weiß man: Es gibt keine einfachen Antworten auf der Suche nach Frieden in Nahost. Genau solche einfachen Rezepte aber will der BDS anbieten. Das Schema lautet: Israel ist böse, Palästina ist gut. Ihre Forderung: Israel solle die Besetzung und Besiedlung allen arabischen Landes stoppen. Im Klartext bedeutet das: Der BDS negiert des Existenzrechts Israels in seiner aktuellen Form.

Die Kampagne BDS ist damit nicht automatisch antisemitisch, aber die Argumentation ist gefährlich verkürzt und extrem einseitig. Das kritisieren auch Musiker wie Nick Cave oder Bands wie Radiohead. Beide sind massiv im Visier von BDS-Kampagnen, seit sie in Israel aufgetreten sind, wollen sich aber weder ihre politische Meinung, noch ihre Auftrittsorte von der Organisation vorschreiben lassen. Zu Recht. Denn es ist nicht die Aufgabe von Musikern, den Nahost-Konflikt zu lösen. Wie auch? Mit einer Reihe abgesagter Konzerte jedenfalls ist weder Palästinensern noch Israelis geholfen, die sich nach Frieden sehnen.