Kultur

Wortspiele 18 Warum sich ein Besuch des Münchner Literaturfestivals lohnt

Sie könnten die Bestseller-Autorinnen und -Autoren von morgen sein: Lilian Loke, Matthias Senkel und 15 weitere Literaten stellen ihre Texte beim Wortspiele-Festival vor. Was wurde aus den Gewinnern der vergangenen Jahre?

Von: Daniela Weiland

Stand: 06.03.2018

Logo von "WORTSPIELE 18- Internationales Festival Junger Literatur" | Bild: Johan de Blank

Nichts wie hin zu den Wortspielen im Muffatwerk in München. Denn glücklich ist, wer in den vergangen 17 Jahren im Frühjahr das München Literaturfestival "Wortspiele" besucht hat: Der konnte die gegenwärtigen Bestsellerautoren wie Clemens J. Setz, Navid Kermani, Abbas Khider , Saša Stanišić  live hören und erleben.  Anlass genug, pünktlich zu den Wortspielen 18 zurück zu blicken auf das Festival und die Wortspiele-Gewinner der Vergangenheit.

Die Entdeckung von Kathrin Röggla

Kathrin Röggler

Seit 2004 vergibt Bayern 2 den Wortspiele-Preis. Im Rückblick wird klar, wie viel literarischen Spürsinn die Jury hatte. Die damals 33-jährige aus Salzburg stammende Kathrin Röggla, die 2004 den ersten  Bayern 2-Wortspiele-Preis entgegennahm, ist heute eine der bedeutenden deutschsprachigen Schriftstellerinnen und vor allem der Theater- und Hörspielautorinnen. Bedeutend deshalb, weil sie sich konsequent wie keine andere mit den neuesten Entwicklungen vor allem unserer Arbeitswelt auseinandersetzt. Sei es, dass sie uns die schönfärberischen Sprachhülsen vorführt, die darüber hinweg lügen, welche enorme Anpassungsbereitschaft Konzerne heute von ihren Mitarbeitern verlangen, sei es, dass Röggla ideologiekritisch auf die New Economy mit dem rücksichtslosen Optimierungswahn der für sie tätigen Unternehmensberatungen blickt. Heute ist Kathrin Röggla Vizepräsidentin der Berliner Akademie der Künste in Berlin.

Preisträger - Gewinner und Verlierer

Clemens Meyer - nicht nur 2008 bie dem Festival dabei

Zu den Gewinnern des Bayern 2 Wortspiele-Preises, die heute erfolgreich und prominent sind, gehören auch Christoph Peters und María Cecilia Barbetta. Beide legten Romane vor, die von der Kritik begeistert aufgenommen wurden. Christoph Peters war mit seinen 39 Jahren zu den Wortspielen gerade noch zugelassen, als er 2005 den Preis bekam. Neben Essays und Kurzgeschichten hat er bisher sieben Romane veröffentlicht. „Mitsukos Restaurant“, der Roman über eine geheimnisvolle und schöne japanische Köchin in einem urdeutschen Restaurant für Wanderfreunde, ist sein bekanntester. 2008 setzte sich Fridolin Schley mit dem Erzählband „Wildes schönes Tier“ gegen den Erzählband „Die Nacht, die Lichter“ von Clemens Meyer durch, der in der Woche darauf mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Der Münchner Autor Fridolin Schley engagiert sich stark bei „Wir machen das“, einer Autoren-Initiative, die Flüchtlinge unterstützt. Er hat vor zwei Jahren mit seiner Novelle „Die Ungesichter“ über die Flucht eines jungen muslimischen Mädchens aus Somalia nach Europa eines der besten Bücher geschrieben, die sich mit der aktuellen Flüchtlingsthematik beschäftigen.

Aufenthalt in der Villa Aurora

María Cecilia Barbetta: erhielt 2009 den Wortspiele-Preis und durfte als erste auch nach LA

María Cecilia Barbetta , geboren 1972 in Buenos Aires, gewann mit „Änderungsschneiderei Los Milagros“ viel Aufmerksamkeit. Der Roman spielt in ihrer Geburtsstadt und handelt von einer jungen Schneiderin, die von ihrem Liebhaber verlassen wird und jetzt für eine andere ein Hochzeitskleid schneidern muss. Während frühere Preisträger nur einen Geldpreis erhielten und zusätzlich in der Sendung „radioTexte - Das offene Buch“ aus ihrem Werk lesen durften, erhielten sie ab 2009 eine äußerst begehrte Auszeichnung: Sie durften einen Monat in der Villa Aurora, dem ehemaligen Wohnsitz von Lion Feuchtwanger in Kalifornien, verbringen. Barbetta war die Erste, die nach Los Angeles reisen durfte. Sie schrieb dort ihre Kurzgeschichte „Gartenchroniken aus der Neuen Welt“.

Die nächste, die diese Reise antreten konnte, war die in Erlangen geborene Christine Neudecker, die ihre Romane in der ganzen Welt ansiedelt, von Burma bis Portugal oder auch einmal an einer Formel 1-Rennstrecke. Den  Bayern 2-Wortspiele-Preis erhielt sie für die Lesung aus ihrem Buch mit unheimlichen Erzählungen, Titel „Das siamesische Klavier“. 2014 erhielt der als Kind mit seiner Familie aus Polen ausgewanderte, in Bamberg aufgewachsene Matthias Nawrat den Preis und das Aufenthaltsstipendium für seinen Roman „Unternehmer“, mit dem er danach sogar auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis landete. In diesem Jahr gibt es eine Neuerung: Die Gewinner reisen von jetzt an auf Einladung des Goethe-Instituts für einen Monat nach Peking. Das ist vielleicht noch spannender und die dort gemachten Erfahrungen gehen vielleicht sogar in die Literatur ein.

WORTSPIELE 18: Festival-Informationen und Tickets

  • Ort: Club Ampere des Muffatwerks in der Zellstraße 4 in München
  • Beginn ist am 7., 8. und 9. März 2018 jeweils um 20 Uhr
  • Ein Tagesticket kostet 12 Euro im Vorverkauf und 15 Euro an der Tageskasse
  • Ein Festivalticket für drei Abende kostet im Vorverkauf 24 Euro, an der Abendkasse 29 Euro
  • Karten gibt es an allen Vorverkaufstellen, bei BRticket unter 0800 - 59 00 594 oder bei München-Ticket unter 0180 - 54 81 81 81