Kultur


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"Wir sind dran. Der große Bericht zu 50 Jahre Club of Rome" Ernst Ulrich von Weizsäcker und die Lage unserer Welt

Der neue Bericht des Club of Rome, der seit fast 50 Jahren die Grenzen des Wachstums anmahnt, ist optimistischer als der erste. Ein Beispiel das Mut macht: die deutsche Energiewende.

Von: Judith Heitkamp und Iris Buchheim

Stand: 16.10.2017

Der Kollaps, den die Forscher vom Club of Rome mit seinen "Grenzen des Wachstums" 1972 prophezeit hatte, ist nicht eingetreten. Ernst Ulrich von Weizsäcker, seit 2012 der Vorsitzende des 1968 gegründeten Zusammenschlusses von Nachhaltigkeitsforschern, räumt ein, dass damals falsche Annahmen im Spiel waren. Damals hätten die Mitglieder des Club of  Rome nicht damit gerechnet, dass Menschen, ja, ganze Gesellschaften so viel lernen, sagt Ernst Ulrich von Weizsäcker.  Daher lautet der Titel des neuen Lageberichts des Club of Rome jetzt optimistischer „Wir sind dran“, erläutert der renommierte Naturwissenschaftler und Vorsitzende des Club or Rome. Das heiße „erstens, wir sind jetzt an der Reihe und zweitens, wenn wir nicht das Richtige tun, dann sind wir dran.“

Die Arroganz des Kapitals in Schranken weisen!

Ozeane werden leer gefischt, immer mehr Plastik schwimmt in den Weltmeeren - so gehts nicht weiter! Der Club of Rome drängt die internationale Staatengemeinschaft dazu, mehr zu regulieren.

"Bis 1990 gab es den Kalten Krieg. Aber als der Kommunismus weg war, ist das Kapital arrogant geworden und hat in allen Ländern der Welt die Deregulierung durchgekämpft. Und eine Zeit lang hat man auch geglaubt, das ist gut für alle. Aber das stimmt überhaupt nicht. Es ist erstens schlecht für die Natur, zweitens sehr schlecht für die künftigen Generationen und drittens ist es auch für den normalen Alltag schlecht, zum Beispiel Finanzkrisen, die auch durch Deregulierung ausgelöst worden sind. Wir müssen also die Arroganz des Kapitals wieder in die Schranken weisen und das heißt Regulierung auf internationaler und nationaler Ebene."

Ernst Ulrich von Weizsäcker

Umdenken angesagt – in diesem Prozess  ist auch die Kultur gefragt

In ihren Anfängen entwickelte unsere Zivilisation Grundsätze und Prinzipien, die einer verhältnismäßig dünn bevölkerten, einer "leeren Welt" angemessen waren. Um den allgemeinen Wohlstand zu optimieren, mussten früher etwa in den Fischerdörfern die Zahl der Angeln erhöht werden. Heute leben wir mit etwa 7,6 Milliarden Erdbewohnern unter den ganz anderen Bedingungen einer "vollen Welt", so der Club of Rome, und müssen - um im Beispiel zu bleiben - die Zahl der Angeln sinnvoll reduzieren und regulieren, wer sie wo hat.
Eine andere, nicht dem abgewirtschafteten Utilitarismus verhaftete Aufklärung tut Not, betont Ernst Ulrich von Weizsäcker, eine Aufklärung, die einen Humanismus vertritt, aber dabei die natürliche Mitwelt einschließt.


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