Kultur


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Nachruf Achim Bergmann, der Leiter des legendären Trikont-Labels, ist tot

Das wahrscheinlich älteste Indielabel der Welt – das ist die Unterzeile des Münchner Trikont-Labels. Geleitet hat diese linksalternative Firma mit Hirn, Herz und Verstand der engagierte Verleger Achim Bergmann. Wie jetzt bekannt wurde ist er gestern gestorben.

Von: Markus Mayer

Stand: 02.03.2018

Achim Bergmann | Bild: Sebastian Weidenbach

Er war ein geradezu klassischer Alt-68-er. Achim Bergmann hat sich früh für die Emanzipation eingesetzt, für die Befreiung, die Loslösung von eingrenzenden Normen, für  Alternativen also. Die Losung , etwas sei alternativlos, hat der gebürtige Sauerländer immer nur belächelt. Trikont, die Firma, die Bergmann mitgegründet hatte, war seit Ende der 60-er Jahre in München zunächst ein idealistischer Buch-Verlag im Umfeld des SDS, des sozialistischen Studentenbundes.

Mit Che Guevara fing's so richtig an

"Die erste große Geschichte war halt das Tagebuch von Che Guevara, das Ende der Sechziger Jahre in Deutsch bei Trikont rauskam", sagte Bergmann. Trikont – das war ein Sammelbegriff für drei Kontinente, Asien, Afrika und Lateinamerika, die gegen die Ausbeutung durch den Westen kämpften. Der Trikont-Verlag verstand sich damals als Veröffentlichungsplattform für rebellische Stimmen. Dabei ist es im Großen und Ganzen bis heute geblieben.

"Die Wut gegen das, was in der Dritten Welt passierte, auch mit unserer Hilfe, mit der Hilfe der westlichen Welt, der Amerikaner und so weiter, darum gruppierten sich all diese Themen, die jemanden, der 20, 25 war, auffielen. In seinem eigenen Leben wie in der Welt, die ihn umgab.“ erinnert Achim Bergmann. Er verlegte die Auto-Biografie des Links-Terroristen Bommi Baumann genauso wie "südwind", das erste Schwulen-Album der BRD. Allerdings verlegte man sich im Lauf der Zeit zunehmend auf die Musik. Die Künstlerliste des Labels liest wie ein Who’s Who der schrägen, kreativen Musiker- und Alternativ-Szene. Von Attwenger, dem schrägen Duo aus Österreich über Kofelgschroa, widerspenstige Volxmusik aus Oberammergau und Sampler mit finnischem Tango bis hin zu Protest-Liedern eines Hans Söllner.

Gewalt gegen Andersdenkende

Bei der Frankfurter Buchmesse im Herbst hatte sich Bergmann in eine Diskussion über die '68er eingeschaltet. Am Stand eines rechtskonservativen Verlages schlug ihn daraufhin ein Mann mit der Faust ins Gesicht. Dass derartige Gewalt gegen Andersdenkende wieder möglich ist, entsetzte den Trikont-Chef. Und nicht nur ihn. Gestern ist Achim Bergmann im Alter von 74 Jahren gestorben.


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