Kultur

Spionagethriller "Red Sparrow" Als wäre immer noch Kalter Krieg

Sex als Taktik der Geheimdienstarbeit: Jennifer Lawrence spielt eine Agentin im heutigen Russland, die dem Feind durch Körpereinsatz Geheimnisse entlocken soll. Lawrence in diesem Film zu sehen, tut weh, weil man weiß, wie gut sie sein kann.

Von: Moritz Holfelder

Stand: 27.02.2018

Red Sparrow - Filmszene | Bild: 2017 Twentieth Century Fox

Sex als Mittel der Manipulation und der Macht – als hätten der Weinstein-Skandal und die MeToo-Debatte einen smarten Drehbuchautoren inspiriert, das Thema Missbrauch auf die Tätigkeit von Geheimdiensten auszuweiten. Einfach mal mehr wagen als bei James Bond, der zuletzt ziemlich prüde geworden ist und die Intimität zwischen Agentinnen und Agenten arg vernachlässigt hat.

Körper im Dienst des Staates

"Du musst lernen, Opfer für ein höheres Ziel zu bringen. An deine Grenzen zu gehen – und darüber hinaus. Und vergiss die sentimentale Moral, mit der du erzogen wurdest!"

Die Einheit der "Red Sparrows"

So spricht die gnadenlose Ausbilderin der Red Sparrows, jener russischen Agentinnen und Agenten, die dem Feind vor allem durch Sex Geheimnisse entlocken sollen. Der Körper im Dienst des Staates. Eine für amerikanische Verhältnisse ungewöhnliche Freizügigkeit durchzieht den Film. Dazu gibt es brutale Folterszenen, was in den USA zu einem R-Rating führte, also einer Alters-Freigabe erst ab 17 Jahren. Jennifer Lawrence spielt eine am Bolschoi in Moskau gefeierte Ballerina. Sie verletzt sich, muss ihre Karriere beenden – und wird nun für ganz andere Auftritte geschult: Ihr fieser Onkel, der Wladimir Putin verdammt ähnlich sieht, bringt sie bei den Red Sparrows unter und setzt sie dann auf einen CIA-Agenten an. Der soll ihr den Namen eines russischen Maulwurfs verraten.

Schablonenhafte Handlung, unsympathische Russen

"Red Sparrow" tut so, als habe es das Ende des Kalten Krieges nie gegeben. Auf der Leinwand entwickelt sich ein wildes Katz-und-Maus-Spiel, an dem man bald das Interesse verliert. Der Film besitzt weder die Intelligenz einer Spionagegeschichte à la John le Carré, noch will sich die schablonenhafte Handlung in schwarzhumorigen Trash verwandeln. Alle lügen und tricksen, über diese Verhaltensmuster hinaus gibt es keine große Erkenntnis. Auch nicht neu ist für einen Hollywood-Film die Tatsache, dass die Russen noch unsympathischer erscheinen als die Amerikaner.

Jennifer Lawrence in einer undankbaren Rolle

Aufmerksamkeit erregt "Red Sparrow" nur wegen seiner guten Besetzung. Allerdings spielen Charlotte Rampling als Ausbilderin und Jeremy Irons als russischer Geheimdienstler den eigentlichen Star des Films ziemlich an die Wand. Als Jennifer Lawrence vor sieben Jahren mit dem Sozialdrama "Winter’s Bone" die Weltbühne des Autorenfilms betrat, war sie gerade 20 Jahre alt. Sofort galt sie als eines der ganz großen Talente, als ein kommender Star.

Jennifer Lawrence als Agentin

Man war gespannt auf den nächsten Film – und etwas überrascht, dass Lawrence dann im Jahr von "Winter’s Bone" schon in dem Comic-Franchise "X-Men. Erste Entscheidung" zu sehen war. Wirklich gute Schauspieler lassen sich meist erst im zweiten Teil ihrer Karriere auf das Blockbusterkino ein. Bei Lawrence fand von Anfang an beides statt, und irgendwie gelang ihr der Spagat lange Zeit ganz gut – samt dem Oscar für das Liebesdrama "Silver Linings". Dann folgten die "Tribute von Panem", okay, aber der letzte wirklich gute Film von Lawrence kam 2015 in die Kinos. Vor einem Monat wurde sie für die Goldene Himbeere als schlechteste Schauspielerin nominiert, für den Beziehungsthriller "mother!", vergeben wird der Preis in ein paar Tagen am Vorabend der Oscar-Verleihung. Dort war Jennifer Lawrence das letzte Mal vor zwei Jahren nominiert. Sie jetzt in "Red Sparrow" zu sehen tut weh, weil man weiß, wie großartig sie eigentlich spielen kann.