Kultur

Pritzker-Preis 2018 Auszeichnung für indischen Architekten Balkrishna Doshi

Er gilt als der Nobelpreis für Architekten: 2018 geht der Pritzker-Preis an den Inder Balkrishna Doshi. Die Arbeit des 1927 geborenen Architekten und Stadtplaners orientiert sich eng an sozialen und kulturellen Bedürfnissen.

Stand: 07.03.2018

Balkrishna  Doshi, Pritzker-Preisträger 2018 | Bild: Courtesy of VSF

Balkrishna Doshi ist einer der führenden Köpfe der indischen Architektur. Seine Arbeit ist beeinflusst von der klassischen Moderne des Westens, etwa von Le Corbusier, mit dem er zusammengearbeitet hat und dem er als seinem Lehrmeister nun den Pritzker-Preis gewidmet hat. Zugleich nimmt Doshis Werk die Kultur des Ostens auf – und er hat sich zum Ziel gesetzt, Behausungen zu wirklichen Wohnungen zu machen.

Bauen für die Menschen

Balkrishna Doshi, Aranya Low Cost Housing im zentralinidischen Indore

Der 90-Jährige habe bewiesen, dass Kunst und Architektur der Menschheit dienen, hieß es in der Mitteilung der Hyatt Foundation. Die Stiftung vergibt den mit 100.000 Dollar dotierten Preis jährlich. Balkrishna Doshi ist der 45. Pritzker-Preisträger und der erste, der aus Indien kommt. Bereits 1989 hat Doshi im zentralindischen Indore "Low Cost"-Häuser gebaut, die gegenwärtig mehr als 80.000 Personen beherbergen – ein System von Häusern und Höfen und ein Labyrinth von internen Wegen. Über 6.500 Wohneinheiten reichen vom bescheidenen Ein-Zimmer-Appartment bis hin zu geräumigen Häusern, in denen Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen untergebracht werden können.

"Im Laufe der Jahre hat Balkrishna Doshi eine Architektur geschaffen, die ernst, die nie auffällig ist oder Trends folgt. Mit einem tiefen Verantwortungsbewusstsein und dem Wunsch, durch qualitativ hochwertige, authentische Architektur sein Land und dessen Menschen zu unterstützen, hat er unter anderem Projekte für öffentliche Verwaltungen und Versorgungsbetriebe, Bildungs- und Kulturinstitutionen und Residenzen für Privatkunden geschaffen. Doshi ist sich des Kontexts, in dem sich seine Gebäude befinden, sehr bewusst. Seine Lösungen berücksichtigen die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Dimensionen und daher ist seine Architektur voll und ganz auf Nachhaltigkeit ausgerichtet."

Begründung der Pritzker-Jury

Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung

Der Pritzker-Preis gilt als weltweit bedeutendste Auszeichnung für Architekten und wird nicht selten als "Nobelpreis für Architektur" bezeichnet. Verliehen wird er seit 1979, unter den Preisträgern sind große Stars wie Norman Foster, Rem Koolhaas, Zaha Hadid und Renzo Piano und Klassiker wie Frei Otto, der Baumeister der luftigen Bedachungen des Olympiageländes in München.

In der jüngeren Zeit rückten Themen wie Nachhaltigkeit oder soziales Bauen in den Fokus: 2014 ging der Pritzker-Preis an den Japaner Shigeru Ban, der mit innovativen Konstruktionen aus Kartonröhren experimentiert, 2016 wurde der Chilene Alejandro Aravena ausgezeichnet. Sein Schwerpunkt ist eine Alltagsarchitektur, die ökonomische und soziale Fragen in ihre Gestaltungsprinzipien einbezieht. Sein bekanntestes Projekt sind die sogenannten "halben Häuser", die er in der chilenischen Hafenstadt Iquique umsetzte: Bauten, die in einem Rohzustand günstig verkauft und dann von ihren Benutzern nach den eigenen Möglichkeiten und Vorlieben fertiggestellt werden. Daran schließt sich die Auszeichnung für Balkrishna Doshi an, für dessen Arbeit ebenfalls die soziale Dimension des Bauens so bedeutsam ist.

"Jedes Objekt um uns herum und die Natur selbst - Licht, Himmel, Wasser und Sturm - alles ist in einem Zusammenklang. Und um diese Symphonie geht es der Architektur. Meine Arbeit ist die Geschichte meines Lebens, die sich ständig weiterentwickelt und verändert."

Balkrishna Doshi