Kultur

Landschaften und Geheimnisse Paul Klee: Eine kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis

Wo ist das, und was ist das? Diese Frage macht bei vielen Landschaften, die zu Paul Klees großem OEuvre gehören, wenig Sinn. Klees Landschaften eröffnen vielmehr imaginäre Orte - und ein anderes Sehen. Ab 24.2. im Franz Marc Museum, Kochel.

Von: Iris Buchheim

Stand: 22.02.2018

Paul Klee, Gedanken an die Schlacht, 1914 | Bild: Fondazione Gabriele e Anna Braglia, Lugano

Paul Klee, dieser große Maler der kleinen Formate, zählt zwar nicht zu den lauten Avantgardisten des 20. Jahrhunderts, aber zweifellos zu den innovativsten Künstler seiner Zeit. Er zeigt uns nicht nur Neues, sondern strukturiert und organisiert unser Sehen - oft auch mithilfe seiner Bildtitel - neu: als Bewegung, ja, als Handlung. Davon kann man sich in den kommenden Monaten an gleich an drei oberbayerischen Kunstinstitutionen selbst überzeugen: im Franz Marc Museum Kochel am See, in der Pinakothek der Moderne und in der Galerie Thomas. Mit der kleinen "Reise ins Land der besseren Erkenntnis" beginnt der oberbayerische Klee-Reigen in Kochel.

Klees "Landschaften"

"Landschaften" - der Titel der Ausstellung in Kochel ist etwas irreführend, wenn man darunter die traditionelle Darstellung wiedererkennbarer Naturdinge und Gegenden meint. Nur in seinen frühen Landschaftstudien lassen sich Motive erkennen. Spätestens seit der Tunis-Reise geht es Klee in seinen Landschaften eher darum, mit seinem Bild eine Reise zu unternehmen, einen Prozess der (Selbst-)Erkenntnis in Gang zu bringen. Mit Pfeilen und grafischen Zeichen legt Klee die Pfade für den wandernden Blick der Betrachter seiner Bildwelten.

Die große Entdeckung Paul Klees, der anders als sein Freund Kandinsky von der Zeichnung, von Punkt, Linie und Strich und nicht von der Farbe her kommt und denkt, ist: Auch Malerei und Grafik sind - wie Musik und Literatur - zeitliche Künste, nämlich Bewegung im Raum. Und das gilt nach Klee für beides zugleich: für die Erschaffung des Kunstwerks, den Zeichen- oder Malvorgang ebenso wie für das Betrachten des Bildes, den Sehprozess. Beides beschreibt Paul Klee 1920 in seiner "Schöpferischen Konfession" als eine Art Wanderbewegung, oder poetischer: als eine "kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis".

Schritt für Schritt erwandert

"Entwickeln wir, machen wir unter Anlegung eines topographischen Planes eine kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis. Über den toten Punkt hinweggesetzt sei die erste bewegliche Tat (Linie). Nach kurzer Zeit Halt, Atem zu holen. (Unterbrochene oder bei mehrmaligem Halt gegliederte Linie.) Rückblick, wie weit wir schon sind. (Gegenbewegung). Im Geiste den Weg dahin und dorthin erwägen (Linienbündel). Ein Fluß will hindern, wir bedienen uns eines Bootes (Wellenbewegung). Weiter oben wäre eine Brücke gewesen (Bogenreihe)."

Paul Klee, Schöpferische Konfession

Die "bessere Erkenntnis" gewinnt nur, wer seinen "toten Punkt" hinter sich lässt, wer aufbricht, sich orientiert, sich umguckt, nach Wegen, Umwegen und Auswegen sucht, andere(s) trifft. In diesen Bewegungen macht der Maler und wird für den Betrachter Landschaft sichtbar. Jenseits dieser Dynamik ist keine Landschaft, ja bei Klee gar kein Ding zu finden. Oder wie Klee auch in den Schöpferischen Konfession sagt "Bewegung liegt allem Werden zugrunde".

Paul Klee dreifach und mit viel Begleitprogramm

Die Ausstellung in Kochel findet in Kooperation mit der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne statt, beide Projekte verbindet ein gemeinsames Begleitprogramm - unter anderem am 19. und 20. April 2018 das Symposium "Eine kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis".

Paul Klee. Landschaften
Eine kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis
25. Februar bis 10. Juni 2018
Franz Marc Museum, Kochel

Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses
1. März 2018 bis 10. Juni 2018
Pinakothek der Moderne, München

Paul Klee
Musik und Theater in Leben und Werk
23. Februar bis 12. Mai 2018
Galerie Thomas, München

Paul Klee 1879-1940

Geboren am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee bei Bern, ist Klee schon als Kind und Jugendlicher musikbegeistert. 1898 entschließt er sich Maler zu werden, besucht ab Dezember 1900 vier Monate Stucks Malklasse an der Akademie und kehrt nach Bern und eigenen Studien zurück. 1906 stellt er bei der Münchner Sezession aus und heiratet Lily Stumpf, die lange für den Lebensunterhalt sorgt, 1911 lernt er Kandinsky und die Künstlergruppe des "Blauen Reiter" kennen, 1914 reist er mit August Macke nach Tunesien, aber wird danach noch eingezogen. 1920 feiert Klee den großen künstlerischen Durchbruch, 1921 wird er ans Bauhaus berufen, 1931 folgt er dem Ruf an die Düsseldorfer Kunstakademie, wo er 1933 gekündigt wird. Klee zieht zurück nach Bern, wo er - nach einer unglaublich produktiven Phase im Jahr 1939 - am 29. Juni 1940 mit 60 Jahren stirbt.