Kultur - Kunst und Design


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Franz Marc Museum Der Turm der Blauen Pferde in Kochel

Franz Marc ist heute so beliebt, dass man sich kaum vorstellen kann, wie verständnislos die Betrachter damals vor dem "Turm der Blauen Pferde" standen. Im Juni 2008 hat das Franz Marc Museum in Kochel den Erweiterungsbau eröffnet. Das neue Museum bietet überraschende Einblicke in den Blauen Reiter und wunderbare Ausblicke in die Landschaft.

Stand: 17.02.2011 | Archiv

Franz Marc Museum | Bild: Franz Marc Museum Kochel

Kunst, die man nicht versteht, kann wütend machen. Die Menschen standen Anfang des 20. Jahrhunderts ratlos vor Franz Marcs Bildern, die mit jeder Tradition brachen. 1911 hatte Marc zusammen mit Wassily Kandinsky die Gruppe "Der Blaue Reiter" gegründet. Sie wollten eine Bildsprache des "großen Geistigen" finden, in der sich Bildende Kunst, Literatur und Musik vereinen könnten. Die erste Ausstellung im Dezember 1911 in der Galerie Thannhauser in München verärgerte viele Besucher, die nicht begriffen, was sie da sahen.

"Traditionen schaffen, nicht von ihnen leben"

Springendes Pferd

In seinem Werk "Springendes Pferd" von 1912 gibt Marc sehr deutlich den perspektivischen Bildraum auf und verbindet Pferd und Landschaft in farbigen Flächen. Der Sammler Rudolf Ibach kaufte das Werk 1912. Das Bild ging über in den Besitz der Tochter Etta, die mit ihrem Mann Otto Stangl im München der Nachkriegszeit eine Galerie gegründet hatte. Das "Springende Pferd" sowie die komplette restliche Sammlung der Stiftung Etta und Otto Stangl mit Werken des Blauen Reiters, der Brücke und ZEN 49 stehen nun dem Franz Marc Museum zur Verfügung.

Innerhalb von nur 18 Monaten ist das Museum in Kochel am See durch einen Neubau erweitert worden, der in seiner Architektur den Bedürfnissen der Sammlung entgegenkommt. Den Besuchern gewährt der Kubus der Züricher Architekten Spillmann und Diethelm durch seine großen Fenster Ausblicke auf den Kochelsee und die Berge. So bietet der Bau Kunstliebhabern einen direkten Vergleich von Vorlage und Motiv, denn nicht nur Franz Marc malte in Kochel, auch die anderen Mitglieder des Blauen Reiters inspirierte die Landschaft.

Viele Wege - ein gemeinsames Ziel

Hocken im Schnee, 1911

Zurzeit hängen 180 Werke auf drei Etagen in dem Museum. Die Direktorin Cathrin Klingsöhr-Leroy plant, jedes Jahr zwei Wechselausstellungen zu zeigen und auch die Dauerausstellung immer wieder zu verändern, um Akzente zu setzen. Im Mittelpunkt steht jedoch immer das Werk Franz Marcs, dessen Einfluss auf andere Künstler sich in der Hängung in jedem Raum bemerkbar macht. So treten Motive von Marc mit Bildern beispielsweise von Willi Baumeister, Rupprecht Geiger oder Fritz Winter von der Gruppe ZEN 49 in einen künstlerischen Dialog. Der gemeinsame Wunsch nach dem "großen Geistigen" vereint hier die unterschiedlichsten Ausdrucksformen.

Der "Turm der Blauen Pferde"

Kurz vor der Eröffnung überraschte die 90-jährige Schwester Etta Stangls, Charlotte Mittelsten Scheid, den Museumsdirektor mit einem besonderen Geschenk: der Vorstudie zum heute verschollenen "Turm der Blauen Pferde". Eine Bereicherung für die Sammlung und ein weiterer Beleg für Marcs Malerei im Versuch, eine bessere, vergeistigte Welt der Kunst zu schaffen.


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