Kultur - Film und Serie


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50 Jahre 007 Lizenz zum Tröten

Seit 50 Jahren wissen wir, wie ein Geheimagent ausschaut. Und wie er klingt. Das Thema ist der erfolgreichste Filmsong, viele Bond-Titel sind Klassiker. 007-Experte Siegfried Tesche erzählt uns, wie alles anfing, was Bond selbst hört - und wie er Tom Jones zu Boden brachte.

Von: Michael Kubitza

Stand: 01.10.2012

Ursula Andress neben Bonddarsteller Sean Connery | Bild: picture-alliance/dpa; br; montage:br

BR.de: Kein anderes Filmthema ist bekannter, wird öfter gespielt, variiert und persifliert als das gitarrengeschossene Dún-da-da-dún-dun-dun-dun von James Bond. Wie schafft man sowas?

Siegfried Tesche

Siegfried Tesche: Das Thema ist eine Art Zufallsprodukt. Geschrieben wurde es von Monty Norman, einem Komponisten, der mit zu den Dreharbeiten auf Jamaika reiste, wo der erste Bond "James Bond jagt Dr. No" gedreht wurde, und dort mit Calypso und Reggae experimentierte. Er schrieb mehrere Nummern wie "Underneath the Mango Tree" für den Film, für das Bondthema fiel ihm aber nichts ein - außer einem ziemlich langsamen, indisch angehauchten Stück, das er schon früher für ein Bühnenmusical geschrieben hatte.

Die Produzenten konnten damit nichts anfangen und reichten das Thema weiter an John Barry, der damals mit der Beatband The John Barry Seven erfolgreich war. "Am Freitag haben die Produzenten mich angerufen, am Dienstag musste der Song fertig sein", hat mir Barry erzählt. Wurde er auch.

BR.de: Norman und Barry sind sich dann ja noch öfter begegnet - vor Gericht.

Siegfried Tesche: Obwohl vieles im Arrangement - etwa das berühmte Gitarrenmotiv von Barrys Gitarrist Vic Flick - ganz anders klingt als bei Norman, hat dieser immer großen Wert darauf gelegt, dass das James-Bond-Thema sein Werk ist. Schließlich wurde das Thema zum Erkennungsmotiv der Serie und ist in fast allen Bond-Filmen mehrfach zu hören. Es ging auch um viel Geld. Barry bekam für seine Arbeit 200 Pfund. Norman musste vor Gericht seine Tantiemen für das Jahr 1997 offenlegen - es waren einige Hunderttausend. Dafür wurde Barry so etwas wie der Hauskomponist von James Bond.

BR.de: Außer dem Thema und der übrigen Filmmusik hatten die Bond-Filme ja noch einen - 25 Jahre lang meist auch von Barry komponierten - Titelsong ...

Siegfried Tesche: ... und der war enorm wichtig. "Wir wollen einen Nummer 1-Hit" war die Ansage der Produzenten. Mit Riesenaufwand wurden Interpreten gesucht, die dem Zeitgeschmack entsprachen. Für "Man lebt nur zweimal" sollte erst Aretha Franklin verpflichtet werden, dann nahm Julie Rogers den Song auf, im Kino war am Ende Nancy Sinatra zu hören.

Volltreffer: Sie haben die Bondsongs gesungen

Die Stars (in chronologischer Reihenfolge): Matt Monroe, Shirley Bassey, Tom Jones, Nancy Sinatra, Louis Armstrong, Shirley Bassey, Paul McCartney & The Wings, Lulu, Carly Simon, Shirley Bassey, Sheena Easton, Rita Coolidge, Duran Duran, a-ha, Gladys Knight, Tina Turner, Sheryl Crow, Garbage, Madonna, Chris Cornell, Alice Keys & Jack White.

BR.de: Was ist das Erfolgsgeheimnis von Mr. Barry?

Siegfried Tesche: Ich weiß, dass er das Ganze mal als "Million-Dollar-Mickey-Mouse-Musik" bezeichnet hat. Und er hat seinen Sängern eine Menge abverlangt. Tom Jones wollte 1965 von ihm wissen, was Ian Fleming mit dem Wort "Thunderball" gemeint hat. Barry antwortete "Sing es einfach, Tom, sei überzeugend und agiere entsprechend."

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Die letzte Note ist so hoch, dass Tom Jones beim Singen im Abbey Road Studio kollabierte, und es gehört viel dazu, den Tiger kollabieren zu lassen. Auch Shirley Bassey war nach den Aufnahmen total fertig. Sie beschwerte sich, dass sie synchron zu den Vorspannbildern singen musste.

BR.de: Madonna verausgabt sich ja auch, zumindest im Video zu "Die Another Day". Trotzdem hat man das Gefühl, dass die neueren Bondsongs noch mehr mit Marketing zu tun haben und wenig mit den Filmen.

Siegfried Tesche: David Arnold, der von 1997 bis 2008 die Rolle von John Barry hat, war nicht sehr begeistert von Madonna. Er hat mir erzählt, dass er keinen Kontakt herstellen konnte, weder zu ihr noch zu irgendeinem Repräsentanten. Er musste die Hälfte des Scores schreiben, ohne den Titelsong zu kennen.

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Bei Jack White und Alicia Keys lief es zuletzt ähnlich. Es ist eben so: Lange hatte United Artists, die Filmfirma, ihre eigenen Labels für die Filmmusik. Inzwischen erscheint alles bei Sony Music, die haben natürlich etwas andere Interessen.

BR.de: Geht es auch um Verjüngung?

Siegfried Tesche: Klar. Für junge Leute war Bond lange "das, was mein Vater guckt", also uncool. Wer ein jüngeres Publikum ansprechen will, braucht andere Bilder und Töne - die klassische Bond-Pose mit Waffe und dann Hände über Kreuz auf die Brust gibt es ja auch nicht mehr. Die Promotion für "Die Another Day" lief in Kooperation mit MTV. BMW hat einen Z8 verlost, den hat ein Teenager gewonnen.

BR.de: Ob Bond das gefallen hätte? In Sachen Musik ist er ja konservativ, zumindest sagt er in "Goldfinger": "Man trinkt nie einen 53er Dom Pérignon, wenn er über acht Grad hat. Das wäre wie ohne Ohrenschützer Beatles hören".

Siegfried Tesche: Ein bisschen später - da ist Bond schon Timothy Dalton - ergreift Bond die Flucht, als ihn Moneypenny mit ihrer Barry Manilow-Plattensammlung rumkriegen will. In Ian Flemings Romanen spielt Musik keine Rolle. Den neueren Fortsetzungen kann man entnehmen, dass Bond Klassikfan ist.

Knapp daneben: Sie hätten beinahe Bondsongs gesungen

Sie wollten, aber durften nicht (oder umgekehrt): Rick Astley, Blondie, David Bowie, Kate Bush, Eric Clapton, Eurythmics, Aretha Franklin, Mick Jagger, k.d. lang, Level 42, Pulp, Frank Sinatra, Take That, Dionne Warwick, Robbie Williams

BR.de: Hätten Sie einen Tipp für die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson, bei wem er den nächsten Bond-Song bestellen könnte?

Siegfried Tesche: Im 23. Bond wird Adele den Titelsong "Let the Sky fall" singen - da kann nicht viel schiefgehen. Ich fänd's schön, wenn sie den Titel bei er Uraufführung live singen würde. Und - ach ja: Dido und die Pet Shop Boys. Die haben was von Bond. Das wären meine Kandidaten.

Siegfried Tesche

The Queen would be amused: Siggi Tesche ist Filmjournalist, Regisseur und 007-Sammler und weiß vermutlich mehr über James Bond als der MI6. Zum Beispiel, dass Bond pro Film im Schnitt sieben Mordanschlägen entgeht, aber nur mit zwei Frauen schläft. Sein "Großes James-Bond-Lexikon" erscheint gerade als E-Book bei hockebooks.

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"Goldeneye" von Tina Turner ("Goldeneye", 1995)

Tina Turner | Bild: picture-alliance/dpa
22,2 %

"For Your Eyes Only" von Sheena Easton ("In tödlicher Mission", 1981)

Sheena Easton | Bild: dapd
19,4 %

"Goldfinger" von Shirley Bassey (1964)

Shirley Bassey | Bild: picture-alliance/dpa
17,3 %

"Live And Let Die" von Paul McCartney & The Wings ("Leben und sterben lassen", 1973)

Paul und Linda McCartney | Bild: picture-alliance/dpa
13,6 %

"We Have All Time In The World" von Louis Armstrong ("Im Auftrag Ihrer Majestät", 1969)

Louis Armstrong | Bild: picture-alliance/dpa
10,5 %

"Nobody Does It Better" von Carly Simon ("Der Spion, der mich liebte", 1977)

Carly Simon | Bild: picture-alliance/dpa
5,2 %

"Licence To Kill" von Gladys Knight ("Die Lizenz zum Töten", 1989)

Gladys Knight | Bild: picture-alliance/dpa
4,0 %

"Diamonds Are Forever" von Shirley Bassey ( "Diamantenfieber", 1971)

Shirley Bassey | Bild: picture-alliance/dpa
3,7 %

"Thunderball" von Tom Jones ("Feuerball", 1965)

Roger Moore und Tom Jones | Bild: picture-alliance/dpa
2,5 %

"Tomorrow Never Dies" von Sheryl Crow ("Der Morgen stirbt nie", 1997)

Sheryl Crow | Bild: picture-alliance/dpa
1,6 %

Diese Abstimmung ist keine repräsentative Umfrage. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbild der Nutzerinnen und Nutzer von BR.de, die sich an der Abstimmung beteiligt haben.


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