Kultur - Dialekt

BR Themenwoche Dialekt: Reden und reden lassen

Kultige Heimatkrimis, das Phantom Muttersprache und Hans Well und Udo Wachtveitl über die Lust an der lokalen Sprache. Dialekt satt in der BR-Themenwoche. Alle Sendungen in der Übersicht.

Stand: 13.04.2018

Trachten: Hosenträger | Bild: BR

Alle Sendungen zum Dialekt in Bayern 1, Bayern 2 und im BR Fernsehen:


Samstag, 28. April, 8:05 Uhr, Bayern 2
"Grant: Der Blues des Südens"
Es soll ja Menschen geben, die meinen, er existiere gar nicht (mehr), der bairische Grant. Sie irren. Als illegitimes Kind der bairischen Hochsprache blickt er nicht nur auf eine lange Tradition zurück, sondern erlebt auch eine höchst lebendige Gegenwart. Gelegenheiten bieten sich schließlich zuhauf. Wenn das Bier mal wieder zu warm, der Kaffee zu kalt, die Suppe zu salzig oder das Ei zu hart ist, dann schlägt die Stunde des Grantlers (und natürlich der Grantlerin). Von Klimawandel, Finanzkrise und anderen Grant-Beschleunigern des Alltags ganz zu schweigen. Aber was ist das eigentlich genau, der Grant? Und was ist so bairisch an ihm?
Von Thomas Grasberger

Samstag, 28. April, 12:05 Uhr, Bayern 2
"Oh mei, mei Dialekt": Die neue Lust an der regionalen Sprache

Essays von Hans Well, Udo Wachtveitl, Werner Specht, Sina Trinkwalder, Dr. Richard Loibl, Harald Grill, Fitzgerald Kusz und Luise Kinseher über die Rolle ihres Dialekts in ihrem Leben.

Samstag, 28. April, 17:45 Uhr, BR Fernsehen
Zwischen Spessart und Karwendel: Dialekt in Rattenbach, Landesausstellung „WALD, GEBIRG UND KÖNIGSTRAUM – MYTHOS BAYERN“

Samstag, 28. April, Filmabend Heimatkrimis:

20:15 Uhr, BR Fernsehen
Freiwild. Ein Würzburg-Krimi

22:00 Uhr, BR Fernsehen
Erntedank. Ein Allgäukrimi

23:30 Uhr, BR Fernsehen
Die reichen Leichen. Ein Starnbergkrimi

Sonntag, 29. April, 09:05 Uhr bis 12:00 Uhr, Bayern 2
Bayern 2 am Sonntagvormittag

Gespräch mit Hans Well
Literarische Fundstücke
O-Töne von bayerischen Künstlerinnen und Künstlern

Sonntag, 29. April, 11:00 Uhr, BR Fernsehen
Der Sonntags-Stammtisch: "Bayerisch - Bissig - Bunt"

Sonntag, 29. April, 12:03 Uhr, Bayern 1
Blaue Couch mit den Kluftinger-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr

Sonntag, 29. April, 6. Mai, 13. Mai, 12:30 Uhr, Bayern 2
"Dea Do is so a Dodl" (3 Folgen)
"Dea do is so a Dodl" dichtet der Grazer Lyriker Herms Fritz und versucht, die Steirische Mundart zu verschriftlichen. Das Bairische war einmal berühmt für seine kreativen, erfindungsreichen Beleidigungen, sagt Gerhard Polt, bajuwarisiert den englischen Knödel als "Mordsdrum-Dumpling" und schickt seinen "Alkoholsportler" ins Rennen. Mit "Bia & Marülln" von Herms Fritz wird  es feuchtfröhlich in der ersten Sendung. Es folgen Büchner-Preisträger Martin Walser und Arnold Stadler, die das Alemannische als ihre "Muttersprache" sehen, aber ihre erfolgreichen Romane schreiben sie in Schriftdeutsch. Für die Dialekt-Lesungen im Offenen Buch kehren sie zurück zur Mundart. Martin Walser bilanziert "s‘ Wasserburger Johr" seiner Geburtsstadt am Bodensee und Arnold Stadler besucht den Friedhof seiner Kindheit, Alemannisch, versteht sich. Die Dramatikerin Kerstin Specht, mit "Das glühend Männla" und "Amiwiesen" einst gefeiert für ihre Kunstsprache, die dem Oberfränkischen entsprang, schreibt längst auf Hochdeutsch. Für diese Dialekt-Reihe porträtiert sie ihre Mutter Friedel im Frankenwald auf Oberfränkisch. Und Fitzgerald Kusz aus Nürnberg bedichtet seine Muttersprache in "mei schbrouch".
Von Cornelia Zetzsche

Sonntag, 29. April, 18:05 Uhr, Bayern 2
"Haben Häuser einen Dialekt? Eine Erkundung mit den Architekten Peter und Christian Brückner"

Das Büro von Peter und Christian Brückner (Brückner & Brückner Architekten) gehört längst zu den wichtigen deutschen Architekturbüros der Gegenwart. Geboren und aufgewachsen in Tirschenreuth, versuchen Peter und Christian Brückner immer wieder, in ihrer Entwurfsarbeit moderne Architektur regional zu verankern, insbesondere über Materialien, etwa mit dem Oberpfälzer Granit, und mit einem großen Respekt vor den bestehenden Zeitschichten vor Ort. Die Arbeit der Architekten mit Büros in Tirschenreuth und Würzburg ist nicht im strengen Sinne regional. Sie stiftet vielmehr eine spannungsvolle und im Grunde philosophische Verbindung zwischen regionalen und internationalen Formen und Ausdrucksweisen.
Von Niels Beintker

Sonntag, 29. April, 19:15 Uhr, BR Fernsehen
Megscht mitlousn? – Dialekt in Werdenfelser Land und Nordtirol
Für Sprachforscher ist das Werdenfelser Land um Garmisch-Partenkirchen ein besonderer Schatz: Nicht nur, dass der Dialekt hier noch ganz selbstverständlich zum Alltag gehört – hier reden die Leute auch noch von Dorf zu Dorf unterschiedlich – wie in alten Zeiten. Die Dokumentarfilmerin Steffi Kammermeier hat eine Reise in diese außergewöhnliche Mundart-Region rund um Garmisch-Partenkirchen unternommen und sich umgehört am Fuße von Zugspitze und Karwendel, im Geviert zwischen den Flüssen Ammer, Isar, Loisach und, auf österreichischer Seite, dem Inn. Denn der südbairische Dialekt endet nicht an der Staatsgrenze, sondern wird auch in Nordtirol gesprochen.
Von Steffi Kammermeier

Sonntag, 29. April, 20:15 Uhr, BR Fernsehen
Wirtshausmusikanten beim Hirziger: "Traditionell schräg dahoam"
Auf vielfachen Wunsch haben Traudi Siferlinger und Dominik Glöbl die bekannten „Tanngrindler Musikanten“ und „Karl Edelmann mit seiner Spielmusik“ ins Wirtshaus eingeladen. Außerdem geben Gäste aus Österreich und der Schweiz beim Hirzinger ihren Einstand. Die „Krammerer Sänger“ aus dem Innviertel feiern heuer ihr 25 jähriges Jubiläum und amüsieren das Publikum mit ihrem Jodler über ein lästiges Zipperlein – das Kreuzweh. Bei dem jungen Ensemble „Gschekad“ ist der Name Programm: Ihr Repertoire bietet eine bunte Mischung aus Klezmer, Jazz und alpenländlicher Volksmusik. Das inspiriert Moderator Dominik Glöbl zu einem spannenden musikalischen Ratespiel. Die “Tanngrindler Musikanten“ glänzen mit einem klassischen Münchner Couplet, dem „Fensterputzer Kare“. Die oberbayrischen „Alpin Drums“ trommeln auf allem, was ihnen unter die Finger kommt. Die vier Musiker bringen sogar Meterstäbe, Kochtöpfe und Sensen zum Klingen. Internationale Volksmusik – doch schweizerisch arrangiert, das zeichnet Ueli Mooser und seine Tanzkapelle aus. Bei seinem „Brooklyn Cake Walk“ swingt der ganze Saal mit. Traudi Siferlinger und Dominik Glöbl beweisen auf humorvolle Weise, dass neben der Musik auch die Mundart ihrer Gäste Ausdruck von Lebensgefühl, Identität und kultureller Vielfalt ist.

Montag, 30. April, bis Freitag, 4. Mai
jeweils 16:15 Uhr, BR Fernsehen
"Wir ein Bayern" täglich ein Dialekt-Gast
Montag: Michael Altinger und Prof. Anthony Rowley
Dienstag: Martin Frank
Mittwoch: Bernd Händel Donnerstag
Lizzy Aumeier
Freitag: Losamol

Montag, 30. April, 21:00 Uhr, BR Fernsehen
Bayern erleben: "Mundart aufgetischt "
Schauspielerin Corinna Binzer empfängt in der Sendung vier Gäste aus unterschiedlichen Ecken Bayerns. Bei einem gemütlichen Kochabend mit Bier und gutem Wein lassen sich die fünf über ihren und andere Dialekte aus.

Montag, 30. April, bis 6. Mai, 19:55 Uhr, Bayern 1
Betthupferl - Eine Woche in Mundart!

Dienstag, 1. Mai: Bayern 1-Dialekt-Tag mit zahlreichen Beiträgen zum Thema
Und mit mit BR-Redakteur, Autor und Sprach-Experten Gerald Huber im Gespräch

Dienstag, 1. Mai, 13:05 Uhr, Bayern 2
"Es war einmal in Unterkrain. Die Geschichte der südbairischen Sprachinsel Gottschee"
Bis 1941 sprachen die meisten Menschen in und um die slowenische Stadt Koèevje einen altertümlichen südbairischen Dialekt – und Koèevje hieß bei den Einheimischen auch nicht Koèevje, sondern Gottschee. Der Grund: Im 13. Jahrhundert hatte ein Kärntner Graf ein 860 Quadratkilometer großes Stück Urwald in Unterkrain als Lehen bekommen und es durch Bauern aus Kärnten, Ost- und Südtirol, Salzburg und Freising roden und besiedeln lassen. Die Sprachinsel, nach ihrem Hauptort Gottschee genannt, umfasste in ihrer Blütezeit 177 Ortschaften und hatte bis zu 25.000 Einwohner.
Von Ulrich Zwack

Dienstag, 1. Mai, Filmabend Tatort

20:15 Uhr, BR Fernsehen
"Tatort: Als gestohlen gemeldet"

22:05 Uhr, BR Fernsehen
"Tatort: Weißblaue Turnschuhe"

23:25 Uhr, BR Fernsehen
"Tatort: 3:0 für Veigl"

Dienstag, 1. Mai, 22:05 Uhr, Bayern 2
"Muttersprache – ein Phantom. Wie wir etwas sprechen, das wir nicht verstehen"
Warum können wir nicht in jeder Sprache Muttersprachler sein? Der Wunsch danach muss groß sein, denn die Science-Fiction-Literatur ist voll von Übersetzungsrobotern oder Bubblefish-Symbionten, die genau das ermöglichen: Alles sprechen und verstehen zu können, sogar Dialekte vom anderen Ende der Galaxie. Aber gehört uns wirklich die eigene Sprache? Ist sie uns nicht auch ein bisschen fremd? Hochsprachen sind immer auch Schriftsprachen – wir alle müssen an der Schule lernen, wie man richtig schreibt. Ein erster Akt der Loslösung, aus der Muttersprache wird die "Vatersprache". So hieß das Latein im Mittelalter, eine Verkehrssprache, in der nur die wenigsten Mütter mit ihren Kindern gesprochen haben dürften. Aber auch der Dialekt bietet nicht immer mütterlichen Schutz. Der in Kärnten geborene Schriftsteller Josef Winkler hasste den Dialekt, der zu Hause gesprochen wurde, weil er ihn in einer kleinen, bäuerlichen Welt festhielt. Freiheit brachten erst die Bücher, Freiheit brachte erst das Hochdeutsche.
Von Martin Zeyn

Mittwoch, 2. Mai, 22:00 Uhr, BR Fernsehen
"Der Klang von Heimat. Die neue Liebe zum Dialekt"
Dialekt ist tot? Von wegen. In Kunst, Literatur, Theater, auch in Kindergärten und Schulen findet eine unerwartete, wunderbare Wiederbelebung statt. Und das Image der Mundart ändert sich gewaltig. Dialekt gleich Hinterwäldler – das war vorgestern, der lang anhaltende Pesthauch der bösen 70er. Dialekt kann künstlerische Triebfeder sein, Kraftquelle, Kreativitätsfundus. Dialekt schärft nicht nur interkulturelle Kompetenz, sondern bildet den Geist, die Seele. Und ganz nebenbei wird das kulturrelle Erbe von Bayern gerettet.

Mittwoch, 2. Mai, 22:45 Uhr, BR Fernsehen
"Kofelgschroa - Frei.Sein.Wollen."
Ihre Musik ist unverstellt, kraftvoll, echt – und sie kommt an. Kofelgschroa aus Oberammergau gehört zu den angesagtesten Bands in Bayern und darüber hinaus. Die vier Musiker transportieren ein Lebensgefühl, in dem sich vor allem junge Menschen wiederfinden. Für Kofelgschroa ist ihre Musik der Gegenentwurf zu einer Welt, in der Leistung, Erfolg und Konformismus zählen. Mit ihren teils absurden Liedtexten schaffen sie ironische Distanz zu allem, was richtig und Erfolg versprechend ist. So widersetzen sie sich jeder Formatierung. Genau das macht sie so interessant und eröffnet Vermarktungschancen, denn nichts ist derzeit so kostbar wie alles Echte, Authentische. Ihren Verzicht auf künstlerische Attitüde halten manche für eine ganz bewusste Haltung, manche für Koketterie. Dieses Spannungsfeld auszuhalten und sich und ihrer Musik treu zu bleiben, ist aber der Rettungsanker der vier Bandmitglieder.
Von Barbara Weber

Mittwoch, 2. Mai, radioWelt, Bayern 2:

radioWelt am Morgen (ab 06:05 Uhr):
Gespräch mit einem Sprachforscher über den Dialekt

radioWelt am Mittag (ab 13:05 Uhr):
"Lässt sich Dialekt übersetzen?"

Von Iris Härdle

radioWelt am Abend (ab 17:05 Uhr)
Korrespondenten-Kette: Fast nicht mehr verständliche Dialekte in Bayern, z.B. Oberpfälzisch, Allgäuerisch, Unterfränkisch

Donnerstag, 3. Mai, 22:00 Uhr, BR Fernsehen
Ringlstetter
Exklusiv zur BR Dialektwoche leistet Hannes Ringlstetter in seiner Sendung „Ringlstetter“ am 3.5. einen besonderen Beitrag. Gemeinsam mit den besten Dialekt-Rappern des Freistaats wird er einen Song performen: „Fürchtet Euch nicht!“. Mit dabei im Ringlstetter-Studio sind die Chartstürmer von Dicht & Ergreifend, Maniac (Demograffics), Roger Rekless (PULS/Bayern3), Franz Liebl alias Monaco F, BBou und Liquid.

Samstag, 5. Mai, 08:05 Uhr, Bayern 2
"Homer, Shakespeare und Co. in Bayern – Mutmaßungen über den beliebtesten deutschen Dialekt"
Sprechen Sie bairisch? Nein? Dann wird es höchste Zeit, es zu lernen. Denn kein anderer Dialekt ist in Deutschland so beliebt wie das Bairische. Woran das liegt? An der Schönheit und Klugheit der Bayern? Kann sein, die amtierende Miss Germany jedoch stammt aus Stuttgart, wo man gemeinhin ein ziemlich gewöhnungsbedürftiges Idiom pflegt. Und Jürgen Habermas ist geborener Düsseldorfer. Logopäden und Dialektforscher weisen deshalb lieber auf die rollenden "Rs", die runden Vokale, die weichen Sprenglaute sowie die vielen Diphthonge hin, die dem Bairischen insgesamt einen weicheren und warmherzigeren, sprich: kommunikativeren Sprachklang verleihen. Will heißen: Bairisch ist sexy! – Auch wenn Missverständnisse dazu gehören. "A Kiwi" ist hierzulande keine tropische Frucht, sondern ein Eimer.
Von Thomas Kernert

Dienstag, 8. Mai, 22:30 Uhr, BR Fernsehen
"Zefix halleluja! Die Kunst des Grants"
Eigentlich gehört er ja längst geschützt, der Grant, und auf die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes gesetzt. Die beiden Autoren der Kultur-Dokumentation gehen dieser These nach und prüfen, ob die Kriterien für die Aufnahme in dieses Verzeichnis erfüllt sind. Vor allem aber machen sie sich auf die Suche nach den großen und kleinen Grantlern im bairischen Sprachraum zwischen München und Wien. Und selbstverständlich wird auch die Frage beantwortet: Wie steht's eigentlich mit den Schwaben, Allgäuern und Franken? Haben die auch einen Grant?
Von Norbert Haberger