Kultur

Spezialeffekte-Oscar Oscar-Preisträger Gerd Nefzer: ein begnadeter Handwerker

Ein Schwabe hat einen Oscar 2018 bekommen: Gerd Nefzer wurde mit drei Kollegen für die Spezialeffekte in "Blade Runner 2049" ausgezeichnet. Nefzer ist der Mann für analoge, "echte" Effekte - in diesem Fall mit viel Wasser.

Von: Moritz Holfelder

Stand: 05.03.2018

Richard R. Hoover (l-r), Paul Lambert, Gerd Nefzer, und John Nelson, ausgezeichnet bei den Oscars 2018 für die besten visuellen Effekte ("Blade Runner 2049") | Bild: dpa-Bildfunk/Jordan Strauss

Ein gelernter Argrartechniker aus Schwäbisch-Hall, ausgezeichnet in Hollywood mit einem Oscar: Gerd Nefzer (Zweiter von rechts) nahm die begehrte Trophäe am Sonntagabend in Los Angeles entgegen. Noch vor seiner Abreise hat Moritz Holfelder den Nominierten in Berlin besucht.

Gerd Nefzer sitzt in seinem kleinen Büro im schmalen Anbau hinter der legendären Marlene-Dietrich-Halle im Filmpark Babelsberg: "Wir sind ja zu viert nominiert, also drei Leute Visual Effects und ich für die praktischen Effekte. Das war dann natürlich ein großer Jubel im Büro mit einem Gläschen Sekt und Torte dazu, war schon ein Erlebnis." Der 52-Jährige ist erfüllt von der Freude, dass er in Los Angeles tatsächlich einen Oscar in der Hand halten könnte. Kurz zuvor, bei den britischen Filmpreisen, den Baftas, wurde er gemeinsam mit den amerikanischen Computerspezialisten in seinem Team schon für die besten Special Effects ausgezeichnet – und zählte dann auch in Hollywood zu den Favoriten.

Eine Menge ganz analoges Wasser

Viel deutsches Fernsehen hat Nefzer früher gemacht, erste Höhepunkte der internationalen Karriere waren dann die Mitarbeit an "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino und an "Grand Budapest Hotel" von Wes Anderson. Schließlich engagierte ihn auch Steven Spielberg für den in Berlin gedrehten Spionagethriller "Bridge of Spies" – und danach kam der Anruf aus Hollywood für "Blade Runner 2049".

"Im November 2015 klingelte das Telefon", erinnert sich Nefzer, "da war der amerikanische Produzent Bill Carraro dran – und hat gesagt, wir machen nächstes Jahr einen größeren Film in Budapest, wie sieht es mit Deiner Zeit aus? Ich habe gefragt, was ist das denn für ein Film? Er hat gesagt, da darf er nicht drüber reden. Aber ob ich denn prinzipiell Zeit hätte? Da hab‘ ich geantwortet, ja, selbstverständlich habe ich Zeit … ." Die Szenen, bei denen Gerd Nefzer und sein Team am meisten zu tun hatten, waren die Einstellungen am Ende des Films: Ryan Gosling und Harrison Ford sind mit ihrem "Spinner" auf einem befestigten Teil des Meeresufers gelandet. Es regnet, die Brandung ist stark – und das Fahrzeug, das auch fliegen kann, versinkt langsam in den Fluten. Gerd Nefzer: "Die Szenen im Wasser wollten sie in Malta drehen, da gibt es ein spezielles Film-Wasserbecken. Aber dann ging das aus logistischen Gründen nicht – und die Produktion hat gesagt, wir müssen selber ein Becken bauen. Innerhalb von zwölf Wochen wurde ein 50 mal 50 Meter Pool gebaut – und wir haben die ganze Technik aus dem Boden stampfen müssen. Das war eine heftige Nummer, aber es hat alles funktioniert. Und Wasser ist für uns einfach eines der schwierigsten Elemente."

Ein begnadeter Handwerker

Gerd Nefzer war bei "Blade Runner 2049" vor allem für die Inszenierung des Regenwetters zuständig, um die erwünschte düstere Stimmung zu erzeugen. Analog hergestellte Spezialeffekte sind da nach wie vor gefragt, weil die meisten Regisseure erkannt haben, dass echtes Wetter auf der Leinwand einfach besser wirkt als im Computer erzeugtes. Und auch den Schauspielern ist das konkrete Erleben von Regen und Wind viel lieber als das erst später erzeugte digitale Wetter. Gerd Nefzer ist vor allem ein begnadeter Handwerker, der gerne improvisiert und sich für komplexe Aufgaben immer etwas einfallen lässt. Studiert hat der gelernte Landwirt aus dem Schwäbischen ursprünglich Agrartechnik: "Ja, man kann von allem ein bisschen was. Man hat ein bisschen Ahnung von Chemie, Mechanik, Schweißen, Schrauben, Holz und so – das war sehr hilfreich. Bei mir in der Truppe ist noch ein Landmaschinenmechaniker, ein Metzger, ein Bergarbeiter – also, das ist eine wild durcheinander gewürfelte Truppe."

Für Gerd Nefzer wäre es die Krönung eines ungewöhnlichen Lebenswegs, wenn er den Spezialeffekte-Oscar in sein Unternehmen holen könnte. Gegründet wurde die Firma von seinem Schwiegervater – lange Zeit hatten die beiden einfach nur den Verleih von Filmautos und -waffen organisiert. Die Familie von Gerd Nefzer lebt nach wie vor in seiner Heimat im Schwabenland. Bodenständig ist der Mann geblieben, der jetzt einen Oscar gewinnen könnte – in Berlin hat er gemeinsam mit einem Freund nur eine kleine Wohnung. "Ich lebe aber noch in Schwäbisch-Hall, also Zuhause, im Häusle im Ländle sozusagen."