Kultur

Kein Sound der Zukunft Warum Franz Ferdinand mit "Always Ascending" im Tiefflug sind

Franz Ferdinand waren einmal der Sound der Zeit – 2004, mit ihrem ersten Album. Die folgenden drei Alben kamen nicht an das Debüt heran. Auf dem neuen, fünften Album findet sich fast nur noch rückwärtsgewandte Dudelei zum Einschlafen.

Von: Christoph Möller

Stand: 09.02.2018

 Der Sänger Alex Kapranos der schottischen Band Franz Ferdinand 2015 | Bild: dpa-Bildfunk/Britta Pedersen

Das Erste, was auffällt beim Hören von "Always Ascending", dem fünften Album von Franz Ferdinand, sind all diese nervigen Wiederholungen. "Lazy boy, lazy boy, lazy boy." Wie ein Leierkasten singt Alex Kapranos darüber, wie faul er ist – und dass er nicht aufstehen will. Es wirkt wie die Leiden eines pubertierenden Jugendlichen. 2004 hieß ihr großer Hit noch "Take Me Out" – und fing das Zeitgefühl einer ganzen Generation ein. Franz Ferdinand waren der personifizierte Eskapismus und klangen dabei so cool.

Klingt nach den Nullerjahren, nicht nach 2018

Auf "Always Ascending" ist davon nicht mehr viel zu hören. Es ist eine ambitioniert runtergespielte Rock-Platte, die im Jahr 2018 charakterlos wirkt. Irritierend auch die Aussage von Sänger Alex Kapranos gegenüber der Musikzeitschrift NME: Mit diesem Album wolle man Sounds liefern, die so noch niemand gehört hat – den Klang der Zukunft. Er sei immer auf der Suche nach etwas, was die Leute noch nicht kennen. Erstaunliche Plattitüden über ein Album, das derart nach Nullerjahren und Vergangenheit klingt, dass man sich fragt, ob es sich vielleicht um eine Veröffentlichung von altem Material handelt, dasaus guten Gründen nie herausgebracht wurde?

"Always Ascending" ist ein Album voller Rock-Balladen – wie gemacht für Saufabende in der Kneipe. Perfekt zum Mitgrölen und sich nostalgisch in den Armen liegen. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern rückwärtsgewandte Dudelei zum Einschlafen.

"Finally" – ein Lichtblick auf "Always Ascending"

Doch nicht alles ist schlecht auf "Always Ascending". Der Titeltrack immerhin klingt ein bisschen nach Talking Heads, hat zumindest mal eine einigermaßen funktionierende Dramaturgie – und Synthesizer. Und auch das Stück "Finally" macht – mit betörendem Sixties-Vibe, schnell gespieltem Schlagzeug und swingender Hammond-Orgel – immerhin ein bisschen Spaß.

Vielleicht ist es die Last des vergangenen Erfolgs, die Franz Ferdinand in ihrer Kreativität einschränkt. Vielleicht die fehlende Expertise von Gründungsmitglied Nick McCarthy, der die Band 2016 verlassen hat, um sich anderen Projekten zu widmen. Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Alles Spekulieren nützt nichts, denn Franz Ferdinand haben offenbar einfach vergessen, wie es ist, das Gefühl einer Zeit zu Musik zu machen. 2004 waren sie darin meisterhaft. 2018 wirken sie wie leblose Geister aus der Vergangenheit.

"Always Ascending“ von Franz Ferdinand ist auf Domino Records erschienen.