Kultur

Filmfest München Das sind die Gewinner auf dem Filmfest München 2018

Das Filmfest München ist zu Ende und hat sich gerade am Ende als politisches Festival gezeigt – und eins mit vielen Ecken und Kanten, wie die Gewinnerfilme zeigen.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 09.07.2018

Regisseurin Eva Trobisch und Schauspielerin Aenne Schwarz (BR Koproduktion "Alles ist gut") im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk auf der Förderpreisverleihung vom Filmfest München 2018 am 6.07.2018 in der HFF München. | Bild: BR/Johanna Schlüter

Zum Ende wurde es dann doch noch richtig politisch auf dem Filmfest München: Die BR-Koproduktion "Wackersdorf" bekam bei der Abschlussgala den Bayern 2-Publikumspreis. Und auch, wenn der Politkrimi über zivilen Widerstand in der Oberpfalz ein etwa 40 Jahre zurückliegendes Ereignis behandelt, nutzte Regisseur Oliver Haffner seine Dankesrede, um darauf hinzuweisen, dass Zusammenhalt und politisches Sendungsbewusstsein nie an Aktualität verlieren: "Ich hoffe, [der Film] ist für uns alle eine Inspiration für Mut und Engagement in diesen doch sehr verschwurbelten, schwierigen Zeiten und dass er uns Mut macht. Dass wir unsere Welt wieder in die Hand nehmen und unsere Gesellschaft, in der wir leben, lustvoll gestalten und nicht den populistischen Idioten überlassen."

Sieben Jahre Arbeit am Film

Sieben Jahre hat Haffner an "Wackersdorf" gearbeitet, hat sich mit allerlei Problemen herumgeschlagen und sich nicht unterkriegen lassen. Er ähnelt damit den Kämpfernaturen in seinem Film: Aktivisten, die sich Anfang der 80er-Jahre quer durch alle sozialen Schichten zusammengetan haben, um gegen den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage in ihrer bayerischen Heimat zu protestieren.

Mit viel Gefühl für Atmosphäre, an Originalschauplätzen im Landkreis Schwandorf gedreht, mit historischen Aufnahmen und der richtigen Dosis Situationskomik zeichnet Haffner ein Stück Zeitgeschichte nach, das damals weit über die Landesgrenzen hinaus diskutiert wurde. Und vor allen Dingen zeigt er, dass mit der nötigen Portion Zivilcourage sowohl Überlandesväter vom Kaliber Franz Josef Strauß als auch aalglatte Regierungsschergen in die Schranken verwiesen werden können.

Ein Festival mit Ecken und Kanten

Sie räumte einige Preise ab: Regisseurin Eva Trobisch.

Ein regelrechter Dauergast bei den Preisverleihungen des Filmfests war dieses Jahr Eva Trobisch: Erst am Freitag hatte die 34-Jährige für ihr Vergewaltigungsdrama "Alles ist gut", ebenfalls eine BR-Koproduktion, den Förderpreis für die beste Regie erhalten; ihre Hauptdarstellerin Aenne Schwarz bekam den Nachwuchspreis für die beste Schauspielleistung. Bei der Abschlussgala legte der internationale Verband der Filmkritik nach und überreichte Trobisch den Fipresci-Preis für den besten Film aus der Reihe Neues Deutsches Kino. In ihrer Dankesrede hatte sie auch endlich eine Antwort auf die ihr im Laufe des Filmfests häufig gestellte Frage, was die Kernaussage ihres offen endenden Dramas sei: Vielschichtigkeit ertragen und nicht den einfachen Weg gehen.

In gewisser Weise hat Trobisch damit die komplette Reihe Neues Deutsches Kino zusammengefasst, die in diesem Filmfest-Jahr wieder positiv aus dem Programm herausstach – auch wenn nicht jeder Beitrag in die Kategorie "leicht verdaulich" fiel. Aber genau diese Ecken und Kanten wünscht man sich ja auf einem Film-Festival – wo bliebe sonst der Diskurs?