Kultur


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Ironische Systemkritik "Montenegro Zero", das neue Album der Rapperin Haiyti

Die Hamburger Kunststudentin und Rapperin Haiyti rappt über dicke Autos und klingt wie eine Mixtur aus Neuer Deutscher-Welle-Sound und pseudo-Techno. Das deutsche Feuilleton liebt sie, aber ihr neues Album überzeugt nicht.

Von: Christoph Möller

Stand: 12.01.2018

Mit einem Handy-Störgeräusch beginnt Haiytis Album „Montenegro Zero“. Und dann geht sie schon los. Die große, ironische Produktschau. "Mein Handy, das ist ein Trap-Phone / jeder Anruf ist ein Money-Call". Statt mit dem iPhone telefoniert Haiyti mit ihrem Trap-Phone – in Anlehnung an Trap, einer Unterform des Hip-Hops, die gerade den Sound der Gegenwart bestimmt.

Haiyti, die neue Hoffnung des deutschen Rap

Haiyti ist die neue Hoffnung des deutschen Rap. Das Feuilleton liebt sie, die Szene sowieso. Vor allem wegen ihrer Biografie. Eigentlich heißt sie Ronja Zschoche, ist Mitte 20 und aufgewachsen in einer Sozialbauwohnung in Hamburg, ein Leben zwischen Reeperbahn und Drogenwahn. Irgendwie real soll das sein, scheinbar nah am richtigen Leben.

Man kann Haiyti wunderbar über Zitate erzählen. Denn das ist Meta-Pop, anschlussfähig, für jeden was dabei. Eine Kunstfigur, die man glaubt zu kennen, und die eigentlich unnahbar bleibt. Doch viel interessanter als über ihre persönliche Geschichte oder ihre vermeintliche Authentizität zu spekulieren, sind sowieso ihre Stücke. Etwa „Gold“.

Ironischer Blick auf das kapitalistische System

Niemand kreischt so schön heiser wie Haiyti. Ihr Gesang – entfremdet durch den Auto-Tune-Effekt, der jede noch so schlechte Stimme perfekt klingen lässt. Dazu eine schwelgerische Melodie, es ist eine moderne Hip-Hop-Ballade. Der zumeist düstere Ton des Albums wird etwas aufgelöst in "Monacco", einem der besseren Stücke der Platte. Haiyti rappt über ihre erfundenen Häuser im Fürstenstaat.

Häuser in Monaco, Funkelnde Ketten, Silber, Gold, Drogen, Audi A6, Landrover. „Montenegro Zero“ – das ist vor allem ein ironischer Blick auf das kapitalistische System, in dem wir ständig denken, wir hätten zu wenig von eigentlich allem. Haiytis Systemkritik funktioniert, weil sie sich nie ganz ernst nimmt. In „Serienmodell“ etwa singt sie: „Ich bin ganz anders, ganz speziell, ich bin ein Serienmodell“.

Mischung aus Neuer Deutscher-Welle-Sound und pseudo-Techno

Doch so richtig kickt das alles nicht. Vieles wiederholt sich, wirklich innovativ sind weder der Sound, noch Haiytis Texte. Sicher ist bloß: Was alle wollen, will sie unbedingt nicht. Zum Beispiel in den Berliner Techno-Club Berghain reinkommen, der für seine harte Türpolitik bekannt ist.

Eine Mischung aus Neuer Deutscher-Welle-Sound und pseudo-Techno. Im Hintergrund wird völlig gaga rumgestöhnt. Ob das jetzt ernst ist oder ein Scherz – es bleibt offen. Die Qualität dieses Albums ist gleichzeitig seine Schwäche. Es lässt einen seltsam ratlos zurück. Zwar hört man Hayiti gerne zu, wie sie sich mit ihrer von Effekten entfremdeten Stimme durch die Gegenwart schleift. Doch das wäre viel besser, wenn alles noch schräger, noch abgehakter, noch ein verrückter wäre. So bleibt es ein mittelmäßiges Rap-Album, das zwar die durchkommerzialisierte Gegenwart treffend analysiert, so wirklich zeitgemäß dann aber doch nicht klingt.


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