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"Star Wars" in Disney-Hand Die Macht ist stark in der Maus

Disney hat eine weitere "Star Wars"-Trilogie angekündigt – diesmal von den Machern von "Game of Thrones". Es wäre die dritte Disney-Trilogie, zusätzlich zu mehreren "Star Wars"-Einzelfilmen und -Serien. Nur: Die Blockbuster-Flut bedroht die Vielfalt im Kino.

Von: Ralph Glander

Stand: 08.02.2018

Stormtroopers bei der Europa-Premiere von "Star Wars - The Force Awakens" 2015 in London | Bild: picture-alliance/dpa / Geisler-Fotopress

Es ist der hochsommerliche August des Jahrs 1999: In luftige Jedi-Ritter-Roben gekleidet und mit Plastik-Lichtschwertern bewaffnet campen euphorische "Star Wars"-Fans seit Tagen vor den Kinos. Nach 16 langen Jahren ist es endlich soweit: "Star Wars – Episode I: Die Dunkle Bedrohung" ist endlich da. Nach der anfänglichen Begeisterung über mehr "Star Wars" stellt sich aber schnell Ernüchterung bei den Fans ein. Denn was "Star Wars"-Mastermind George Lucas den Fans vorsetzt, ist... nicht das, was sie gerne gehabt hätten. Zu viele leblose, digitale Effekte, dünne Charaktere, kein Tempo, keine Seele, keine "Star Wars"-Magie.

"Star Wars"-Rechte für Disney

Ein gigantischer Hit – und einer der finanziell einträglichsten Filme aller Zeiten – wird es trotzdem. Genau wie die folgenden "Episode II" (2002) und "Episode III" (2005). Aber: Der "Star Wars"-Mythos war entzaubert und die Fans fragten sich: Muss jetzt überhaupt noch etwas kommen? Oder darf "Star Wars" einfach für immer in Frieden ruhen? Heute ist klar: Ganz und gar nicht! 2012 erwacht die Macht des Mythos nämlich erneut. Der US-Medienkonzern Walt Disney erwirbt für rund vier Milliarden Dollar das Unternehmen Lucasfilm – und damit auch die Rechte an "Star Wars". Für Disney – ohnehin schon der weltgrößte Unterhaltungskonzern – der dritte gigantische Einkauf von Lizenzen. Zuvor hatte das Unternehmen die Comicfirma Marvel und das Animationsstudio Pixar übernommen.

Und der Konzern mit der niedlichen Maus im Logo kündigt sofort zahlreiche neue "Star Wars"-Filme an: eine komplette neue Trilogie und obendrauf zahlreiche Einzelfilme. 2015 schließlich – zehn Jahre nach "Episode III" – kommt der erste disneyfizierte "Star Wars" in die Kinos. Und wird zum dritterfolgreichsten Film aller Zeiten. Diesmal hat sich das lange Warten auch für die Fans gelohnt. "Episode VII – Das Erwachen der Macht" entlässt alte wie neue Fans hochzufrieden aus den Kinos. Zwar ist der Film nüchtern betrachtet nur ein zeitgemäßes Remake des allerersten "Star Wars"-Films von 1977, dazu brav und mitunter bräsig inszeniert – doch das tut dem Hype keinen Abbruch.

Erfolgreiches – und profitables – Story-Universum

"Star Wars" wird nach all den dürftigen, tristen Jahren wieder zur größten Marke der Entertainment-Welt. Mit der Entscheidung, den in Cineastenkreisen hoch angesehen Indie-Regisseur Rian Johnson für "Episode VIII" zu engagieren, signalisiert Disney Fans und Kritikern außerdem: Im Ausgleich für das viele schöne Geld setzen wir auch auf erhöhte Qualität. Es ist kein leeres Versprechen: Schon "Episode VII" stößt auch in großen Teilen des Feuilletons auf positive, teilweise begeisterte Resonanz.

Und ein Ende der "Star Wars"- Euphorie ist momentan undenkbar: Noch vor dem Kinostart von "Episode VIII"  kündigte Disney eine zusätzliche Trilogie von Rian Johnson an. Und jetzt gab der Konzern bekannt, dass die beiden Chef-Autoren von "Game of Thrones" – David Benioff und D.B. Weiss – ebenfalls eine neue "Star Wars"-Trilogie entwickeln werden. Eine weitere kluge (Business-)Entscheidung, schließlich haben die beiden mit ihrer Buchreihen-Adaption "Game of Thrones" bereits bewiesen, wie man ein erfolgreiches Story-Universum noch erfolgreicher machen kann.

Wie viel "Star Wars" ist zu viel?

Doch die Frage muss erlaubt sein: Wie viel "Star Wars" ist zu viel? Denn Disney will nicht nur die Kinoleinwände unaufhörlich mit Lichtschwertern, Wookies und Todessternen tapezieren. Auch für das heimische Wohnzimmer soll es eine Vollversorgung geben. Der Konzern kündigte jüngst eine wahre Fülle an Serien aus dem "Star Wars"-Universum an. Zu sehen geben wird es die auf einem derzeit geplanten hauseigenen Streaming-Dienst. Für Fans sind das gute Nachrichten. Jedenfalls dann, wenn sie nach dem Kinobesuch des neuesten "Star Wars"-Films daheim gleich noch zwei, drei Folgen der aktuellen "Star Wars"-Serie gucken möchten.

Zudem ist die voranschreitende Expansionswut von Disney nicht unbedenklich. So sind dystopische Befürchtungen der Branche von einer Monopolisierung des Blockbuster-Marktes nicht ganz unberechtigt. Denn Disney hat Mitte Dezember auch noch die Übernahme des Medienunternehmen-Schwergewichts 21st Century Fox für 52,4 Milliarden US-Dollar angekündigt. Dass dieser Kauf zustande kommt, ist wohl beschlossene Sache, die genauen Details des Deals werden gerade zwischen Disney und Fox geklärt. Fest steht nur: Mit dem "X-Men"-Franchise, dessen Rechte bei Fox liegen, kann Disney seinem Portfolio wohl bald eine weitere, hochprofitable Marke hinzufügen.

Disney im Höhenflug, das Kino in der Krise

Dem/der durchschnittlichen Kinogänger/in und Seriengucker/in dürfte egal sein, wer nun hinter einem neuen Marvel-, "Star Wars"-, "Indiana Jones"- oder Pixarfilm steckt. Doch auch er oder sie wird sicher merken, dass neben den vielen großen Blockbustern vielleicht bald immer weniger Filme ihren Weg in die Kinos finden. Generell befindet sich die Filmbranche seit einigen Jahren auf einem absteigenden Ast. Immer weniger Menschen gehen ins Kino, die Bruttoeinnahmen gehen zurück – außer für Disney.

Es werden kaum mehr neue Kinos gebaut und die meisten vorhandenen entscheiden sich im Zweifelsfall dafür, so viele Säle wie möglich mit erfolgreichen Blockbustern à la Disney zu bespielen. Das Nachsehen haben Filme mit einem kleineren Produktions- und vor allem Marketing-Budget. Viele Filmemacher aus dem Independent-Bereich werden ihre Filme wohl bald gar nicht mehr in die Kinos bringen können. Der große Verlierer ist die Vielfalt der Filmlandschaft.

Disney dafür die alleinige Schuld zuzusprechen, wäre natürlich falsch. Auch der Filmmarkt bietet nur das, was die Konsumenten wollen. Und momentan ist das eben auch: so viel "Star Wars" wie nur möglich. Und das am liebsten ohne große Wartezeiten wie damals in den aufregenden Tagen vor der Premiere von "Episode I" im Jahre 1999. Da beißt die Disney-Maus keinen Faden ab.


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