Kultur

Präsidentenporträt: Barack und Michelle Obama Ein Porträt als Gesprächsangebot

Barack Obama und seine Frau Michelle hatten selbst die beiden KünstlerInnen ausgewählt, die sie für die National Portrait Gallery der Vereinigten Staaten verewigen sollten. Gestern wurden die Porträts enthüllt - eine Kurzanalyse.

Von: Stefan Mekiska

Stand: 13.02.2018

Michelle Obama and Artist Amy Sherald, right, unveil Michelle Obama's official portrait at the Smithsonian's National Portrait Gallery | Bild: picture-alliance/dpa Andrew Harnik

Gestern wurden die beiden Werke der afroamerikanischen KünstlerInnen Kehinde Wiley und Amy Sherald der Öffentlichkeit übergeben. "Ich vermisse euch", rief Barack Obama bei seiner kurzen, aber launigen Rede zur Enthüllung ins Publikum - ein lautes Echo aus dem Saal tönte zurück. "Ziemlich scharf" sagt der 44. US-Präsident, als er sich für die in seinen Augen gelungene Darstellung seiner Gattin bedankte: "Anmut, Schönheit, Intelligenz, Charme und Attraktivität der Frau, die ich liebe, wurden spektakulär eingefangen".

Ex-Präsident Obama - ein Porträt als Gesprächsangebot

Barack Obama porträtiert von Kehinde Wiley

Barack Obama überlebensgroß. Auf einem einfachen Stuhl sitzend, den Blick direkt und selbstbewusst auf die Betrachter gerichtet, die Arme zwar zurückhaltend verschränkt, die Beine aber breit geöffnet. Ein Porträt als Gesprächsangebot. Der Blütenteppich, vor dem er sitzt, lässt sich symbolisch so deuten: Eine neue Blüte afro-amerikanischer Kultur mit dem ersten schwarzen Präsidenten. Und sind die exotischen Pflanzen nicht auch ein Nachweis für die Bereicherung durch Weltoffenheit, Frieden, Handel? Stilistisch zitiert der Maler Kehinde Wiley meisterlich große Porträtkunst der Kunstgeschichte. Von den Alten Meistern der Renaissance bis zum Werk des Pop-Artisten David Hockney. Insgesamt ein äußerst gelungenes Beispiel dafür, dass sehr gute Malerei manchmal wirklich mehr leisten kann als Fotografie.

Michelle Obama: Mode-Ikone in Rodins "Denker"-Pose

Michelle Obama applaudiert Amy Sherald für das Werk

Michelle Obama im eleganten Kleid. Sie wirkt nachdenklich und ernst. Ein Moment wie kurz vor dem Aufbruch zu einem Empfang, zu einem diplomatischen Essen oder zu sonst einem gesellschaftlich hoch relevanten Ereignis. Es ist wohl Sommer - das Kleid ist schulterfrei. Die Muster auf dem Stoff erinnern an die geometrische Kunst der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts. Das Porträt einer klugen Frau, nicht umsonst ist hier auch Rodins „Denker“ mit zitiert, aber auch einer sportlichen, Trends setzenden Mode-Ikone. Alles, was Michelle Obama für die Weltöffentlichkeit verkörperte und verkörpert, ist hier gespiegelt. Und: Die afro-amerikanische Künstlerin Amy Sherald fügt ganz im Sinne der Obamas ihre Spezialität hinzu: Das Gesicht, die Arme sind grau. Kein Mensch sollte nach der Farbe seiner Haut beurteilt werden!