Kultur

Berlinale 2018: Neue Serien "Bad Banks" - Im Rausch des Geldes

Christian Schwochow hat für das ZDF eine neue Serie über das europäische Finanzsystem gedreht. Im Interview von der Berlinale 2018 erzählt er, warum das Casting schwierig war und wieso ihn moralisches Erzählen aufregt.

Von: Moritz Holfelder und Vanessa Schneider

Stand: 16.02.2018

Szenen aus der ZDF-Serie Bad Banks | Bild: ZDF/Sammy Hart

Als im September 2008 die Investementbank "Lehman Brothers" zusammenbricht, erreicht die Bankenkrise ihren vorläufigen Höhepunkt. Sie löst die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem schwarzen Freitag von 1929 aus, reißt ganze Länder in den Ruin und bringt die Finanzbranche in Verruf.
Zehn Jahre später wirft die Dramaserie "Bad Banks" von ZDF und Arte einen Blick auf das Bankensystem heute: Die junge und talentierte Investmentbankerin Jana Liekam (Paula Beer) steht plötzlich ohne Job da. Aber dann vermittelt ihr ausgerechnet ihre ehemaligen Chefin Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) eine neue Stelle bei einer Konkurrenzbank. Dort gerät Jana unter ihrem charismatischen neuen Vorgesetzen Gabriel Fenger (Barry Atsma) mitten in einen Finanzskandal.

Christian Schwochow (u.a. "Bornholmer Straße" und "Der Turm") hat Regie geführt und "Bad Banks" auf der Berlinale international vorgestellt. Eine Serie über korrupte Banken – das erinnert schnell an die opulente Filmbiografie "Wolf of Wallstreet" von Martin Scorsese über den skrupellosen Börsenmakler Jordan Belfort. Der hat die Serienmacher aber nicht beeinflusst, sagt Christian Schwochow:

"Es war ganz schnell in der Recherche festzustellen, das Investmentbanking nicht mehr das ist, was es in den 80ern oder in den 90ern mal war. Es ist nicht mehr der Wilde Westen, der von Autoverkäufern bevölkert wird. Sondern sehr viel stiller, es hat sehr viel mehr mit Computern zu tun. Das Adrenalin ist aber geblieben."

Moritz Holfelder: Die Geschäfte in der Finanzwelt sind ja sehr schwierig auf die Leinwand zu bringen – wie um was es wirklich geht, also diese Spekulationen auf Naturkatastrophen usw. so richtig verstehen tut man’s ja nicht!

Paula Beer, Regisseur Christian Schwochow und Barry Atsma (v.l.n.r.) am Set von "Bad Banks"

Christian Schwochow:  Ob man da jetzt jeden einzelnen Schritt versteht war uns gar nicht so wichtig. Wir wollten eher das Gefühl dafür vermitteln, um was für Beträge es da geht. Und wie lapidar ist das auch manchmal - ab welchem Betrag fängt ein Banker erst wirklich an zu schwitzen? Um einfach das Gefühl dafür zu kreieren, wie dicht das an unserer Wirklichkeit dran ist – oder wie weit entfernt? Wir haben uns trotzdem sehr genau beraten lassen: Diese Transaktionen, diese Geschäfte, über die wir da sprechen sind konstruiert, aber durchaus denkbar. Aber es ist völlig richtig, das Unglaubliche an dieser Hochfinanz ist ja nicht nur für den Laien so schwer zu verstehen, das ist auch für die Insider schwer zu verstehen. Das ist ja eins der großen Probleme, warum auch plötzlich eins dieser Systeme zusammen- oder auseinanderbricht: Weil der eine nicht genau weiß, was der andere macht.

Wie ist der Titel der Serie – Bad Banks - gemeint?

Dieser Begriff hat für uns natürlich eine doppelte Wirkung, weil er erstmal dazu einlädt zu glauben – "Okay, Bad Banks, schlechte Banken - Das kann jawohl so pur nicht gemeint sein!" Das ist auch nicht so pur gemeint: Auf der anderen Seite gibt es in der Serie auch eine "Bad Bank", die gegründet wurde, um Schrott, der negativ auf der Bilanz einer anderen Bank liegt, zu kaufen und dort auszulagern.

Gab‘s in ihrer Serie die Idee moralisch Stellung zu beziehen: also zu sagen, Hey, das muss tatsächlich stärker reguliert werden, dieser ganze Bankensektor? Oder: Das ist eben so wie es ist, und das ist der Markt – also eher neoliberal? Gibt’s da eine Haltung?

Szene aus "Bad Banks"

Natürlich gibt’s da eine Haltung: Die Frage ist nur, wie erzählt man heute Haltung im Film? Und ich finde nichts langweiliger, als den Menschen von vornherein meine Haltung vorzusetzen, aufzuzwängen. Das ist für mich unmodernes Erzählen. Was wir versuchen in der Serie, ist erstmal in das Denksystem von Banken und den Akteuren zu kommen und zu merken, wie weit deren Realität in sich stimmig ist. Und wir versuchen, den Zuschauer in diese Stimmigkeit zu locken, so dass der Zuschauer selber begreift, wo er verführt ist bestimmte Mechanismen als Gott gegeben anzuerkennen und somit vielleicht auch Teil einer Krise sein könnte. Das ist das hehre Ziel, das ich verfolge. Dieses von vornherein moralische Erzählen finde ich völlig uninteressant. Ich erreg mich da immer so drüber, weil das nach wie vor das dominante Denken ist – diese Einteilung in Gut und Böse. Und in so einem Fall, wie mit den Banken, ist es ganz schnell eine Welt aus Arschlöchern und eine moralisch integre Figur, die versucht alle Mauern einzureißen. Das hat nichts mit der Realität zu tun und letztlich dient es der Beruhigung des Publikums moralisch auf der sicheren Seite zu stehen.  

Die größte Entdeckung war ja für mich Désirée Nosbusch, die die Bankenchefin Christelle Leblanc  -  spielt.

Das habe ich schon öfter gehört. Der Castingprozess für die Serie war wahnsinnig aufwändig. In meiner Recherche zu dem Stoff war schnell klar, dass das sehr viele Schauspieler ausschließen wird. Investmentbanking ist ein unheimlich körperlicher Beruf. Entscheidungen werden in Sekunden gefällt, die Märkte reagieren innerhalb von Sekunden. Alles geht um Sekunden. Dieser Adrenalinrausch, den eigenen Puls beherrschen zu müssen und Körpersprache ist ein ganz wichtiger Teil in der Kommunikation innerhalb von Verhandlungen. Diese Art von Spirit, unter deutschen Schauspielern zu finden, muss ich sagen, war ganz schwer. Désirée Nosbusch war dann so ein Geschenk. Die Serie spielt hauptsächlich zwischen Deutschland und Luxemburg. Es war völlig klar, ich besetze aus diesen beiden Ländern, aber auch möglicherweise aus anderen. Und dazu kommt: Sie ist Unternehmerin, sie hat eine eigene Produktionsfirma, sie ist in der Lage sechs Sprachen fließend zu sprechen – was in dieser Welt der Hochfinanz absolut keine Seltenheit ist. Désirée hat in Los Angeles gelebt, sie hat in Italien gelebt, lebt in Luxemburg, in Berlin – und das merkt man auch. Das ist etwas, was ganz schwer herzustellen ist. Und nicht ohne Grund sind auch Schauspieler in der Serie, die sogar einen Background haben, der außerhalb der Kunst und Schauspielwelt liegt. Marc Limpach (Luc Jacoby) ist ja völlig unbekannt. Das ist ein Luxemburger Schauspieler, der aber auch im zweiten Leben Anwalt ist und für die Finanzaufsicht in Luxemburg arbeitet. Wir haben zwei Schauspieler im weiteren Umfeld, die ehemalige Investmentbanker sind. Bis hin zu den Komparsen, die zu 70% Leute sind, die in Banken arbeiten.

Legen Sie jetzt anders Geld an?

Gabriel Fenger (Barry Atsma) heizt seinem Team ein.

Ich war vorher ziemlich konservativ und vorsichtig in dem, wie ich mit Geld umgehe und das hat sich nicht verändert. Ich habe nicht mein Girokonto geräumt und das Geld unter die Matratze gelegt, aber ich hab auch nicht angefangen mit einer anderen Spielfreude zu spekulieren, dafür bin ich nicht der Typ. Sollte ich mal die Gelegenheit haben, wirklich viel Geld anlegen zu müssen, würde ich, glaube ich, anders nachfragen, wo diese Geld eigentlich hin geht. Ich glaube, das ist auch so ein Teil der eigenen Verlogenheit: Man schimpft so viel auf das Bankensystem und wenn ich dann einem Bankberater gegenübersitze und der mir verschiedenen Sachen anbietet, um das Geld zu vermehren, dann frage ich ja auch nicht so genau nach.

"Bad Banks" wird ab dem 03.03.2018 um 22 Uhr im ZDF ausgestrahlt und ist ab dem 22.02.2018 komplett in der ZDF-Mediathek abrufbar.