Kultur

Das Popjahr 2017 Protest Musik im Jahr 2017

2017 gab es unzählige Protestsongs von Musikerinnen und Musikern aller Genres. Die meisten aber richteten sich deutlich gegen eine berühmte Person: Donald Trump.

Von: Moritz Gaudlitz

Stand: 22.12.2017

Eminem und Margo Price, im Hintergrund Donald Trump | Bild: Illustration: BR / Christian Sonnberger

Das, was der Rapper Eminem vor zwei Monaten in einem Freestyle Rap abgeliefert hat, leitete zum einen das wohl wichtigste Musiker-Comeback dieses Jahres ein und war zugleich die prägnanteste und expliziteste Donald-Trump-Kritik der Musikwelt im Jahr 2017. In unzähligen Versen beleidigt der Rapper den Präsidenten und reimt über einen möglichen Atomkrieg und die neue Macht des Ku-Klux-Clans. Damit ist Eminem aber nicht der einzige. Denn Protest und Kampfansagen gegen Donald Trump und seine Politik gab es in diesem Jahr in der Musik, genauso wie in anderen Kunstformen, nicht wenig.

Die Form des Protests unterscheidet sich natürlich je nach Musikrichtung. So ist die Kritik der beiden Rapper YG und Nipsey Hussle aus Los Angeles in ihrem Song "Fuck Donald Trump" ziemlich deutlich. Neben einer klaren Beleidigung, rappen sie über die politischen Entscheidungen Trumps, seinen offensichtlichen Rassismus, sein antisoziales, frauenfeindliches Verhalten und sein infantiles "Getwittere".

Female Power gegen Trump

Das französisch-kubanische Duo Ibeyi hat dieses Jahr den Song "No Man Is Big Enough For My Arms" aufgenommen. Grundlage des ruhigen Musikstücks ist ein Sample von Michele Obamas Rede aus dem Herbst 2016. Die ehemalige First Lady reagierte damit auf Trumps "Access Hollywood"-Video, auf seine berüchtigte frauenverachtende Aussage.  Das sich immer wiederholende Sample von Michele Obama, die darüber spricht, dass sie für keinen Mann zu schwach sei, wirkt im langsamen Song von Ibeyi wie ein nicht erhörtes Gebet. Denn Donald Trump wurde trotz Skandalen und diverser Vorwürfe der sexuellen Belästigung zum US-Präsidenten.

Auch die amerikanische Songwriterin Fiona Apple lieferte in diesem Jahr einen Anti-Trump Song. "Tiny Hands" wurde zur Hymne des Women's March, bei dem im Januar 2017 eine halbe Million Menschen in Washington D.C. für Frauenrechte und gegen Trump protestierten. Der Song besteht aus einem Beat und der Wiederholung eines Reims und ist eine klare Ansage gegen das Frauenbild Trumps: "We don't want your tiny hands anywhere near our underpants"- "Wir wollen Ihre winzigen Hände nicht in der Nähe unserer Unterwäsche!"

Sogar Countrymusiker gegen Trump

Im Herbst 2016, also kurz bevor Donald Trump Präsident wurde, berichteten viele amerikanische Musikmagazine und Nachrichtendienste noch mit erhobenen Zeigefinger über Anti-Trump-Songs. Sie fragten: "Kann man denn solche Songs über den zukünftigen US-Präsidenten veröffentlichen?" Aber niemand ließ sich wirklich von der Kritik abhalten und nach Amtsantritt und den ersten politischen Veränderungen meldete sich sogar die Country Sängerin Margo Price zu Wort. Sie ist eine der wenigen Country-Musikerinnen, die sich gegen den amerikanischen Präsidenten ausspricht. Country ist die wahrscheinlich amerikanischste Musikrichtung überhaupt, die meisten Vertreter des Genres sind entweder Patrioten oder Patrioten. Auch Margo Price - aber ihre traurige Ballade "All American Made" vermittelt ihre Unzufriedenheit mit Trump und seiner Politik, die die Arbeiterschicht und den Mittelstand ignoriert und nur die weißen reichen Amerikaner fördert.

Protestsongs 2016

In den 1960er-Jahren waren Folkmusik, in den 80er-Jahren Hardcore Punk Sprachrohre gegen politische Krisen. 2016 kamen die Protestalben von Hip-Hop und R’n’B Stars wie Beyoncé, Kendrick Lamar, A Tribe Called Quest oder Solange Knowles. Sie alle lieferten wunderbare Alben, die sich vor allem eine Frage stellten: Was bedeutet es heute, schwarz in Amerika zu sein? In Zeiten, in denen auf offener Straße unschuldige Afroamerikaner von weißen Polizisten erschossen werden, sind diese Künstler zum Sprachrohr der Black Lives Matter Bewegung geworden. Sie verpacken ihre Beobachtungen über Rassismus, Gender und Polizeigewalt kritisch in ihre R’n’B, Pop und Hip-Hop Stücke und lieferten 2016 den Soundtrack für ein modernes, liberales Amerika und versuchen mit der ganzen Kraft ihrer Musik Rassismus zu besiegen.

2017: Anti-Trump-Songs

Doch 2017 gibt es kein bestimmtes Genre, keinen Musikstil, der explizit politisch ist. Es sind viele verschiedene Künstlerinnen und Künstler mit einzelnen Songs, die alle einen gemeinsamen Feind haben: Donald Trump. Und trotzdem hat die Popmusik 2017 von ihm profitiert. Die Sängerin Lana Del Rey wurde damit berühmt, dass sie Songs über ein glorifiziertes Amerika aus vergangenen Zeiten singt. In ihren Texten trauerte sie dem amerikanischen Traum nach und evozierte eine ungreifbare Sehnsucht. Auf ihrem aktuellen Album "Lust For Life" hört Lana endlich das Träumen auf und wird politisch. "When The World Was At War, We Kept Dancing" ist beispielsweise ein provokanter aber dabei hoffnungsvoller Song über das Ende der amerikanischen Ära unter Trump. Die meisten Anti-Trump-Protestsongs sind intelligente, teilweise auch unterhaltsame Musikstücke, die vor allem die amerikanische Gesellschaft motivieren, in schweren Zeiten nicht aufzugeben und stark zu bleiben.

Keine Lust auf Politik

Auch wenn nicht jeder berühmte Musiker einen Song gegen Donald Trump schreiben muss, hätte man doch gerade von einem bestimmten Popstar ein Statement erwartet:Taylor Swift. Sie wurde dieses Jahr mit ihrem Song "Look What You Made Me Do" überraschend zur Ikone der neurechten amerikanischen Bewegung erklärt. Verschiedene rechte Nachrichtenportale und Blogs haben Beiträge zusammen mit Textzeilen aus dem Song getweetet und veröffentlicht, Neonazis bezeichneten Swift sogar als ihre "Arische Göttin." Doch das eigentliche Problem ist hier nicht die Unruhe im Netz, sondern die Tatsache, dass sich die Sängerin bis heute nicht direkt gegen ihr ungewolltes rechtes Fanlager gestellt hat. So egal, wie ihr das ist, wirkt auch ihr neues Album, auf dem kein politischer Song zu finden ist. Es geht darin nämlich – ein bisschen so wie bei Trump – eben auch nur um sie selbst.