Kultur

Aktivistisches Kino Diese 5 Filme lehren uns den Widerstand

Wer Unrecht duldet, stärkt es: Aktivistisches Kino hält dagegen, macht auf soziale und politische Missstände aufmerksam und regt zu Veränderungen an. Vorreiter waren Dokus, aber längst gibt es auch Aktivisten-Spielfilme. Unsere fünf Favoriten.

Von: Stefanie Spiegel

Stand: 10.07.2018

120 BPM - Szene aus dem Film | Bild: Salzgeber

Aktivisten wollen nicht tatenlos zusehen, während Unrecht geschieht – sie wollen gehört werden und die Welt zum Besseren verändern. Und das auch im Kino: Längst ist Aktivismus in der Filmwelt angekommen, und zwar nicht mehr nur in Form von Dokus: Immer mehr Spielfilme erzählen Geschichten mit realen Problemen. Diesen fünf Filmen gelingt der Spagat zwischen Unterhaltung und Engagement besonders gut:

"120 BPM" (2017) von Robin Campillo

Das Herz eines neugeborenen Menschen schlägt 120 Mal pro Minute – völlig egal, welcher Herkunft, Hautfarbe oder sexuellen Orientierung. Davon ist der Titel des Filmdramas um den Pariser Ableger der Aids-Aktivistengruppe ACT UP in den 90er Jahren abgeleitet. Es sind junge Frauen und Männer – homosexuell und heterosexuell – manche von ihnen bereits infiziert, die AIDS mit ihren Aktionen in Paris sichtbar machen wollen. Sie stürmen mit Trillerpfeifen in die Büros eines Forschungslabors und bespritzen die Fenster mit Kunstblut. Oder legen sich zwischen Kreuzen auf die Straßen von Paris, in Gedenken an die Toten, die AIDS bereits gefordert hat und noch fordern wird. "120 BPM" dokumentiert eindrucksvoll die AIDS-Krise der frühen Neunziger – kombiniert diese Geschichte aber auch geschickt mit einer Lovestory.

"Spotlight" (2015) von Tom McCarthy

Ein Team um den Journalisten Michael Rezendes (Mark Ruffalo) will Anfang der 2000er die Wahrheit um sexuelle Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche von Boston ans Licht bringen. Dazu passt der Name des nur vierköpfigen Investigativ-Teams: Spotlight, zu Deutsch: Scheinwerferlicht. Am Anfang des Films scheint es noch so, als gäbe es nur einige schwarze Schafe in der Priestergemeinde. Nach und nach decken die Journalisten aber auf, dass die Missbrauchsfälle zahlreich sind und systematisch von der Kirche vertuscht werden. Umso leidenschaftlicher kämpfen sie um die Veröffentlichung der Fälle. "Spotlight" zeigt, wie ein ganzes Netzwerk aus Schweigen und Vertuschen über Jahre hinweg funktioniert – und wie es durchbrochen werden kann.

"Milk" (2008) von Gus Van Sant

Die Geschichte des politischen Aktivisten Harvey Milk zeigt, wie ein Einzelner mit viel Mut etwas Großes bewegen kann: Harvey (Sean Penn) kämpft für die Rechte Homosexueller im San Francisco der 70er Jahre und entscheidet sich irgendwann, politisch aktiv zu werden. Seine ersten Kandidaturen für einen Sitz im Stadtrat und im Parlament von Kalifornien scheitern. Gemeinsam mit seinem Kampagnen-Team kämpft Harvey schließlich ein drittes Mal um einen Sitz im Stadtrat – und trifft anschließend auf den hartnäckigen Widersacher Dan White (Josh Brolin). Gerade die persönliche Herangehensweise von "Milk" überzeugt: Harvey Milk war und ist eine Inspiration für viele homosexuelle Menschen, aber der Film zeigt ihn auch als Mensch mit privaten Problemen.

"Dear White People" (2014) von Justin Simien

Der Name des fiktiven Films "Dear White People" ist gleichzeitig der Titel der Radiosendung von Samantha White (Tessa Thompson), der schwarzen Studentin im Zentrum der Handlung. In der Sendung kritisiert sie mit scharfer Zunge die rassistischen Verhaltensweisen ihrer Mitstudenten an der Winchester University. Schließlich lässt Samantha sich zur Wahl zur Studentensprecherin aufstellen, um sich so für die afroamerikanischen Studenten einzusetzen. Viele ihrer Kommilitonen stehen hinter ihr und unterstützen den Wahlkampf. Der Film eskaliert, als weiße Studenten eine afroamerikanische Mottoparty veranstalten. Mit satirischem Witz kommentiert die Komödie gekonnt ein Problem, das sich immer mehr zuspitzt: wachsende rassistische Spannungen an Universitäten in den USA. "Dear White People" kam so gut an, das Netflix eine Serie mit dem gleichen Namen daraus gemacht hat und inzwischen schon die dritte Staffel produziert.

"Suffragette  – Taten statt Worte" (2015) von Sarah Gavron

Die Wäscherin Maud Watts (Carey Mulligan) wird 1912 Teil der Suffragetten-Bewegung in Großbritannien. Gemeinsam kämpfen die – meist weiblichen – Mitglieder dieser Bewegung um Dinge, die heute selbstverständlich sind: Zunächst um das Frauenwahlrecht, dann auch um das Recht, als Frau auf öffentlichen Plätzen rauchen zu dürfen und um die Selbstbestimmung der Frau. Um auf sich aufmerksam zu machen, zünden die Aktivistinnen Sprengstoffe an Briefkästen und – leerstehenden – Häusern. Beim Pferderennen in Epsom, bei dem auch der König anwesend sein soll, wollen die Suffragetten schließlich vor laufenden Kameras ein Transparent entrollen, das auf ihre Situation aufmerksam macht – mit schwerwiegenden Folgen. "Suffragette  – Taten statt Worte" veranschaulicht, mit wie viel Gewalt der Kampf um Frauenrechte verbunden war – und beleuchtet die fast vergessenen Anfänge der immer noch zu wenig beachteten Frauenbewegung.