Themen - Unterwegs in Bayern


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Der Glaube Volksfrömmigkeit - das Bild ist das Ziel

Oft stehen sie ganz unscheinbar am Wegesrand und waren einst doch Zentrum der Volksfrömmigkeit: Votivkapellen. Die gestifteten Bilder erzählen vom Leben und Hoffen der einfachen Bevölkerung entlang der Isar - zum Beispiel des wehrhaften Sattlers Christoph Christi aus Landau.

Von: Maximilian Burkhart

Stand: 05.04.2012 | Archiv

Altergemälde in der Wallfahrtskirche Maria | Bild: Stadt Landau an der Isar

1645: Europa ist vom Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) verwüstet. In Straubing, dem ehemaligen Zentrum der Reformation in Niederbayern, wehrt sich die katholische Landbevölkerung gegen die protestantischen Schweden. Mit einem kleinen Trupp macht sich Christoph Christi aus dem nahegelegenen Landau an der Isar auf, die 340 Straubinger Krieger zu entsetzen.

Wieder und wieder rennen die Schweden gegen die Stadt an, die sie schon 1633/34 besetzt hatten. Für den tapferen Sattler wird's brenzlig – sehr brenzlig. Als er das Weiße in den Augen der Schweden sieht, "verlobt er sich Maria". Da ist ihm, so erzählt es die Legende, als schwebe die Patrona Bavariae auf einem Schild über ihm. Die Schweden lassen von ihm ab.

Private Andacht und öffentliche Wallfahrt

Die Wallfahrtskirche Maria im Steinfels in Landau.

Glücklich wieder heimgekommen in Landau sieht er bei seinem Nachbarn, dem Siebmacher Michael Wanser, ein Bild der Jungfrau Maria, das aufs Haar seiner rettenden Erscheinung gleicht. Der Siebmacher überlässt Christoph Christi das Bild, der es zur Andacht in einer Sandsteinhöhle aufstellt.

Doch schnell macht die Kunde von der wundertätigen Muttergottes die Runde und Christi stellt das Bild für die Allgemeinheit zugänglich auf eine Säule. Es beginnt eine rege Wallfahrt aus der näheren Umgebung. 1698 wird dem "wundertätigen Bild" eine Kapelle gebaut.

Der mühevolle Weg zum Ablass

Altergemälde in der Wallfahrtskirche Maria (Detail)  | Bild: Stadt Landau an der Isar

Im Christentum beginnt die Wallfahrts-Bewegung im frühen Mittelalter. Ziel sind Reliquien, zum Beispiel Partikel der Dornenkrone Christi und das Kopfreliquiar der Heiligen Hedwig auf dem Heiligen Berg in Andechs. Die mühevolle "peregrinatio religiosa" dient meist einem Sündenablass, der Blick des Wallfahrers ist also ins Jenseits gerichtet. Doch zunehmend kommen in Bayern Gnadenwallfahrten in Mode: um 1250 am Bogenberg, 1364 nach Kößlarn im Rottal und 1480 zu Unserer Lieben Frau in Altötting.

Reliquien für den Adel, Votivbilder fürs Volk

Das Ziel der Gnadenwallfahrten sind wundertätige Bilder oder Statuen, die vor Gefahren des alltäglichen Lebens wie Hochwasser, Viehseuchen oder Raubüberfälle schützen sollen oder schon geschützt haben. Der Wallfahrer bittet oder dankt für das Diesseits - mit einem Bild, der Votivgabe.

Wallfahrtskirchen entlang der Isar (Auswahl)

Obere Isar

Höllkapelle Leutasch (Mittenwald), St. Anton Wegscheid (Lenggries), Maria Hilf Lenggries, Leonhardskapelle Bad Tölz, St. Laurentius Wolfratshausen, St. Sebald Egling, Zur Schmerhaften Mutter Gottes Großdingharting

Stadt-Isar München

Heilig Kreuz Forstenried (München), Marienklause München, St. Maria Thalkirchen (München)

Mittlere Isar

St. Wilgefortis Neufahrn, Zum gegeißelten Heiland Freising, Freisinger Dom, St. Eberhard Tüntenhausen, Marienwallfahrtskirche Rudlfing, Maria Rast Langenbach, Marienwallfahrtskirche Feldkirchen (Moosburg), Stiftskirche St. Kastulus Moosburg, Ursulinenkloster Landshut, St. Sebastian Landshut, Maria Brünnl Landshut

Untere Isar

Marienwallfahrtskirche Jenkofen, Mariae Heimsuchung Frauenberg, St. Wolfgang Essenbach, Maria vom Guten Rat Wörth an der Isar, St. Maria Himmelfahrt Niederviehbach, Geißelung Christi Dingolfing, St. Leonhard Dingolfing, St. Aegidius Dingolfing, Heimlichleiden Dingolfing, St. Johann Baptist und Johannes Evangelist Usterling, Mariae Himmelfahrt Pilsting

Isarmündung

Maria im Steinfels Landau, St. Leonhard Ganacker, Maria Bürg Oberpörring, St. Salvator Plattling, Mariae Himmelfahrt Thundorf, Zur Schmerzhaften Muttergottes Geiersberg, St. Maria Osterhofen, Maria Himmelfahrt Deggendorf, Zur Schmerzhaften Muttergottes Deggendorf, Zum Heiligen Grab Deggendorf

Auch architektonisch unterscheiden sich die beiden Wallfahrtstypen. Die Reliquien sind sehr kostbar und schwierig zu beschaffen. Oft werden sie von Adligen gestiftet und gehören den großen Domen und Abteien. Ganz anders die Gnadenbilder: Sie werden meist in kleinen Kapellen angebetet - Glaube fürs einfache Volk also.

Einfacher Aufbau

Schutz vor dem Ertrinken

Die barocken Votivkapellen verbreiten sich schnell im gesamten Isar-Raum, kommen sie doch der einfachen Volksfrömmigkeit entgegen. Ein Motiv freilich taucht besonders häufig auf: Ertrinken. Vor allem die Flößer und Holzarbeiter, die die Isar zum Triften nutzen, stiften viele Votivbilder und Statuen.

Verehrt werden vor allem Maria, der Brückenheilige Johann Nepomuck und der Heilige Nikolaus. Mit der Aufklärung nahm auch der Glaube an die wundertätigen Bilder ab, ganz verschwunden sind Gandenwallfahrten jedoch nie.


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